Mittwoch, 13. Februar 2013

Nachtisch?

Oder sind schon alle satt? 

Bis dahin eine Zombie-Warnung eines Fernsehsenders aus Montana, angeblich durch Hacker verursacht: 


Echte Zombiefans wissen natürlich, dass die Regierung hier mal wieder versucht, Informationen zu unterdrücken. ;)

Dienstag, 12. Februar 2013

Kapitel 3 - Ende

Stumm und mit gesenktem Kopf stand er da vor uns. Seine Augen starrten zu Boden und ich glaube, der Tod der Männer ging ihm in diesem Moment tatsächlich nahe. Weit über eine Minute herrschte Schweigen in dem Raum, bis der Oberst wieder das Wort ergriff.
 
“Vielen Dank. Fahren wir fort. Auch die Notrationen konnten heute aufgestockt werden. Den bald einbrechenden Winter können wir theoretisch ohne weitere Außeneinsätze bestreiten. Wie Sie sicher schon bemerkt haben, habe ich in Ihrer Abwesenheit Projekt Schild anlaufen lassen. Für die Zivilisten unter Ihnen: Ziel soll es sein, einen sicheren Außenbereich zu schaffen, um von dort aus auch zukünftig sicher Außenmissionen bestreiten zu können. Gleichzeitig werden wir damit dem einsetzenden Lagerkoller begegnen und uns langsam wieder an die Oberfläche gewöhnen. Viele von Ihnen kennen sicher das Angstgefühl, das uns beschleicht, wenn wir den Bunker verlassen.
 
Auch eine weitere Neuigkeit will ich Ihnen nicht vorenthalten. Über Funk konnten heute Funksignale empfangen werden, die wir aber aktuell nicht entschlüsseln können. Sie senden auf einer militärischen Frequenz, nutzen aber eine uns unbekannte Verschlüsslung. Über Kurzwelle wurde heute ebenfalls ein Signal empfangen. Der Sender ist höchstwahrscheinlich in Frankreich stationiert, der Sprecher sendet live und berichtet über den Zustand der Stadt in seiner unmittelbaren Umgebung. Noch wissen wir nicht, aus welcher Stadt er sendet, beschreibt aber Zustände, die unseren gleichen. Ein ehemaliger Französischlehrer protokolliert für uns die Übertragung und wir hoffen, dass wir bald mehr erfahren.
 
An die überlebenden Zivilisten möchte ich noch meinen Dank und meinen Respekt richten. Sie haben sich heute tapfer geschlagen und ohne Sie wäre der Mission kein Erfolg beschieden gewesen. Von Oberfeldwebel Lehmann erwarte ich morgen um null achthundert einen vollständigen Rapport der Ereignisse in meinem Büro. Sie können sich jetzt in ihre Quartiere zurückziehen. Gute Nacht.”
 
Müde erwiderten wir die Gutenachtwünsche und zogen uns zurück. Als ich aus der Tür trat, spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und erkannte Stefan, der mir noch ein anerkennendes Lächeln schenkte, bevor er sich in die andere Richtung zurückzog. Ich beeilte mich meine Waffe in der Waffenkammer abzugeben und mich von dem Schmutz zu reinigen, der heute auf mich einprasselte. Mit der Bürste bearbeitete ich alle Flecken und am Ende war ich zumindest mein Körper äußerlich sauber. Mit umbundenem Handtuch ging ich zu unserem Zimmer.
 
Wer sich als Freiwilliger für Außeneinsätze gemeldet hatte, durfte in die Soldatenquartiere umziehen. Statt Zimmern mit 20 Schlafplätzen hieß das eine relativ intime Unterbringung im Sechsbettzimmer. Noch konnten Familien Sonderprivilegien eingeräumt werden und so hatte ich mit meiner Frau und meinem Sohn ein ganzes Zimmer nur für uns.
 
Als ich die hineinführende Tür aufdrückte, brannte noch gedämmtes Licht. Ein rotes Tuch über der Lampe tauchte das Zimmer in ein rot gefärbtes Licht und verlieh den grauen Wänden zumindest ansatzweise Farbe. Eingerollt lag Alexander in seinem Bett und schlief schon tief und fest. Stoßweise hob und senkte sich seine Brust und sein Gesicht war so friedlich wie immer. Ganz so, als wären an ihm all die schlimmen Erlebnisse der jüngsten Zeit einfach abgeprallt, und ich war froh darüber. Eine provisorisch angebrachte Decke trennte sein Bett von unseren Betten. Dazu hatten wir zwei Etagenbetten getrennt, nebeneinander aufgestellt und mit Bändern zusammengebunden. Das verlieh unserer Schlafstatt wenigstens ansatzweise die von daheim gewohnte Intimität. Auf dem linken der beiden Betten lag Martina und sah schon erwartungsvoll in meine Richtung. Wunderschön war sie, wie sie so dalag. Ihre schwarzen Haare bildeten einen Kontrast zu den weiß bezogenen Betten und Ansätze ihrer Brust lugten anrüchig unter der Decke hervor.
 
Als wie meinen Blick auf ihrem Körper ruhen sah, zog sie das Leintuch gänzlich zur Seite und offenbarte mir ihren makellosen Körper. Weiße Ränder kennzeichneten die Stellen, an denen im Sommer ihr Körper von Stoff verhüllt war und ein schwarzes Dreieck verhieß mir verführerische Möglichkeiten. Eilig  schloss ich hinter mir die Tür und schlüpfte schnell aus dem Handtuch. Aufrecht stand meine Männlichkeit vor mir und nur Sekunden später leistete ich meiner Frau im Bett Gesellschaft.

