Montag, 11. Februar 2013

Kapitel 3 - Teil 35

Noch während Fahrzeuge ins Innere des Bunkers gebracht wurden, fing sie zu erzählen an, was sich ereignete, seit wir das Lager verlassen hatten. Der Oberst hatte überraschend ein Bauprojekt befohlen, das mehrere Außenstellungen vorsah, die über Gänge mit dem Eingang des Bunkers verbunden sein sollten. Es gab viele Freiwillige und für viele war es eine willkommene Abwechslung zur grauen Monotonie des Bunkerlebens. Ganz abgesehen davon, dass für die meisten ungefilterte Luft schon zu etwas Unwirklichem geworden war. Bäume wurden gefällt um das Sichtfeld zu erweitern und dienten zugleich als Baumaterial. Die Pläne sahen vier mit Gängen verbundene Stellungen vor, die mit zwei Maschinengewehren bestückt werden sollten und deren Feuerlinien sich überkreuzten, um auch bei einem Ausfall weiter feuern zu können.
 
Weiter hinten gab es noch eine Stellung vor dem Bunkereingang, die rückwärtigen Schutz bieten sollte und vor allem die “Springer” getauften Mutanten aufhalten zu können. Dazwischen war eine Gasse, über die Fahrzeuge hinter den Feuerlinien abgestellt und in den Bunker gebracht werden konnten. So sollte es möglich sein, auch die draußen abgestellten Fahrzeuge nicht weiter den “anderen” zu überlassen und etwas Freiraum zu schaffen. Das Tor blieb ab sofort geöffnet und jeder konnte im Vorraum frische Luft und Herbstsonne tanken.
 
Das alles klang super, aber ich wollte nur noch in mein Quartier. Die Erlebnisse des Tags steckten mir in den Knochen und die Unterhaltung mit Stefan und Karl-Heinz nagte an mir. Vor der Ruhe stand aber noch der Abschlussreport beim Oberst. Eilig verabschiedete ich mich schweren Herzens von meiner Frau wieder und ging in unseren Versammlungsraum. Der Großteil der heute beteiligten Mannschaften war dort schon versammelt, von unseren neuen Gästen sah ich keinen darunter und nahm an, dass sie auf die Krankenstation gebracht wurden, damit dort ihre Mangelerscheinungen behandelt wurden.
 
Vorn am Pult stand bereits der Oberst und wartete geduldig darauf, dass alle ihren Platz einnahmen. Im Gegensatz zu unserer letzten Besprechung wirkte er wieder voll regeneriert. Die neu gestarteten Aktivitäten hatten ihm offensichtlich neues Leben und neue Energie eingehaucht. Seine Augen wanderten umher wie die Augen eines Raubvogels und nichts schien seinem Blick zu entgehen. Als er in meine Richtung sah, spürte ich seinen Blick auf mir lasten, als würde er in meinen Gedanken wie in einem offenen Buch lesen. Im Hals bildete sich ein Kloß, der sich nicht so recht hinunter schlucken ließ und erst verschwand, als der Blick weiter zu meinem Nachbarn wanderte.
 
Die Tür wurde zugeworfen und ein Stuhl kratzte lautstark über den Boden.
 
“Danke, dass Sie zurück gekommen sind”, setzte Oberst Kraus an. “Heute haben wir tapfere Männer verloren, die bei der Erfüllung ihrer Pflicht ihr Leben gelassen haben. Doch ihr Tod ist nicht umsonst. Im Gegenzug konnten wir andere Menschen retten, die uns in unserem Überlebenskampf unterstützen werden. Diese Männer haben viel durchgemacht und mussten viele Entbehrungen in Kauf nehmen. Noch hatte ich keine Gelegenheit mit ihnen zu sprechen und weiß deswegen nur, was mir Oberfeldwebel Lehmann berichtet hat. Dank Ihres Einsatzes, können wir ab sofort auf die Unterstützung von zwei weiteren Marder-Panzern zählen.
 
Noch während wir hier reden, werden die Panzer für ihren nächsten Einsatz vorbereitet und ab sofort unsere Konvois bei Außeneinsätzen unterstützen. Außeneinsätze, für die wir dank Ihnen ausreichend Munition haben, um es mit Tausenden PSGs aufzunehmen. Aus rein militärischer Sicht war ihr heutiger Einsatz also ein voller Erfolg. Zu Ehren der gefallenen Kameraden bitte ich Sie nun aber um eine Schweigeminute.”

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