Freitag, 11. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 4

Die Lage des Bunkers war schon sehr abgelegen. Ungefähr zehn Minuten lang waren wir den Feldweg entlang gerumpelt, bis wir auf die Straße stießen, auf der auch weit und breit keine Ansiedlungen zu sehen waren. Vielleicht war es deswegen so ruhig. Weiter ging unsere Fahrt über menschenleere Straßen. Größere Ortschaften versuchten wir zu umgehen, durch die kleinen rasten wir entschlossen durch. Außerplanmäßige Halts waren nicht vorgesehen und so führte uns unser Weg immer weiter weg von der Sicherheit der Bunkeranlage. Plötzlich bekam ich es mit der Angst zu tun und ich sehnte mich förmlich nach der Sicherheit der meterdicken Mauern zurück. Wir hatten genügend Platz und genügend Vorräte und vielleicht konnten wir auch mit einem Generator auskommen. Die Anlage war für 1000 Menschen entworfen, bot uns ausreichend Möglichkeiten, uns auszubreiten und wir hatten Vorräte. Was hatten wir hier draußen zu suchen?
 
Als würde er meine Gedanken lesen, sprach mich Stefan an: “Gespenstisch, nicht wahr? Erst freut man sich, aus dem scheiß Keller rauszukommen und kaum ist man draußen, wünscht man sich nichts sehnsüchtiger, als dahin zurückkehren zu dürfen. Jedem von uns ging’s schon genauso, vor allem denen, die schon mal gegen die Dinger kämpfen mussten. Manfred, den kennst du doch, hat sich bis auf Weiteres von allen Außeneinsätzen zurückstellen lassen. Wen wundert’s? Der hat die Schnauze voll, von den Dingern, kann ich dir sagen. Und er ist nicht der Einzige.
 
Am Anfang haben wir uns um die Außeneinsätze regelrecht geprügelt und gestern hatten wir Mühe, die nötigen 40 Leute zusammen zu bekommen. Ohne eure Unterstützung hätte der Oberst Freiwillige bestimmen müssen.”
 
Kehlig lachte der Unteroffizier über seinen abgedroschenen Spruch, bevor er fortfuhr.
 
“Ich war dabei, als wir die Kinder rausgeholt haben. Ich hab sie als erster kommen sehen. In dem Moment wollte ich schreien, wollte die anderen warnen, hab aber keinen Laut über die Lippen bekommen. Zum Glück muss man nicht reden können, um mit seinem Gewehr umzugehen.”
 
Fast liebevoll strichen Hausers Finger über sein in der Mittelkonsole eingerastetes Sturmgewehr, bevor er sich wieder dem Führen des Fahrzeugs widmete.
 
“Ich war auch dabei.”, setzte Ludwig die Unterhaltung fort. “Deswegen fahr ich auch noch raus. Seit dem Tag glaube ich an Wunder und wenn es da draußen noch Kinder gibt, dann werde ich sie finden. Vielleicht finde ich auch meine Familie noch irgendwann.”
 
Seine letzten Worte kamen nur noch stockend und es sah so aus, als wären Tränen in seine Augen getreten.

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