Montag, 11. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 35

Noch während Fahrzeuge ins Innere des Bunkers gebracht wurden, fing sie zu erzählen an, was sich ereignete, seit wir das Lager verlassen hatten. Der Oberst hatte überraschend ein Bauprojekt befohlen, das mehrere Außenstellungen vorsah, die über Gänge mit dem Eingang des Bunkers verbunden sein sollten. Es gab viele Freiwillige und für viele war es eine willkommene Abwechslung zur grauen Monotonie des Bunkerlebens. Ganz abgesehen davon, dass für die meisten ungefilterte Luft schon zu etwas Unwirklichem geworden war. Bäume wurden gefällt um das Sichtfeld zu erweitern und dienten zugleich als Baumaterial. Die Pläne sahen vier mit Gängen verbundene Stellungen vor, die mit zwei Maschinengewehren bestückt werden sollten und deren Feuerlinien sich überkreuzten, um auch bei einem Ausfall weiter feuern zu können.
 
Weiter hinten gab es noch eine Stellung vor dem Bunkereingang, die rückwärtigen Schutz bieten sollte und vor allem die “Springer” getauften Mutanten aufhalten zu können. Dazwischen war eine Gasse, über die Fahrzeuge hinter den Feuerlinien abgestellt und in den Bunker gebracht werden konnten. So sollte es möglich sein, auch die draußen abgestellten Fahrzeuge nicht weiter den “anderen” zu überlassen und etwas Freiraum zu schaffen. Das Tor blieb ab sofort geöffnet und jeder konnte im Vorraum frische Luft und Herbstsonne tanken.
 
Das alles klang super, aber ich wollte nur noch in mein Quartier. Die Erlebnisse des Tags steckten mir in den Knochen und die Unterhaltung mit Stefan und Karl-Heinz nagte an mir. Vor der Ruhe stand aber noch der Abschlussreport beim Oberst. Eilig verabschiedete ich mich schweren Herzens von meiner Frau wieder und ging in unseren Versammlungsraum. Der Großteil der heute beteiligten Mannschaften war dort schon versammelt, von unseren neuen Gästen sah ich keinen darunter und nahm an, dass sie auf die Krankenstation gebracht wurden, damit dort ihre Mangelerscheinungen behandelt wurden.
 
Vorn am Pult stand bereits der Oberst und wartete geduldig darauf, dass alle ihren Platz einnahmen. Im Gegensatz zu unserer letzten Besprechung wirkte er wieder voll regeneriert. Die neu gestarteten Aktivitäten hatten ihm offensichtlich neues Leben und neue Energie eingehaucht. Seine Augen wanderten umher wie die Augen eines Raubvogels und nichts schien seinem Blick zu entgehen. Als er in meine Richtung sah, spürte ich seinen Blick auf mir lasten, als würde er in meinen Gedanken wie in einem offenen Buch lesen. Im Hals bildete sich ein Kloß, der sich nicht so recht hinunter schlucken ließ und erst verschwand, als der Blick weiter zu meinem Nachbarn wanderte.
 
Die Tür wurde zugeworfen und ein Stuhl kratzte lautstark über den Boden.
 
“Danke, dass Sie zurück gekommen sind”, setzte Oberst Kraus an. “Heute haben wir tapfere Männer verloren, die bei der Erfüllung ihrer Pflicht ihr Leben gelassen haben. Doch ihr Tod ist nicht umsonst. Im Gegenzug konnten wir andere Menschen retten, die uns in unserem Überlebenskampf unterstützen werden. Diese Männer haben viel durchgemacht und mussten viele Entbehrungen in Kauf nehmen. Noch hatte ich keine Gelegenheit mit ihnen zu sprechen und weiß deswegen nur, was mir Oberfeldwebel Lehmann berichtet hat. Dank Ihres Einsatzes, können wir ab sofort auf die Unterstützung von zwei weiteren Marder-Panzern zählen.
 
Noch während wir hier reden, werden die Panzer für ihren nächsten Einsatz vorbereitet und ab sofort unsere Konvois bei Außeneinsätzen unterstützen. Außeneinsätze, für die wir dank Ihnen ausreichend Munition haben, um es mit Tausenden PSGs aufzunehmen. Aus rein militärischer Sicht war ihr heutiger Einsatz also ein voller Erfolg. Zu Ehren der gefallenen Kameraden bitte ich Sie nun aber um eine Schweigeminute.”

Sonntag, 10. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 34

Streicher nickte bestätigend und setzte mit gedämpfter Stimme fort. “Bei uns gingen Gerüchte um, dass die Jungs und Mädels vorher eher im rechten politischen Spektrum anzutreffen waren. Was zuletzt politisch abging, war ja auch nicht ganz koscher. Ganz offensichtlich konnten sich einige konservative Hinterbänkler in den entstandenen Wirren mit ihren Rufen nach Ordnung und staatlicher Härte durchsetzen. Aufgrund der Notstandsgesetze bekam ja kein Mensch mehr mit, was da passierte. Angeblich wurde die Regierung aus Berlin verlegt. Etwas Genaues weiß man nicht. Selbst unsere militärischen Führer waren ahnungslos, woher die Befehle kamen.
 
Angeblich wurden Gefängnisse in Lager für die PSGs umgebaut und die Häftlinge für die Schwarzhemden rekrutiert. Das ergäbe sogar Sinn, so abgeschnitten von der Außenwelt, wie die da in den Gefängnissen vegetieren. Aber Gerüchte gab es viele die Wochen vor dem Ausbruch und das waren noch die harmlosesten. Die wildesten Gerüchte berichteten von außerirdischen Angreifern und staatlichen Gammastrahlen und ähnlichem Mist. Flugzeuge, die irgendwelche Gase ausstoßen, Mittel in Impfstoffen; der übliche Bullshit eben. Aber die Schwarzhemden und die verschleppten Kameraden sind nun mal Realität.”
 
“Bei uns gab es ähnliche Gerüchte”, stimmte der Unteroffizier zu. “Ein anderes war, dass hinter dem Macher dieser Musik in Wirklichkeit eine Geheim- oder Terrororganisation aus dem mittleren Osten steckt.”
 
“Die Taliban oder Al’Qaida?”, warf Karl-Heinz ein. “Die Gerüchte gab es bei uns auch, aber die hätten doch sicher andere Wege gefunden, als ausgerechnet über Musik. Nein, da steckt irgendwas anderes dahinter.”
 
