Mittwoch, 16. Januar 2013

Kapitel 3 - Teil 9

Erneut schoss ich und mehrere Schüsse gesellten sich zu denen, die ich bereits in den Körper der Bestie gejagt hatte. Davon unbeeindruckt und ungebremst stürmte das Ding weiter auf mich zu und nur ein beherzter Fall auf den Boden bewahrte mich noch einmal vor den Krallen des Ungetüms. Wie ein Lufthauch glitt es über mich hinweg und krachte mit einem dumpfen metallischen Klang gegen die Wand des Tanklasters. Ein Knurren entkam seiner Kehle und mit einer Rolle brachte ich mich unter dem Anhänger abermals in Sicherheit. Anders als beim ersten Mal glitt mein Verfolger dieses Mal jedoch blitzschnell zu Boden und suchte mir nachzusetzen.
 
Das erste was er von mir sah war die Mündung meiner Maschinenpistole. Den Hebel hatte ich auf Dauerfeuer umgestellt und so bohrte sich innerhalb weniger Sekunden der komplette Rest des Magazins in seinen hässlichen deformierten Schädel.
 
Die Kugeln leisteten ganze Arbeit und perforierten das Antlitz des Monsters bis zur Unkenntlichkeit. Aus einer Wunde am Hals spritzte Blut in meine Richtung. Schützend hob ich die freie Hand hoch und kroch gleichzeitig nach draußen, konnte aber gegen die warmen Ströme nicht viel ausrichten. So war ich, als ich endlich mein Versteck verlassen hatte, von oben bis unten mit den rot zähflüssigen  Körpersäften des Monsters besudelt.
 
Draußen angekommen ertönten nur noch einzelne Schüsse. Nur die Kanone des Schützenpanzers und ein MG schickten den fliehenden Angreifern noch Abschiedssalven hinterher. So wie es aussah, zogen sich die Angreifer zurück und der Angriff war überstanden. Erleichtert sah ich mich um und blickte auf ein regelrechtes Schlachtfeld. Wir hatten hunderte dieser Monster getötet. Ihre toten Leiber lagen auf den Wiesen und ihr degeneriertes Blut düngte den darunter liegenden Boden. Aber auch wir hatten Verluste zu beklagen. Neben Ludwig hatte der Angriff acht weiteren Männern das Leben gekostet. Vier weitere wurden so schwer verletzt, dass sie keine Waffe mehr halten konnten, geschweige denn uns noch unterstützen würden.
 
Trotzdem befahl der Feldwebel, die Fahrt fort zu setzen. Jetzt war keine Zeit für Trauer, jetzt war die Zeit zu kämpfen und uns gegen diese Unbill aufzulehnen. Doch dafür mussten wir die Barrikaden beseitigen. Für diese wurden zerstörte Fahrzeuge, gefällte Baumstämme, herausgerissene Zäune, Reste von Einrichtungsgegenständen und einfach alles was irgendwo zu finden war, aufeinander geworfen und zusammen geschoben. Mit der immer noch bestehenden Bedrohung durch die “anderen” im Nacken beeilten wir uns wenigstens so viel Platz zu machen, dass wir passieren konnten.
 
Ganz wortlos ging es dabei natürlich nicht vonstatten. Obwohl einige, die einen langjährigen Kameraden verloren hatten, eher vorzogen zu schweigen, gab sich der Großteil der Anwesenden doch etwas gesprächiger. Natürlich war der eben überstandene Angriff das Hauptgesprächsthema. Warum sie uns heute und ausgerechnet hier angegriffen hatten, wussten wir uns nicht zu erklären. Einer der Soldaten meinte, dass wir vielleicht in ihr Revier eingedrungen wären. Möglicherweise hatten sie den von uns abgegrasten Sektor als unser Revier angesehen und sich daraus zurück gezogen, weshalb sie die letzten Wochen keinen Feindkontakt mehr hatten. Aber heute hatten wir die unsichtbare Grenzlinie überschritten und sie würden sich nur zur Wehr setzen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen