Montag, 14. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 7

Eilig griff Stefan nach seinem Sturmgewehr, riss die Tür auf und sprang nach draußen. Ohne, dass ein weiteres Wort nötig war, folgte Ludwig ihm durch die offene Tür und sofort stimmten ihre Waffen in den Rhythmus der anderen Verteidiger ein. Noch zögernd wog ich die Maschinenpistole in meinen Händen und wollte gerade den anderen hinterher springen, als eine Bewegung auf der rechten Seite meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Dort lag eine Wiese, die von ihrem Besitzer wohl nie wieder gemäht werden würde. In den letzten sechs Wochen war das Gras wild gewachsen, stand hoch und etwas war in dem Gras.
 
Erst war es mehr ein Gefühl. Wie schon zuvor meinte ich aus meinen Augenwinkeln eine Bewegung erhascht zu haben, was sich nach einem zweiten Blick als scheinbar falsch heraus stellte. Trotzdem spürte ich förmlich, dass dort etwas auf uns lauerte und verharrte trotz des laufenden Gefechts. Meine Geduld wurde belohnt, als etwas Dunkles für einen Sekundenbruchteil über das Gras huschte. Es war zwar nur undeutlich, aber jetzt war ich mir sicher, etwas gesehen zu haben.
 
Wieder eine Bewegung, wieder nur kurz. Es konnte ein Tier gewesen sein, mehrere Tiere, oder etwas pirschte sich in der Deckung des Grases an uns heran. Ein Blick nach links überzeugte mich, dass die Lage dort noch unter Kontrolle war. Die Angreifer kamen kaum über die Baumgrenze hinweg, bevor sie von unseren Sturmgewehren gefällt wurden. Umgestürzte Bäume bildeten ein zusätzliches Hindernis für die Angreifer, das uns einen deutlichen Vorteil verschaffte. Trotzdem kam mir die Zahl der Angreifer plötzlich zu niedrig vor. Viel zu niedrig. Ein Ablenkungsmanöver.
 
Über den Lärm hinweg rief ich nach Stefan, der sich eher widerwillig von der Schlacht abwandte.
 
“Was ist denn los? Willst du hier drin darauf warten, dass sie kommen und dich abschlachten?”, fuhr er mich an. “Im Gegensatz zu dir hab ich aber keinen Bock hier und heute draufzugehen. Also beweg deinen faulen Arsch hier raus und schau, dass du ein paar von diesen Dingern umlegst.”
 
Noch bevor er sich abwenden konnte, setze ich schnell an: “Ich glaube, ach was, ich bin mir sicher, dass sie von der anderen Seite kommen. Das ist nur ein Ablenkungsmanöver. Und scheiße nein, ich will hier nicht draufgehen, ganz und gar nicht.”
 
Erst schien er skeptisch, rang sich aber nur kurzer Abwägung der Lage dazu durch, auf die andere Seite des Fahrzeugs zu wechseln. Konzentriert beobachtete er die Wiese und dann sah er es. Wieder nur für eine Sekunde blitzte etwas im Gras auf, um genauso schnell wieder zu verschwinden, wie es aufgetaucht war.
 
“Das Funkgerät, schnell”, brüllte er hoch, woraufhin ich ihm das Mikrofon hinunterreichte. Das Kabel war lang genug und sofort bellte er ein Lageupdate in das Gerät. Weiter vorne wurden über den Lärm hinweg Befehle gebrüllt und ich sah Männer um die Fahrzeuge herumrennen. Eine, zwei, drei Explosionen erschütterten das Gras. Neben Erde und Gras wurde noch etwas anderes in die Luft geschleudert. Klauen, Blut und Innereien segelten durch die Luft, gefolgt von einem markerschütternden Schrei.
 
Der musste so etwas wie ein Signal gewesen sein, denn von einer Sekunde auf die andere färbte sich das Gras grau braun. Eine ganze Armee der “anderen” hatte sich im hohen Gras angeschlichen und stand nur wenige Meter vor unseren Stellungen. Dieses Mal zögerte ich nicht und entleerte mein erstes Magazin innerhalb weniger Sekunden in die erste Reihe der Angreifer. Die sahen schlimmer aus, als ich mir auszumalen wagte. Immer mehr ähnelten die Opfer dieser Musik wilden Tieren. Reißzähne und Klauen waren bei vielen Exemplaren sehr weit ausgebildet und auch die Schädelform glich immer mehr der eines Tiers, als der eines Menschen. Die meisten liefen gebückt und einige auf allen Vieren. Die einstige Kleidung hing nur noch an Fetzen an ihren Körpern und darunter entwickelte sich eine prächtige Haarpracht. Bilder von Werwölfen schossen mir bei deren Anblick durch den Kopf und schienen mir als Anhaltspunkt für einen Vergleich passend.

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