Die gerade aufgekommene Diskussion endete abrupt, als das Funkgerät ankündigte, dass man den Bunker bald erreicht hätte und bereits Vorbereitungen für unsere Ankunft getroffen würden. Nur Sekunden später bog das vorausfahrende Fahrzeug auch schon in den zu unserer Unterkunft führenden Feldweg ein und nur wenig später rumpelten wir auch den Weg entlang.
 
Gleißende Flutlichter empfingen uns auf der Lichtung vor dem Zugang zu unserem unterirdischen Verließ. Dahinter in Stellung liegende Soldaten und Anzeichen von Bautätigkeiten. Gefällte Bäume lagen aufgeschichtet da, andere waren schon bearbeitet und lagen geschält übereinander. Geduldig warteten wir, bis wir unseren Tanklastzug abstellen konnten. Zuerst sprang sichtlich erinnert Stefan aus dem Führerhaus. Gierig saugte ich die frisch hereinströmende Luft ein und verteilte sie in meinen Lungen. Der Geruch des gefällten Holzes mischte sich darunter und verbreitete eine leicht harzige Duftnote, die den Gestank unseres Beifahrers angenehm überlagerte.
 
Dessen Zustand war trotz seiner plötzlich eingesetzten Redseligkeit noch immer angeschlagen, weswegen Stefan und ich ihm beim aussteigen behilflich waren. Aus dem Bunker war auch schon Unterstützung, die uns beim Transport der Verwundeten und Überlebenden half. Dann sah ich meine Frau, wie sie mir mit Tränen in den Augen entgegenstürzte. Man hatte gehört, dass wir in Kämpfe verwickelt wurden und dass es Verluste gab. Über die Opfer wurden keine Angaben gemacht und ebenso wenig über den Zustand einzelner Personen.

Samstag, 9. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 33

Mit dem neu gewonnenen Rückhalt begann ich meine Umgebung wieder aktiv wahrzunehmen und beobachtete neugierig die über den Asphalt wandernden Scheinwerfer. Die weißen Mittelstreifen jagten durch die Scheinwerferkegel. Angestrengte Bemühungen unseren aktuellen Standort auszumachen, blieben erfolglos. Die angeleuchteten Mittelstreifen gaben keinerlei Anhaltspunkte, darüber, wo wir uns gerade befanden.
 
“Wo sind wir?”, wollte ich von Stefan wissen. 
 
“Zehn Kilometer noch, dann sind wir daheim. Schaut gut aus”, erwiderte dieser knapp und wandte sich Karl-Heinz zu: “Was wurde eigentlich aus Gubas und Hofstetters Leichen? Das Tor werdet ihr ja kaum geöffnet haben, um sie rauszuschmeißen, oder?”
 
Die Antwort war denkbar kurz. Nur ein schnelles “Nein” kam als Antwort auf die Frage zurück.
 
“Und was dann? Die Betonböden lassen sich ja nun auch nicht ohne weiteres umgraben, oder?”, hakte der Unteroffizier nach.
 
Wieder war die Antwort recht unbefriedigend für uns: “Ich will nicht darüber reden.”
 
Trotz des vorangegangenen Redeschwalls setzte unser Fahrgast jetzt auf absolutes Schweigen und gab während der ganzen restlichen Fahrt kein Wort mehr von sich. Um nicht wieder von seltsamen Gedanken überfallen zu werden, setzte ich das Gespräch fort und führte es wieder in eine andere Richtung.
 
“Findet ihr es nicht auch komisch, dass sie offenbar gezielt militärische Ziele attackieren? Der Angriff auf die Kaserne und der Hinterhalt am Munitionsdepot kann doch kein Zufall gewesen sein. Überhaupt erscheint mir ihr Vorgehen seltsam koordiniert. Möglicherweise sind die ‚anderen‘ intelligenter, als wir dachten. Diese verdammte CD hat ja nicht nur Zivilisten getroffen, da waren doch auch sicher einige Kameraden darunter, oder? Was ist mit denen passiert?”
 
“Die wurden weggebracht”, wisperte Stefan. “Von den Schwarzhemden. Ihr kennt sie vielleicht von der Essenausgabe. Niemand wusste, woher sie kamen, aber sie hatten alle erforderlichen Genehmigungen aus allen Ministerien. Die Schwarzhemden wurden eingesetzt, um übergreifende polizeiliche Tätigkeiten auszuführen und zum direkten Schutz der Zivilbevölkerung, sowie Sicherung der Essenslieferungen. Das sind auch gleichzeitig die einzigen, die die geheimen Vorratslager kennen, die eilig angelegt wurden, oder schon vorher existierten.
 
Das Beste war ja, dass alle Armeeangehörigen und Polizeibeamten ihrem Befehl direkt unterstellt waren. Für mich war das eine üble Schlägertruppe.”
 
“Eine Schlägertruppe mit automatischen Waffen und weitreichenden Rechten”, ergänzte Streicher.
 
“Ja, das leider auch”, stimmte Hauser ihm zu. “Ich glaube am Tag des Ausbruchs verloren mehr Menschen durch Schwarzhemden ihr Leben, als durch die ‘anderen’. Sie feuerten wahllos in Menschenmengen, nur um ihre Haut zu retten. Ein paar wenige blieben noch vor Ort, bis wir eintrafen, aber die meisten verpissten sich einfach. Ihr hattet Glück”, adressierte er in meine Richtung.

Freitag, 8. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 32

“Es waren die Stimmen”, unterbrach ich mit leiser Stimme.
 
“Die was?”, wollte Stefan wissen.
 
“Die Stimmen”, wiederholte ich. “Es sind Stimmen im Kopf. So kommunizieren sie mit uns.”
 
Ich musste an Frank denken.
 
“Oder so manipulieren sie uns und können uns kontrollieren. Zumindest teilweise.”
 
“Ist das der Grund, warum alle am durchdrehen waren, nachdem sie die CD gehört haben? Sind da auch diese Stimmen drauf?”, wollte Stefan mit einem spöttischen Unterton in der Stimme wissen.
 
