Dienstag, 15. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 8

Über meinen Gedanken hatte ich vergessen, das Magazin zu wechseln, was ich schnell nachholte und erneut einen langen Feuerstoß in Richtung der Angreifer schickte. Leider nicht halb so effizient wie gedacht. Ein Großteil der Salve bohrte sich in lediglich drei oder vier der Angreifer, was angesichts der Magazingröße eine eher magere Ausbeute war. Wieder lud ich nach, legte den Hebel dieses Mal aber auf Einzelfeuer und versuchte die Angreifer gezielt auszuschalten. Andernfalls wäre ich mit meiner Munition nicht weit kommen.
 
Es war ein brutales Gemetzel, bei dem das Recht des Stärkeren galt. Verletzte Exemplare wurden von ihren Artgenossen rücksichtslos zu Boden getrampelt, oder blindwütig mit ihren Krallen zerfetzt. So sehr waren sie im Blutrausch, dass sie sich fanatisch weiter auf uns stürzten, während ihre Verluste weiter und weiter anstiegen. Seltsam vor allem, wenn man bedenkt, dass sie noch kurz zuvor ruhig und abwartend im Gras lagen und sich langsam und mit Bedacht vorgepirscht hatten. Jede Vorsicht hatten sie indes über Bord geworfen und versuchten uns mit ihrer Masse gnadenlos zu ersticken.
 
Zwei Maschinengewehrstellungen waren links und rechts errichtet worden, um uns bei der Verteidigung zu unterstützen. Mit der massiven Feuerkraft rissen die Salven unablässig große Löcher in die Reihen der Angreifer und fügten ihnen mehr als üble Verletzungen zu. Regelrecht auseinander gerissen wurden sie von den unablässig abgegebenen Salven. Schien es noch vor wenigen Sekunden, als würde ein Meer aus Leibern auf uns hereinbrechen, waren ihre Reihen mittlerweile ausgedünnt genug, um Lücken in ihren Formationen zu erkennen. Mit dem was dann kam, hatte aber keiner von uns gerechnet.
 
Wie ein Blitz schossen ihre drahtigen Körper aus nächster Nähe in die Höhe. Es waren vielleicht zehn oder zwölf, aber niemand von uns wusste, wo sie so plötzlich herkamen. Sie waren größer als die anderen und wahrscheinlich auch stärker, aber alles was ich in dem Moment dachte, drehte sich nur darum, diesen scharfen Krallen zu entgehen, die wie ein Projektil auf mich zuschossen. Instinktiv warf ich mich zu Boden und rollte mich unter den Auflieger.
 
Mit einem schrillen Geräusch bohrten sich die Krallen in den Asphalt und hinterließen tiefe Furchen. Ohne Zeit zu verlieren, richtete sich das Monstrum wieder auf und verschwand mit einem schnellen Sprung aus meinem Blickfeld. Stattdessen hörte ich die Schreie. Andere hatten wohl nicht so viel Glück und wurden von den Krallen dieser seltsamen Spezies aufgespießt. Mit einer weiteren Rolle kam ich auf der anderen Seite des Anhängers heraus und sah gerade noch, wie das Ding, dem ich gerade noch entkommen war, in den Eingeweiden Ludwigs grub. Die Bauchdecke stand offen und gab den Blick auf seine Gedärme frei, die es ihm ohne Vorwarnung mit einem Ruck förmlich aus dem Körper riss.
 
Ludwigs ungläubiges Gesicht war verzerrt zu einer letzten Fratze des Grauens. Mit Augen weit aufgerissen und dem Mund voller Blut stand er da, nur noch gehalten von der Klaue des Monsters vor ihm, die sich in seinen Oberkörper gebohrt hatte. Blut lief aus seinen Mundwinkeln und ich sah den Moment, in dem das Leben aus seinem Körper wich. Sein Körper erschlaffte und wie ein kurzer Blitz leuchteten seine Augen ein letztes Mal, wie dem Tode trotzend, auf.
 
Schon viel zu lang hatte ich gezögert Endlich riss ich meine Waffe hoch und gab einen Feuerstoß in Richtung des Monsters ab, um das grausame Leben dieser ekelhaften Mutation zu beenden. Vor meinen Augen bohrten sich die Geschosse in die Brust des Monsters und statt zu sterben, wirbelte es fauchend herum und warf dabei Ludwigs Körper in meine Richtung. Nur wenige Zentimeter neben mir klatschte er gegen den Tankanhänger und fiel mit einem matschigen Geräusch neben mir zu Boden. Zeit auf ihn Rücksicht zu nehmen hatte  ich nicht. Trotz der eigentlich tödlichen Treffer sprang das Monster hoch und hechtete wieder auf mich zu.

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