Montag, 4. Februar 2013

Movies of the Dead

Zu Filmen hab ich ja schon länger nichts mehr geschrieben. Zeit also, die beliebte Rubrik "Movies of the Dead" mal wieder mit Leben (höhö) zu füllen.

Beginnen möchte ich mit Paranorman

Paranorman ist ein Animationsfilm von den Coraline-Machern, der in der Stop Motion-Technik aufgenommen wurde. Angeblich ist es auch der erste Stop Motion-Film, der mit Hilfe von 3D-Druckern entstanden ist. Außerdem geht's um Zombies. 

Na gut, eigentlich geht's um Norman. Norman ist ein relativ normaler elfjähriger mit einem Faible für Untote. Die zieren nicht nur in Form von Postern sein Zimmer, sondern erscheinen ihm auch exklusiv in seiner etwas herunter gekommenen Heimatstadt. Natürlich sieht er die Dinger exklusiv, bis auf seinen verrückten Onkel. Dann aber passiert etwas, das die ganze Stadt in allzu reale Gefahr bringt.

Der Film fängt eigentlich auch ganz gut an. Paranorman spielt mit Klischees und stereotypen Charakteren aus Horrorfilmen der 50er und 60er Jahre und würzt das Ganze noch etwas mit Hexen und Zombies (!!!). Für einen Animationsfilm ist er auch recht düster (aber bei weitem nicht so morbide wie Coraline, der laut wiki FSK6 ist). 

Klingt eigentlich ganz gut, möchte man meinen. Auch das von der FSK draufgepappte FSK12-Logo spricht jetzt eher dafür, nicht unbedingt einen Pixar-Film zu erwarten. Und tatsächlich hat der Film dann auch ein paar Szenen, die das empfohlene Alter durchaus rechtfertigen. Meinem sechsjährigen würd ich das jetzt nicht unbedingt zeigen. 

Dummerweise plätschert der Film an sich aber eher so dahin. Nie so, dass er schlecht wäre, aber auch nicht so, dass ich vor Begeisterung auf der Couch hin- und herrutschen würde.

Dazu kommt, dass der 3D-Effekt eher verhalten daherkommt, und nur in einigen Szenen wirklich plastisch wirkt. Aber gut, das ist jetzt kein Qualitätskriterium, außer wenn man sich einen preiswerten 3D-Film zulegen will. Mit rund 12 Euro ist Paranorman nämlich ein recht preiswertes 3D-Vergnügen. 

Ein schlechter Film ist es aber beileibe nicht, weswegen drei von fünf verbrannten Hexen durchaus berechtigt sind. 

Als zweiten im Bunde, möchte ich ein paar Worte zu Ted verlieren.

Auf den Film war ich echt gespannt. Ich mag die MacFarlane-Sachen. Wahrscheinlich war ich deswegen auch so a bisserl enttäuscht. Der Film entwickelt sich für mich einfach zu stark in Richtung Beziehungskomödie. 

Der Titel gebende Ted verliert schnell an Bedeutung, bzw. könnte genauso gut der kiffende Kumpel des Hauptdarstellers sein, den er nicht aus der Bude werfen will. Nur in (zu) wenigen Momenten spielt man die Besonderheit der Figur aus. 

Das finde ich persönlich schade. 

Dafür punktet der Film aber mit teilweise schönem Nerdhumor (die Klingeltöne, Sam Jones) und einigen netten Sprüchen. 

Dass ihn meine Frau aber besser fand, die umgekehrt null mit Family Guy und Co anfangen kann, spricht wiederum Bände. 

Über allem thront die Vorstellung, der Teddy meines Sohns, den er beinahe so abgöttisch liebt wie John seinen Ted, könnte ebenfalls lebendig werden und ihn bis ins hohe Alter begleiten. Das verleiht dem ganzen eine zusätzliche Schippe Gefühle, aber trotzdem hat mich der nicht so recht an den Eiern gepackt.

Trotzdem noch drei von fünf verschlissenen Teddybären. 