“Das kann dir nur jemand beantworten, der sich das angehört hat. Du kannst das nächste Mal ja einen fragen, wenn er versucht, dir deine Eingeweide rauszureißen”, erwiderte ich ihm trotzig und schien damit einen wunden Punkt beim Unteroffizier getroffen zu haben.
 
“Hey, kein Grund mich anzumachen. Du wirst zugeben, dass sich das etwas abenteuerlich anhört. Stimmen im Kopf. Was kommt als nächstes? Medizinmänner? Dieser Guba ist halt durchgedreht. Bunkerkoller. Was weiß ich? Aber Stimmen? Ich bitte dich.”
 
Die Reaktion war zu erwarten gewesen und ich hätte nicht anders reagiert, hätte ich die Stimmen nicht am eigenen Leib erfahren. “Glaub was du willst, aber ich kenne die Stimmen. Ich habe sie gehört. Sie waren wunderschön und abstoßend zugleich. Ich habe erlebt, wie ein Mann neben mir ob der Stimmen durchgedreht ist und ähnliche Reaktionen wie Guba gezeigt hat. Und ja, vielleicht sind auch auf dieser verfluchten CD diese Stimmen drauf. Oder wie erklärst du dir all die Scheiße?”
 
Die letzten Worte schrie ich fast, so wütend hatte er mich gemacht.
 
“Ist ja schon gut. Aber du bist ja auch nicht durchgedreht, oder?”, versuchte Stefan zu beschwichtigen.
 
“Nein, das bin ich nicht. Aber vielleicht wär ich es. Es war zu verlockend. Ich hätte mich nur fallen lassen müssen, mich den Stimmen ganz hingeben müssen. Es war so verlockend, wie ein Licht am Ende des Tunnels, wie eine Erlösung, ein Versprechen”, führte ich immer weiter aus und spürte irgendwie, dass sich bei den Gedanken an die Stimmen etwas veränderte. Wieder überkam mich dieses Gefühl und plötzlich wünschte ich mir, die Stimmen erneut hören zu dürfen. Ich verspürte das regelrechte Verlangen, nach den süßen Verheißungen, nach der Erlösung.
 
“Hey, eingeschlafen?”
 
Streichers Stimme riss mich aus meinen Gedanken und etwas zerbrach. All die wunderschönen Gefühle waren verschwunden und machten einer deprimierenden Leere Platz. Noch während ich mich in den Zustand zurücksehnte, überkam mich die Erkenntnis darüber, was eben vorgefallen war. Ein mir unbekanntes Etwas, dass sich entwickeln wollte, war in mir. Die Erinnerung daran hatte es geweckt und es erneut belebt. Schauer liefen mir über den Rücken und ich klammerte mich regelrecht an die aufgetretene Leere. Um die Leere mit Gedanken zu füllen, rief ich mir Bilder meiner Frau ins Gedächtnis und versuchte mich an den Tag der Geburt meines Sohns zu erinnern. Neue Bilder rauschten durch meinen Kopf, meine Frau, die meine Hand zerquetschte, das Schreien eines Säuglings, das stolze Gefühl, eben Vater geworden zu sein füllten die Leere und gaben mir neuen Halt in einer kalt gewordenen Realität.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 31

Verwirrt fixierten uns seine wild umherirrenden Augen und noch immer stand der Mund weit offen. Hofstetter brüllte ihn an, schüttelte ihn, wollte wissen, was zum Teufel er hier machen würde. Ob er vorhätte, die verdammten Tore zu öffnen und uns damit alle zu töten. Ob es die Worte waren, die ihn wieder zu uns zurückbrachten weiß ich nicht, aber plötzlich war er wieder der Alte. Noch immer wirkte er überrascht, aber die seltsame Verspannung war aus seinem Gesicht gewichen, nahm wieder diese ihm eigene jungenhafte Ausstrahlung an. Der Mund klappte zu und auch die Augen beruhigten sich.
 
Später behauptete er, dass er sich an nichts erinnern könne. Er wollte einfach nur hören, ob sie noch immer draußen waren und er sich sicher war, dass er Stimmen gehört habe. Kein Mensch glaubte ihm und so überraschte es die wenigsten, als er zwei Tage später wieder verschwunden war. Wieder machte sich Hofstetter auf den Weg und kündigte an, den kleinen Scheißer wenn nötig, an seinen verdammten Ohren zurück zu ziehen. Ein paar von uns lachten über die Bemerkung noch und wünschten ihm viel Spaß dabei. Niemand maß dem ganzen irgendetwas bei. Jeder von uns war sich sicher, dass Hofstetter Guba vor sich hertreibend, bald wieder bei uns sein würde.
 
Doch stattdessen hallte ein Schuss durch die abgeschottete Stille des Bunkers. Entsetzte Schreie, noch ein Schuss und weitere Schreie. Es war Hofstetters Stimme, die da durch die abgeschottete Anlage hallte. Plötzlich war es mit der Ruhe vorbei und wir griffen zu unseren Waffen. Ich glaub der Gruber war als erster an der Tür, als Hofstetters Gesicht im Türrahmen erschien. Seine Augen weit aufgerissen und ein paar Blutspritzer am Kinn. Mit einer blutverschmierten Hand hielt er sich am Türrahmen fest und zog sich nach vorne. Die andere Hand hing an einem nutzlos gewordenen Arm. Seine Uniformjacke hatte sich um ein Einschussloch herum dunkel gefärbt und weitere Einschusslöcher zeigten sich am Oberschenkel und im Bauch.
 
Vielleicht war keiner der Treffer tödlich und vielleicht hätte ihn der Sani soweit zusammen flicken können, dass er überlebt hätte. Vielleicht. Als neben seinem Kopf aber plötzlich der Lauf einer Pistole auftauchte und sich eine Kugel ihren Weg durch seinen Schädel bahnte, war auch diese Möglichkeit ausgeräumt. Dort wo sie austrat, spritzte Blut und Gehirnmasse gegen die gegenüberliegende Wand. Das Leben schwand aus Hofstetters Körper und er brach zusammen wie ein nasser Sack. Wir waren schockiert und der scheiß Schuss hallte in meinen Ohren.
 
