Sonntag, 13. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 6

Nachdenklich ließ ich mir seine Worte durch den Kopf gehen. Sollte es wirklich so schlimm um uns stehen? Aber wenn wir es geschafft hatten, gab es da draußen sicher noch mehr. Das war ja auch nicht der einzige Bunker in dem Land und mit Sicherheit auch nicht ein Bunker im besten Zustand. Die letzten 30 Jahre sind sicher an der Mehrzahl dieser Zeugen des kalten Kriegs nicht spurlos vorüber gegangen, aber genauso sicher gab es noch Bunker, die regelmäßig gewartet, oder in privater Hand waren. Irgendwie beneidete ich die Schweizer Eidgenossen, die für jeden Einwohner einen Bunkerplatz vorgesehen haben, der sich nicht selten im Keller des eigenen Hauses befindet.
 
Nachdem nun auch Stefan stumm blieb, schwiegen wir uns die restliche Fahrt einfach an. Inzwischen hatten wir den bisherigen Aktionsradius der Expeditionen verlassen und tasteten uns auf für uns unbekanntes Terrain vor. Rund 40 KM hatten wir noch vor uns. Von der Bundesstraße bogen wir auf eine hoch führende Landstraße und setzten auf der die Reise fort. Gelegentlich stand ein verlassenes Fahrzeug am Straßenrand und zwischen den die Straße säumenden Bäumen bildete ich mir immer wieder ein, eine Bewegung wahr zu nehmen.
 
Nach weiteren zehn Minuten durchquerten wir den ersten größeren Ort. Ein kleines Dorf, verlassen wie alle anderen Ortschaften. Vielleicht 300 bis 400 Leute mochten hier einst gewohnt haben. Mehrere der Häuser wiesen Spuren von Verwüstung auf. Türen waren aus den Angeln gerissen und Fensterscheiben eingeschlagen. Nicht nur mir wurde mulmig im Magen, auch meine zwei Kameraden hatten Mühe das Gesehene zu verarbeiten. Ein am Wegesrand liegender, umgestürzter Kinderwagen jagte mir einen Schauer über den Rücken und schnell wandte ich den Blick wieder ab und das Heck des vor uns fahrenden Fahrzeugs im Auge.
 
Abgeschnitten von der Außenwelt war es schwer nachzuvollziehen, dass diese Katastrophe über das ganze Land hereingebrochen war und wurde schon bald zu dem Gefühl, sich nur in einem bösen Traum zu befinden, aus dem es kein Erwachen gibt. Mit den Ruinen der einstigen Zivilisation konfrontiert zerplatzte diese Traumblase und öffnete die Augen für die bittere Wahrheit, die man fast schon erfolgreich verdrängt hatte. Deswegen starrte ich weiter auf die Heckleuchte und versuchte, die Außenwelt von nun an zu ignorieren. Auch, als wir den Ort verlassen hatten und bereits die nächste Ortschaft ansteuerten, blieb mein Blick auf das Heck des LKWs gerichtet.
 
Dort leuchteten plötzlich die Bremsleuchten auf und noch bevor ich wusste, was passiert war, ratterte bereits das erste Sturmgewehr und die Kanone des Marders spuckte Tod und Verderben. Das Funkgerät erwachte ebenso plötzlich zum Leben und informierte uns über eine Straßensperre und attackierende PSGs. Keine Sekunde zu früh, denn in dem Moment sahen wie sie zwischen den Bäumen hervor schwirren. Es war so, wie sie es mir erzählt hatten. Wie ein Schwarm verteilten sie sich und starteten einen massiven Angriff in unserer linken Flanke. Die erste Reihe der Angreifer wurde förmlich von der Kanone des Panzers zerfetzt. Die Wucht war ausreichend, auch noch die dahinter nachkommenden in Stücke zu reißen und den Baumbestand an der Stelle auszudünnen.

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