Freitag, 1. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 25

“Danke. Ich glaub, das ist das verdammt noch mal beste Wasser, das ich in meinem Leben getrunken hab. Das Zeug, das wir zuletzt noch getrunken haben, würde ich nicht mit gutem Gewissen als Wasser bezeichnen und auch sonst gab es einige Sachen, auf die ich nicht unbedingt stolz bin.”
 
“Achja, welche denn?”, wollte Stefan wissen und ich verfluchte ihn dafür, weil ich mich viel mehr dafür interessierte, wie seine Geschichte weiter ging.
 
“Dinge. Dinge die man tun muss, wenn man überleben will. Hab ich mich eigentlich schon vorgestellt? Karl-Heinz Streicher.”
 
„Dann trägst du die falsche Jacke, Kamerad“, antwortete Stefan fast schon beiläufig, aber mit einem seltsamen Unterton.
 
„Das ist richtig. Bevor wir den Bunker verlassen haben, hab ich mir die erstbeste Jacke gegriffen. Ich hatte in dem Moment andere Sorgen als den Namen auf der Jacke. Kamerad“, bluffte Karl-Heinz zurück und blickte erwartungsvoll einer Antwort unseres Fahrers entgegen.
 
Die kam auch, aber anders als erwartet: „Dann entschuldige. Stabsunteroffizier Stefan Hauser. Freut mich Kamerad.“
 
Nach Stefans förmlicher Vorstellung betete ich hastig meinen Namen runter und übergab das Wort wieder an den Soldaten.
 
“Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, der Entschluss. Nun, wir wussten, dass wir uns dort nicht länger verteidigen konnten. Natürlich zum einen, weil das Gebäude unmöglich zu halten war. Zum anderen würden die Leichen bald unangenehme Gerüche entwickeln. Scheiße, die stanken jetzt schon und dort oben lagen über 100 zerfetzte Körper. Keiner von uns hatte Lust, oder gar den Mut, dort oben aufzuräumen. Wir mussten ausbrechen. Seitdem wir die Angreifer im Obergeschoss zurückgedrängt hatten, war auch unten Ruhe eingekehrt. Es war, als hätten sie erkannt, dass ihr Ablenkungsmanöver aufgeflogen war und sie sich darüber neu formieren wollten.
 
Wir hatten in dem scheiß Bunker viel Zeit, darüber nachzudenken und wir waren uns irgendwann einig, dass die Dinger tatsächlich überlegt vorgehen. Sehr rudimentär natürlich, aber sie beherrschen eine Art von Verstand, da sind wir uns sicher. Und dann natürlich diese komische Spezies, die auch ein paar Schüsse nicht aus der Bahn werfen. Beängstigend sag ich euch und wir hatten keine Lust rauszufinden, was es noch für Mutationen gab.
 
Weil wir nichts wussten, blieb uns auch nicht viel Zeit uns einen Plan zu Recht zu legen. So gab es eigentlich nur einen Plan. Wir rennen, als ob die Hölle hinter uns her wäre, zu den Lastwagen, setzen auf, schlagen uns zum Munitionsbunker durch und bleiben dort so lang, bis die Scheiße hier draußen vorbei ist. Die Lage des anderen Bunkers, zu dem wir uns eigentlich zurückziehen sollten, war nur den Offizieren bekannt und von denen lebte keiner mehr.
 
35 von uns waren noch übrig, davon drei schwer verwundet. Der Bunker bot Platz für 10 und war für einen Aufenthalt von zwei Wochen gedacht. Länger wollten wir in dem Rattenloch ohnehin nicht bleiben. Also nahmen wir alles auf, was wir tragen konnten und rannten. Wer nicht mehr rennen konnte, der blieb zurück, klemmte sich hinter ein Maschinengewehr und wusste, dass es das für ihn war. Ohne uns umzudrehen, liefen wir."

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