Als nächstes tauchte Guba in der Tür auf. Sein Gesicht schien vom Wahnsinn gezeichnet. Ein irres Grinsen umspielte seine Mundwinkel und dann richtete er die Pistole auf uns. Gruber reagierte als erster und jagte ihm eine Salve in den Oberkörper. Sein irrer Gesichtsausdruck schwand aus dem sterbenden Gesicht und machte einem überraschten Gesicht Platz, nicht unähnlich dem Gesicht, als Hofstetter ihn das erste Mal von der Tür weggezogen hatte.
 
Klappernd fiel die Pistole zu Boden und nur kurz darauf stürzte auch Guba. Stumm und wortlos ging er zu Boden und lag halb auf Hofstetters Leiche. Da lagen sie nun und keiner von uns sprach ein Wort. Alle blickten wie erstarrt zur Tür und konnten nicht glauben, was sie gerade gesehen hatten.”

Mittwoch, 6. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 30

Ein Seufzer kam aus Streichers Mund und er nahm einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche. Obwohl er erleichtert wirkte, dass er sich endlich alles von der Seele reden konnte, zögerte er einen Moment. Zaudernd setzte er fort.
 
“Was mit den zwei passiert ist, nun, darüber habe ich mir schon viele Gedanken gemacht. Gefreiter Guba und Hauptgefreiter Hofstetter, zwei gute Männer aus meiner Kompanie. Mit Hofstetter hab ich mir vor zwei Jahren drei Monate ein Quartier geteilt. Danach war er in Afghanistan und kam vor drei Monaten zurück. Ein erfahrener Soldat, der in einem Krieg gekämpft hat, den niemand als Krieg bezeichnen wollte. Guba dagegen war erst vor einem halben Jahr direkt nach der Grundausbildung unserem Zug zugeteilt worden. Er war gerade mal 20 und noch grün hinter den Ohren. Aber beide gute Männer und es ist mir bis heute unverständlich, was da passiert ist.
 
Wir waren gerade mal ein paar Tage in dem Loch. Die Zeit hatte für uns noch nicht ihre Bedeutung verloren und trotz Rationierung waren wir noch gut bei Kräften. Die Mängel machten sich noch nicht bemerkbar und wir hatten noch frisches Wasser. Der Generator lief noch sechs Stunden am Tag und die Luft wurde regelmäßig umgewälzt. Man könnte sagen, dass trotz aller Einschränkungen noch gute Stimmung unter der Truppe herrschte. Den Umständen entsprechend natürlich, denn jeder hatte mehrere Kameraden dort draußen verloren und die Bilder der toten Zivilisten belasteten uns. Keiner von uns wollte darüber ein Wort verlieren und im Schlaf wurde ich von den leeren Augenhöhlen der jungen Mutter und ihrem zerfetzten Säugling verfolgt.
 
Alles im Arsch, aber läuft, also…
 
Also just zu der Zeit verschwand Guba immer für Stunden nach draußen. Er war nicht drüben in unserer behelfsmäßigen Latrine. Um Wasser zu sparen, zogen wir uns in das Munitionsdepot zurück, aber das habt ihr ja sicher schon bemerkt. Nein, da war er nicht. Hofstetter beobachtete ihn, wie er an dem Außentor kauerte und ständig sein Ohr gegen den kalten Stahl drückte. Sein ganzer Gesichtsausdruck war geistesabwesend, seine Augen und der Mund weit aufgerissen und ein dünner Speichelfaden hing aus seinem rechten Mundwinkel.
 
Wir wollten es ihm nicht glauben, als er zurück kam, um es uns zu erzählen. Allein die Vorstellung war schon abwegig. Wir machten uns lieber selbst ein Bild davon und jedes verdammte Wort war wahr. Wie ein Parasit hing er an der Tür und schien sich mit seinem rechten Ohr an dem Stahl festzusaugen. Weil Hofstetter, wie er meinte, den Anblick nicht länger ertragen konnte, schritt er vor und zog den Kerl von der Tür weg. Ich weiß nicht, ob ich mir das eingebildet hab, aber ich schwöre Stein und Bein, dass ich ein Geräusch gehört hab, das klang, als würde man einen Saugnapf von einer ebenen Fläche ziehen,  als sich der Kopf vom Tor löste.

Dienstag, 5. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 29

"Ein Blitz, eine Explosion und eine Wolke aus Blut. Mehr sah ich von dem Ding nicht mehr. Die schwache Explosionswirkung der Granate reichte locker aus, den Kopf in tausend Stücke zu sprengen. Lange konnte ich mich darüber nicht freuen, denn der Panzer raste jetzt ungebremst auf meinen Wagen zu. So schnell ich konnte, hechtete ich aus der Gefahrenzone und nur Sekundenbruchteile später krachte der Schützenpanzer ungebremst in die Reste des Fahrzeugs. Knirschend traf Metall auf Metall, aber den 40 Tonnen des Marders hatten weder Jeep noch Tor irgendwas entgegen zu setzen. Das Tor flog nach innen, der Wagen hinterher und überschlug sich dabei. Mit einem letzten Knall blieb er auf der Seite liegen und hatte es jetzt auch hinter sich. Sofort folgten die Lastwagen, während der Panzer den Einzug deckte. Natürlich beschränkten sie sich nicht auf das Tor und versuchten auch über den Zaun einzudringen. Den Stacheldraht ignorierten sie, auch wenn ganze Fleischfetzen sich darin verfingen. Wirklich nichts konnte sie aufhalten. Um in den Bunker zu gelangen, mussten wir im Wachhaus den Mechanismus aktivieren und mit dem Schlüssel entriegeln.
 