Als Abschluss der Trilogie hab ich noch Snow White and the Huntsman im Gepäck. 

Bei dem wurde doch tatsächlich der englischsprachige Titel beibehalten, obwohl es sich bei dem Stoff eigentlich anbieten würde, es unter seinem deutschen Titel "Schneewittchen" laufen zu lassen. Andererseits vielleicht keine so schlechte Idee, in dem Fall nicht den Eindruck zu erwecken, es mit einer der tschechischen Märchenverfilmungen aus den 60er Jahren zu tun zu haben. So erspart man sich viele erschreckte Omas, die ihren Enkeln etwas Gutes tun wollten. 

Denn mit der ursprünglichen Geschichte hat diese Verfilmung nicht mehr viel gemein. Die Grundthematik ist natürlich immer noch die Gleiche und auch viele Motive finden sich im Film wieder. Sehr oft allerdings neu interpretiert und oft in einem anderen Kontext wieder eingefügt. So erhält man eine Geschichte, die optisch wie ein Zwitter aus 80er-Jahre-Fantasy (Legende, Time Bandits) und aktuellen Filmen (Herr der Ringe) wirkt. Eine sehr interessante Mischung in meinen Augen. 

Wenn man dem Film dann auch eins nicht vorwerfen kann, dann mit Sicherheit die Ausstattung des Films. Dazu liefert der Film viel zu pompöse Bilder und eine fast schon verschwenderisch erscheinende Fülle an Schauplätzen. Auch spielt Charlize Theron, die böse Stiefmutter mit einer Wonne, dass sie allein Teile des Films zu tragen vermag. 

Aber, ohje, welcher Fehlbesetzung Snow White (ja, auch in der deutschen Fassung behalten die Rollen ihre englische Bezeichnung) anheim gefallen ist. Ausgerechnet Kristen Stewart spielt das hübscheste Mädchen des Landes, das tausendmal schöner sein soll, als ihre Stiefmutter. Dabei wirkt sie zu oft teilnahmslos wie ein Brot und obwohl sie nicht wirklich hässlich ist (jaja, Geschmackssache), macht sie viel zu oft gegen Charlize Theron keinen Stich. Die zuvor in Ted gesehene Mila Kunis hätte da irgendwie viel besser in die Rolle gepasst.

Am Ende des Films offenbaren sich dann leider noch ein paar Logiklöcher, die über die märchenhafte Inszenierung hinausgehen. Bei einer Märchenverfilmung sollte man aber vielleicht nicht so kleinkariert sein und sich fragen, warum eine Prinzessin, die noch nie ein Schwert gehalten hat, plötzlich zur Kriegerin mutiert und natürlich gerade eine Rüstung in ihrer Größe rumliegt und plötzlich alle Reiter abgesessen in Keilformation dastehen. Aber auch schon zuvor gibt es schon einige Stellen, die eher konstruiert erscheinen. 

Spaß machen einige Anspielungen, z. B. wenn die Zwerge durch die Kloake waten, einer von ihnen ein fröhliches "Heiho" anstimmt und der andere mit Schlägen droht, wenn er jetzt noch zu Pfeifen anfängt. 


Das alles klingt jetzt gar nicht so negativ, aber was soll man von dem Film halten, wenn ausgerechnet die Darstellerin mit der meisten Screentime als Fehlbesetzung erscheint? 

Also zumindest ich hab mich an der märchenhaften Inszenierung erfreut, den tollen Sets und den tollen Ideen, die aus dem alten Volksmärchen gezogen wurden. Der Wiedererkennungswert war vorhanden, der restliche Cast mit z. B. Nick Frost (u. a. Paul, Shaun of the Dead) und Ian McShane, der hier seiner Rolle in Deadwood erstaunlich nahe kommt, toll besetzt. Somit kann ich für mich festhalten, dass mich der Film trotzdem gut unterhalten hat und erst am Ende der über zwei Stunden gehenden Laufzeit langsam Ermüdungserscheinungen eingetreten sind. 

Trotzdem geb ich vier von fünf vergifteten Äpfeln. 

Trailer:




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