Samstag, 9. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 33

Mit dem neu gewonnenen Rückhalt begann ich meine Umgebung wieder aktiv wahrzunehmen und beobachtete neugierig die über den Asphalt wandernden Scheinwerfer. Die weißen Mittelstreifen jagten durch die Scheinwerferkegel. Angestrengte Bemühungen unseren aktuellen Standort auszumachen, blieben erfolglos. Die angeleuchteten Mittelstreifen gaben keinerlei Anhaltspunkte, darüber, wo wir uns gerade befanden.
 
“Wo sind wir?”, wollte ich von Stefan wissen. 
 
“Zehn Kilometer noch, dann sind wir daheim. Schaut gut aus”, erwiderte dieser knapp und wandte sich Karl-Heinz zu: “Was wurde eigentlich aus Gubas und Hofstetters Leichen? Das Tor werdet ihr ja kaum geöffnet haben, um sie rauszuschmeißen, oder?”
 
Die Antwort war denkbar kurz. Nur ein schnelles “Nein” kam als Antwort auf die Frage zurück.
 
“Und was dann? Die Betonböden lassen sich ja nun auch nicht ohne weiteres umgraben, oder?”, hakte der Unteroffizier nach.
 
Wieder war die Antwort recht unbefriedigend für uns: “Ich will nicht darüber reden.”
 
Trotz des vorangegangenen Redeschwalls setzte unser Fahrgast jetzt auf absolutes Schweigen und gab während der ganzen restlichen Fahrt kein Wort mehr von sich. Um nicht wieder von seltsamen Gedanken überfallen zu werden, setzte ich das Gespräch fort und führte es wieder in eine andere Richtung.
 
“Findet ihr es nicht auch komisch, dass sie offenbar gezielt militärische Ziele attackieren? Der Angriff auf die Kaserne und der Hinterhalt am Munitionsdepot kann doch kein Zufall gewesen sein. Überhaupt erscheint mir ihr Vorgehen seltsam koordiniert. Möglicherweise sind die ‚anderen‘ intelligenter, als wir dachten. Diese verdammte CD hat ja nicht nur Zivilisten getroffen, da waren doch auch sicher einige Kameraden darunter, oder? Was ist mit denen passiert?”
 
“Die wurden weggebracht”, wisperte Stefan. “Von den Schwarzhemden. Ihr kennt sie vielleicht von der Essenausgabe. Niemand wusste, woher sie kamen, aber sie hatten alle erforderlichen Genehmigungen aus allen Ministerien. Die Schwarzhemden wurden eingesetzt, um übergreifende polizeiliche Tätigkeiten auszuführen und zum direkten Schutz der Zivilbevölkerung, sowie Sicherung der Essenslieferungen. Das sind auch gleichzeitig die einzigen, die die geheimen Vorratslager kennen, die eilig angelegt wurden, oder schon vorher existierten.
 
Das Beste war ja, dass alle Armeeangehörigen und Polizeibeamten ihrem Befehl direkt unterstellt waren. Für mich war das eine üble Schlägertruppe.”
 
“Eine Schlägertruppe mit automatischen Waffen und weitreichenden Rechten”, ergänzte Streicher.
 
“Ja, das leider auch”, stimmte Hauser ihm zu. “Ich glaube am Tag des Ausbruchs verloren mehr Menschen durch Schwarzhemden ihr Leben, als durch die ‘anderen’. Sie feuerten wahllos in Menschenmengen, nur um ihre Haut zu retten. Ein paar wenige blieben noch vor Ort, bis wir eintrafen, aber die meisten verpissten sich einfach. Ihr hattet Glück”, adressierte er in meine Richtung.

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