Der Unteroffizier beeilte sich, das zu erledigen und rannte zum Haus, kam aber gleich wieder erschrocken zurück und schrie, dass sie schon drin wären, es da drin vor PSGs nur so wimmeln würde. Nun war uns klar, was aus der ursprünglichen Besatzung geworden war. Zurück in seinem Lastwagen brüllte er ein paar Befehle ins Funkgerät und schon wurde das Häuschen von unserem Schützenpanzer unter Feuer genommen. Ein direkter Treffer traf das Fenster und riss es nach innen. Eine Feuersäule sprang heraus, als wollte sie uns anspringen und das wollte sie wirklich. Die Feuersäule war eines der Dinger, das komplett Feuer gefangen hatte. Selbst brennend wollte er sich aber noch immer auf uns stürzen. Eine Maschinengewehrsalve traf ihn noch im Flug und so klatschte er tot und noch immer brennend auf den Boden. Er stank erbärmlich.
 
Mit zwei Männern stürmte der Unteroffizier erneut ins Haus. Schüsse krachten, eine Explosion erschütterte das Haus und zurück kam nur einer. Später erfuhren wir, dass sie drin erneut angegriffen wurden, wobei einer von ihnen getötet wurden. Noch während der andere auf die Dinger feuerte, packte der Unteroffizier eine Hand voll Granaten aus, stürmte in den Raum, aktivierte die Konsole, riss eine Gruppe der Dinger um und verging in einer Explosion, während der Gefreiter den Rückzug angetreten hatte. Er hat sich geopfert, aber für uns war der Weg endlich frei.
 
Als wir den Bunker erreicht hatten, waren wir noch 21. Mehr hatten es nicht geschafft. Wir schleppten mit, was wir tragen konnten und als letztes kam die Panzer-Besatzung rein. Die Mechanik zur Verriegelung der Tore konnte man zum Glück von innen aktivieren. Wär ja auch blöd wenn nicht. Na auf jeden Fall schlossen sich die Tore gerade und schon krachten sie von draußen gegen die Türen. Immer wieder, wie Hagelkörner, krachten sie dagegen, während die Hydraulik von innen dagegen drückte. Um dem Druck von außen begegnen zu können, warfen wir uns von innen gegen die schwere Stahlkonstruktion und versuchten die Hydraulik nach Kräften zu unterstützen. Als sich das Tor endlich schloss und die Verriegelung einrastete, konnten wir endlich aufatmen und unsere gefallenen Kameraden betrauern.”
 
“Wir haben heute 19 von euch da rausgeholt”, warf Stefan ein. “Was ist mit den andern zwei passiert?”

Montag, 4. Februar 2013

Pulp-O-Mizer

Gerade auf Facebook gesehen (danke Pat): der Pulp-O-Mizer Cover-Maker. Ein witziges Tool zur Erstellung eigener Cover im Pulp-Stil. 

Ich hab mich mal auf die Schnelle an einem alternativen Cover von Untot: Finsternis versucht. Schaut schon cool aus. Bloß schade, dass eine kommerzielle Nutzung nicht vorgesehen, bzw. erlaubt ist. Es wär mal interessant, wie sich so ein Cover auf die Verkaufszahlen auswirken würde. 




Movies of the Dead

Zu Filmen hab ich ja schon länger nichts mehr geschrieben. Zeit also, die beliebte Rubrik "Movies of the Dead" mal wieder mit Leben (höhö) zu füllen.

Beginnen möchte ich mit Paranorman

Paranorman ist ein Animationsfilm von den Coraline-Machern, der in der Stop Motion-Technik aufgenommen wurde. Angeblich ist es auch der erste Stop Motion-Film, der mit Hilfe von 3D-Druckern entstanden ist. Außerdem geht's um Zombies. 

Na gut, eigentlich geht's um Norman. Norman ist ein relativ normaler elfjähriger mit einem Faible für Untote. Die zieren nicht nur in Form von Postern sein Zimmer, sondern erscheinen ihm auch exklusiv in seiner etwas herunter gekommenen Heimatstadt. Natürlich sieht er die Dinger exklusiv, bis auf seinen verrückten Onkel. Dann aber passiert etwas, das die ganze Stadt in allzu reale Gefahr bringt.

Der Film fängt eigentlich auch ganz gut an. Paranorman spielt mit Klischees und stereotypen Charakteren aus Horrorfilmen der 50er und 60er Jahre und würzt das Ganze noch etwas mit Hexen und Zombies (!!!). Für einen Animationsfilm ist er auch recht düster (aber bei weitem nicht so morbide wie Coraline, der laut wiki FSK6 ist). 

Klingt eigentlich ganz gut, möchte man meinen. Auch das von der FSK draufgepappte FSK12-Logo spricht jetzt eher dafür, nicht unbedingt einen Pixar-Film zu erwarten. Und tatsächlich hat der Film dann auch ein paar Szenen, die das empfohlene Alter durchaus rechtfertigen. Meinem sechsjährigen würd ich das jetzt nicht unbedingt zeigen. 

Dummerweise plätschert der Film an sich aber eher so dahin. Nie so, dass er schlecht wäre, aber auch nicht so, dass ich vor Begeisterung auf der Couch hin- und herrutschen würde.

Dazu kommt, dass der 3D-Effekt eher verhalten daherkommt, und nur in einigen Szenen wirklich plastisch wirkt. Aber gut, das ist jetzt kein Qualitätskriterium, außer wenn man sich einen preiswerten 3D-Film zulegen will. Mit rund 12 Euro ist Paranorman nämlich ein recht preiswertes 3D-Vergnügen. 

Ein schlechter Film ist es aber beileibe nicht, weswegen drei von fünf verbrannten Hexen durchaus berechtigt sind. 

Als zweiten im Bunde, möchte ich ein paar Worte zu Ted verlieren.

Auf den Film war ich echt gespannt. Ich mag die MacFarlane-Sachen. Wahrscheinlich war ich deswegen auch so a bisserl enttäuscht. Der Film entwickelt sich für mich einfach zu stark in Richtung Beziehungskomödie. 

Der Titel gebende Ted verliert schnell an Bedeutung, bzw. könnte genauso gut der kiffende Kumpel des Hauptdarstellers sein, den er nicht aus der Bude werfen will. Nur in (zu) wenigen Momenten spielt man die Besonderheit der Figur aus. 

