Donnerstag, 7. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 31

Verwirrt fixierten uns seine wild umherirrenden Augen und noch immer stand der Mund weit offen. Hofstetter brüllte ihn an, schüttelte ihn, wollte wissen, was zum Teufel er hier machen würde. Ob er vorhätte, die verdammten Tore zu öffnen und uns damit alle zu töten. Ob es die Worte waren, die ihn wieder zu uns zurückbrachten weiß ich nicht, aber plötzlich war er wieder der Alte. Noch immer wirkte er überrascht, aber die seltsame Verspannung war aus seinem Gesicht gewichen, nahm wieder diese ihm eigene jungenhafte Ausstrahlung an. Der Mund klappte zu und auch die Augen beruhigten sich.
 
Später behauptete er, dass er sich an nichts erinnern könne. Er wollte einfach nur hören, ob sie noch immer draußen waren und er sich sicher war, dass er Stimmen gehört habe. Kein Mensch glaubte ihm und so überraschte es die wenigsten, als er zwei Tage später wieder verschwunden war. Wieder machte sich Hofstetter auf den Weg und kündigte an, den kleinen Scheißer wenn nötig, an seinen verdammten Ohren zurück zu ziehen. Ein paar von uns lachten über die Bemerkung noch und wünschten ihm viel Spaß dabei. Niemand maß dem ganzen irgendetwas bei. Jeder von uns war sich sicher, dass Hofstetter Guba vor sich hertreibend, bald wieder bei uns sein würde.
 
Doch stattdessen hallte ein Schuss durch die abgeschottete Stille des Bunkers. Entsetzte Schreie, noch ein Schuss und weitere Schreie. Es war Hofstetters Stimme, die da durch die abgeschottete Anlage hallte. Plötzlich war es mit der Ruhe vorbei und wir griffen zu unseren Waffen. Ich glaub der Gruber war als erster an der Tür, als Hofstetters Gesicht im Türrahmen erschien. Seine Augen weit aufgerissen und ein paar Blutspritzer am Kinn. Mit einer blutverschmierten Hand hielt er sich am Türrahmen fest und zog sich nach vorne. Die andere Hand hing an einem nutzlos gewordenen Arm. Seine Uniformjacke hatte sich um ein Einschussloch herum dunkel gefärbt und weitere Einschusslöcher zeigten sich am Oberschenkel und im Bauch.
 
Vielleicht war keiner der Treffer tödlich und vielleicht hätte ihn der Sani soweit zusammen flicken können, dass er überlebt hätte. Vielleicht. Als neben seinem Kopf aber plötzlich der Lauf einer Pistole auftauchte und sich eine Kugel ihren Weg durch seinen Schädel bahnte, war auch diese Möglichkeit ausgeräumt. Dort wo sie austrat, spritzte Blut und Gehirnmasse gegen die gegenüberliegende Wand. Das Leben schwand aus Hofstetters Körper und er brach zusammen wie ein nasser Sack. Wir waren schockiert und der scheiß Schuss hallte in meinen Ohren.
 
Als nächstes tauchte Guba in der Tür auf. Sein Gesicht schien vom Wahnsinn gezeichnet. Ein irres Grinsen umspielte seine Mundwinkel und dann richtete er die Pistole auf uns. Gruber reagierte als erster und jagte ihm eine Salve in den Oberkörper. Sein irrer Gesichtsausdruck schwand aus dem sterbenden Gesicht und machte einem überraschten Gesicht Platz, nicht unähnlich dem Gesicht, als Hofstetter ihn das erste Mal von der Tür weggezogen hatte.
 
Klappernd fiel die Pistole zu Boden und nur kurz darauf stürzte auch Guba. Stumm und wortlos ging er zu Boden und lag halb auf Hofstetters Leiche. Da lagen sie nun und keiner von uns sprach ein Wort. Alle blickten wie erstarrt zur Tür und konnten nicht glauben, was sie gerade gesehen hatten.”

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