Das finde ich persönlich schade. 

Dafür punktet der Film aber mit teilweise schönem Nerdhumor (die Klingeltöne, Sam Jones) und einigen netten Sprüchen. 

Dass ihn meine Frau aber besser fand, die umgekehrt null mit Family Guy und Co anfangen kann, spricht wiederum Bände. 

Über allem thront die Vorstellung, der Teddy meines Sohns, den er beinahe so abgöttisch liebt wie John seinen Ted, könnte ebenfalls lebendig werden und ihn bis ins hohe Alter begleiten. Das verleiht dem ganzen eine zusätzliche Schippe Gefühle, aber trotzdem hat mich der nicht so recht an den Eiern gepackt.

Trotzdem noch drei von fünf verschlissenen Teddybären. 

Als Abschluss der Trilogie hab ich noch Snow White and the Huntsman im Gepäck. 

Bei dem wurde doch tatsächlich der englischsprachige Titel beibehalten, obwohl es sich bei dem Stoff eigentlich anbieten würde, es unter seinem deutschen Titel "Schneewittchen" laufen zu lassen. Andererseits vielleicht keine so schlechte Idee, in dem Fall nicht den Eindruck zu erwecken, es mit einer der tschechischen Märchenverfilmungen aus den 60er Jahren zu tun zu haben. So erspart man sich viele erschreckte Omas, die ihren Enkeln etwas Gutes tun wollten. 

Denn mit der ursprünglichen Geschichte hat diese Verfilmung nicht mehr viel gemein. Die Grundthematik ist natürlich immer noch die Gleiche und auch viele Motive finden sich im Film wieder. Sehr oft allerdings neu interpretiert und oft in einem anderen Kontext wieder eingefügt. So erhält man eine Geschichte, die optisch wie ein Zwitter aus 80er-Jahre-Fantasy (Legende, Time Bandits) und aktuellen Filmen (Herr der Ringe) wirkt. Eine sehr interessante Mischung in meinen Augen. 

Wenn man dem Film dann auch eins nicht vorwerfen kann, dann mit Sicherheit die Ausstattung des Films. Dazu liefert der Film viel zu pompöse Bilder und eine fast schon verschwenderisch erscheinende Fülle an Schauplätzen. Auch spielt Charlize Theron, die böse Stiefmutter mit einer Wonne, dass sie allein Teile des Films zu tragen vermag. 

Aber, ohje, welcher Fehlbesetzung Snow White (ja, auch in der deutschen Fassung behalten die Rollen ihre englische Bezeichnung) anheim gefallen ist. Ausgerechnet Kristen Stewart spielt das hübscheste Mädchen des Landes, das tausendmal schöner sein soll, als ihre Stiefmutter. Dabei wirkt sie zu oft teilnahmslos wie ein Brot und obwohl sie nicht wirklich hässlich ist (jaja, Geschmackssache), macht sie viel zu oft gegen Charlize Theron keinen Stich. Die zuvor in Ted gesehene Mila Kunis hätte da irgendwie viel besser in die Rolle gepasst.

Am Ende des Films offenbaren sich dann leider noch ein paar Logiklöcher, die über die märchenhafte Inszenierung hinausgehen. Bei einer Märchenverfilmung sollte man aber vielleicht nicht so kleinkariert sein und sich fragen, warum eine Prinzessin, die noch nie ein Schwert gehalten hat, plötzlich zur Kriegerin mutiert und natürlich gerade eine Rüstung in ihrer Größe rumliegt und plötzlich alle Reiter abgesessen in Keilformation dastehen. Aber auch schon zuvor gibt es schon einige Stellen, die eher konstruiert erscheinen. 

Spaß machen einige Anspielungen, z. B. wenn die Zwerge durch die Kloake waten, einer von ihnen ein fröhliches "Heiho" anstimmt und der andere mit Schlägen droht, wenn er jetzt noch zu Pfeifen anfängt. 


Das alles klingt jetzt gar nicht so negativ, aber was soll man von dem Film halten, wenn ausgerechnet die Darstellerin mit der meisten Screentime als Fehlbesetzung erscheint? 

Also zumindest ich hab mich an der märchenhaften Inszenierung erfreut, den tollen Sets und den tollen Ideen, die aus dem alten Volksmärchen gezogen wurden. Der Wiedererkennungswert war vorhanden, der restliche Cast mit z. B. Nick Frost (u. a. Paul, Shaun of the Dead) und Ian McShane, der hier seiner Rolle in Deadwood erstaunlich nahe kommt, toll besetzt. Somit kann ich für mich festhalten, dass mich der Film trotzdem gut unterhalten hat und erst am Ende der über zwei Stunden gehenden Laufzeit langsam Ermüdungserscheinungen eingetreten sind. 

Trotzdem geb ich vier von fünf vergifteten Äpfeln. 

Trailer:




Kapitel 3 - Teil 28

"Die Leichen ignorierend hatte ich von dieser Position aus einen besseren Blick auf die Lastwagen, ohne Gefahr zu laufen, mich dem Rand der Straße zu nähern. Es waren wieder diese unheimlichen Supermutantendinger und sie hatten sich wieder unbemerkt nähern können. Ihre Klauen zerfetzten unsere LKW-Planen und wer noch nicht draußen war, wurde von ihnen nach oben gezogen, oder noch im Inneren zerfetzt. Die meisten fuhren erschreckt herum und feuerten auf die neue Bedrohung aus nächster Nähe, was wiederum den Angreifern aus dem Wald Gelegenheit gab, näher zu uns aufzuschließen. Ich selbst bemerkte sie erst, als sie fast auf Sprungweite heran gekommen waren.
 
Nur noch wenige Meter waren sie von uns entfernt, als eine Explosion eine Gruppe förmlich pulverisierte.
 
Ach, was heißt pulverisiert. Zerrissen hat es die Bastarde. Ihre Innereien verteilten sich in einem Radius von zehn Metern rund um den Einschlagskrater. Doch statt, dass die Viecher davon eingeschüchtert worden wären, wurden sie nur noch mehr angestachelt. Eine ganze Horde strömte aus dem Wald und war drauf und dran, uns den Rest zu geben. Doch der ersten Explosion folgten weitere und ein Maschinengewehr lichtete ihre Reihen. Wie die Fliegen verreckten sie im Dauerfeuer. Dann sah ich den Panzer und scheiße, ich war heilfroh.
 
So froh, dass ich vergessen hatte, was meinem Begleiter zugestoßen war. Aus dem Augenwinkel sah ich die Hand und hätte ich mich nicht geistesgegenwärtig weggeduckt, wär ich jetzt wohl auch einen Kopf kürzer. So kratzte die Kralle nur über meinen Helm und hinterließ dabei tiefe Furchen in dem Material. Hatte ich bis dahin gezweifelt, ob mir dieses Ding im Ernstfall wirklich einmal das Leben retten würde, wurde ich an diesem Tag eines Besseren belehrt.
 
Im Ducken drehte ich mich herum und stieß mich mit den Füßen ab, so dass ich hart auf meinem Hintern landete, aber weit genug, um den Lauf meiner Waffe zwischen mich und das Monstrum zu bringen. Der Sicherungshebel war auf Dauerfeuer und so pumpte ich mein ganzes Magazin in seinen hässlichen Körper.
 
Seinen Kopf verfehlte ich und ich meinte, dass so etwas wie ein Grinsen sein Gesicht umspielte. Schwer zu sagen bei einem Vieh, das nur noch entfernt Ähnlichkeit mit einem Menschen hat, aber sein Mund stand weit offen, die Augen zusammengezwickt und ein seltsames Leuchten umspielte seine Pupillen. Der Spaß verging ihm aber, als ich eine Granate aus meiner Tasche zog, trotz meiner gequetschten Rippen aufsprang und ihm das Ei mit voller Wucht in seinen hässlichen Mund rammte. Seine aufgerissenen Augen bewiesen mir, dass er trotz seiner Mutationen wusste, was das Ding in seinem Maul war und vor allem, was es mit seinem hässlichen Schädel anrichten würde. Seine Verwirrung nutzend versetzte ich ihm einen Stoß, riss dabei die Sicherung aus der Granate und rannte um das Heck des Wagens herum."

Sonntag, 3. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 27

Noch ohne eine Antwort abzuwarten, setzte er seine Erzählung fort.
“Wir rasten förmlich über die Straße und beinahe hätte ich die Abzweigung verpasst. Erst in letzter Sekunde bremste ich den Wagen und steuerte ihn schlitternd auf die andere Straße. Ihr kennt den Weg ja und wir hatten eine Heidenangst. Uns hier zu verteidigen war fast unmöglich. Also raste ich weiter. Weil es so dunkel war, sah ich es erst, als wir es schon fast gerammt hatten. Wie ein Fremdkörper tauchte es im Licht der Scheinwerfer auf. Meine Mitfahrer warnend trat ich weiter aufs Gas und rammte das Tor.
In meiner naiven Vorstellung dachte ich, dass das Ding wie in Filmen im weiten Bogen davonfliegt und wir mit ein paar Kratzern da durchkommen würden. Doch stattdessen ging der Schlag durchs ganze Fahrzeug und riss uns aus unseren Sitzen. Der Gurt schnitt schmerzend in meine Schulter und meine Brust. Ein Teil des Zauns ragte durch unsere Windschutzscheibe und wir steckten so halb drin. Ein wenig hatte das Mistding nachgegeben, aber nicht genug, um uns durchzubringen. Statt also den Weg für die folgenden Fahrzeuge frei zu machen, blockierten wir ihn erst Mal.
Schon tauchten die Scheinwerfer eines LKWs auf und im Gegensatz zu mir bremste der Fahrer ab. Zum Glück. Quietschend kam der Wagen nur ein paar Meter hinter uns zum stehen. Noch immer steckten uns der Schreck und auch der Schmerz in den Knochen und nur mühsam konnten wir uns aus dem Wagen befreien. Trotz der Schmerzen war ich zufrieden, weil das auch schlechter hätte ausgehen können.
Kaum waren wir im Freien, landete etwas auf dem Dach des Fahrzeugs. Ich sah noch Sterne und war geblendet vom Licht des folgenden Fahrzeugs und nahm das gar nicht so richtig wahr. Erst als ich die Rufe hörte, machte ich mir Gedanken darüber, dass da eben etwas falsch war. Tja, manchmal trifft einen die Erkenntnis wie ein Paukenschlag. Trotz der Schmerzen warf ich mich zu Boden und hörte im gleichen Moment meinen Beifahrer aufschreien.
Dann krachten auch schon wieder die ersten Schüsse und ich sah sie kommen. Nicht ihre Körper. Die waren eins mit der Nacht. Es waren ihre Augen, die in der Dunkelheit wie Reflektoren leuchteten. Sie strömten aus dem Wald die Böschung hoch und wieder kannten sie weder Furcht noch Skrupel, für einen uns unbekannten Grund in den Tod zu gehen. Ich glaube, es waren dieses Mal nicht so viele, wie zuvor. Nur vereinzelte Gruppen schälten sich aus dem Dunkel, waren aber mindestens ebenso aggressiv wie der große Schwarm zuvor. Fast zu einfach wehrten wir sie ab, aber auch dieses Mal hatten wir sie unterschätzt.
Zuerst hörte ich nur die Schreie, dann ein Geräusch das klang wie ein stumpfes Messer, das durch Stoff reißt. Schnell rannte ich auf die andere Seite des Wagens, sah dort die Leiche meines Beifahrers liegen und gleich daneben seinen Mörder. Mit aufgerissener Bauchdecke lag mein Kamerad da und seine Hände hielten noch das Gewehr umklammert, das ihm auch nicht mehr geholfen hatte. Das Monster hatte eine tödliche Salve abbekommen. Aus zahlreichen Wunden floss das Blut und vermischte sich mit dem von Markus."