Dienstag, 30. April 2013

Kapitel 4 - Teil 4

Noch vor mir hatte sich Martin freiwillig zu den Unterstützungskräften gemeldet und gilt allgemein als einer der an der Waffe erfahrensten Zivilisten im Bunker. Trotz seiner 34 Jahre stellte er manchen Jungspund in Sachen Reaktion und Zielsicherheit noch in den Schatten. Trotz durchschnittlicher Kondition galt er als belastbar und ausgewogen. Geheimratsecken durchzogen sein dunkelbraunes Haupthaar und eine Narbe auf der Stirn zeugte von einer Konfrontation mit den “anderen”, die er trotzdem zu seinen Gunsten entscheiden konnte. In der Truppe brachte ihm die Narbe den Spitznamen Scarface ein, den er selbst mit Zitaten aus dem entsprechenden Film forcierte. Sein Gebrauch des Worts “Fuck” war auf jeden Fall legendär. Manch einer munkelte zwar, dass Gmeinwieser auch darüber hinaus seltsame Ansichten hatte, was mir aber egal war, solange er mit der Waffe umgehen konnte.
 
Die Nachtruhe verlief ereignislos, auch wenn ich angesichts des bevorstehenden Tages nur schwerlich Schlaf fand. Noch steckte mir mein letzter Außeneinsatz in den Knochen und verursachte fiese Albträume. Immer wieder erschienen mir die Personen von Ludwigs Bild, redeten auf mich ein, nur um kurz darauf von einer Pranke zerfetzt zu werden. Was sie sagten war undeutlich und meistens verblasste die Erinnerung nur wenige Sekunden nach dem Aufwachen. So gesehen hätte ich eigentlich froh sein sollen, mich in der Obhut des Bunkers zu befinden. Und doch war auch aufgeregt, neue Menschen treffen zu können. Die Verheißung auf weitere Überlebende spielte mit meiner Phantasie und Träume entstanden über die längst fällige Rückeroberung unseres Landes. Irgendwann ging ich zum Glück in einen traumlosen Schlaf über.
 
Leider viel zu spät, weil als ich geweckt wurde, fühle ich mich gerädert. Nur langsam, zu langsam, komme ich aus dem Bett und versuche dabei erfolglos, meine Familie nicht zu wecken. Meine Frau schien meine Aufregung gespürt zu haben und kann zum Abschied eine Träne nicht verkneifen. War sie anfangs noch froh, dass ich eine neue Beschäftigung, eine neue Aufgabe, gefunden hatte, war sie nach dem letzten Einsatz voller Sorge gewesen. Nicht zuletzt aus dem Grund hatte sie meine Benennung für diesen Einsatz eher negativ aufgenommen. Da war zum Einen natürlich die Sorge, dass wir erneut in einen Hinterhalt gerieten, zum anderen aber die viel größeren Bedenken, dass wir dem Militär nur als Kanonenfutter dienten. Die Unterstützungstruppen waren aus militärischer Sicht entbehrlich und nur aus dem Grund waren wir für den heutigen Einsatz herangezogen worden. Die Ausrede mit ausgewogen auftretender Gesellschaft sei doch nur eine durchschaubare Lüge der vom Militär gesteuerten Gewalt in dem Bunker gewesen.

Montag, 29. April 2013

Kapitel 4 - Teil 3

“Wollen wir uns wirklich mit Mördern, Vergewaltigern und Dieben verbünden?”, warf der junge Unteroffizier ein.
 
“Herr Stabsunteroffizier, wir führen hier keine offene Diskussionsrunde. Natürlich habe ich das bereits bedacht, aber eine einfache Gruppe Gefangene hätte dem Ansturm nicht in der Form widerstehen können. In dieser Anlage gibt es schwere automatische Waffen und möglicherweise gepanzerte Fahrzeuge. Dort muss es wenigstens Teile von organisierten Einheiten geben, mit denen eine Zusammenarbeit möglich sein muss. Aus dem Grund werden wir uns morgen den Gefängnismauern so weit nähern, dass eine verbale Kommunikation möglich ist. Zwei Schützenpanzer werden für die nötige Rückendeckung sorgen, zwei Personenkraftwagen nähern sich unbewaffnet so weit, dass eine Kommunikation möglich ist. Um keine unnötige Provokation für die Verteidiger darzustellen, nähern Sie sich unbewaffnet.
 
Ihren Gesichtern entnehme ich Skepsis und kann sie teilen. Natürlich gehen wir hier ein Risiko ein, aber ein überschaubares Risiko. Der Zusammensetzung der Bewohner unseres Bunkers entsprechend wird sich der morgige Trupp zu einem Drittel aus Unterstützungskräften zusammensetzen, wie sich auch schon der Zusammensetzung hier im Raum entnehmen konnten.  Ich möchte ein nach außen hin homogenes Bild abgeben und zugleich so wenig bedrohlich wirken, wie möglich.
 
Bitte beachten Sie, dass Sie bis zuletzt keinen Aufschluss über unsere Lokation und tatsächliche Stärke abgeben. Ihre oberste Priorität ist das Herstellen des Erstkontakts und Etablierung einer regelmäßigen Funkverbindung. Zu diesem Zweck werden Fernmeldeeinheiten vor Ort eine Funkanlage mit Standard-Verschlüsslung installieren. Alles Weitere möchte ich mit der dort ansässigen Befehlsebene auf dem Funkweg besprechen, bevor ich zusammen mit der Vertretung unserer Zivilverwaltung mit dem Anführer der dort stationierten Einheiten zusammentreffe.
 
Das Kommando bei diesem Unternehmen übertrage ich Stabsunteroffizier Hauser, der bereits bei vorangegangenen Einsätzen Weitsicht und einen kühlen Kopf bewiesen hat. Herr Stabsunteroffizier, würden Sie mir bitte Gesellschaft leisten und mit mir zusammen den morgigen Ablauf erklären?”
 
Zackig erhob sich der Unteroffizier aus seinem Stuhl und trat stolz nach vorne, wo er von Kraus entgegen den militärischen Gepflogenheiten mit Handschlag begrüßt wurde. An einer grob aufgelösten Karte und einem schemenhaften Umriss der JVA wurde das morgige Vorgehen besprochen. Die Abfahrt sollte um null sechshundert erfolgen, geschätzte Fahrzeit waren zwei Stunden. Nach Eintreffen um acht Uhr sollte erneut eine Stunde über Funk versucht werden, Kontakt mit den Insassen aufzunehmen, bevor wir uns in zwei Wagen auf den Marsch machen würden. Die Panzer würden uns noch bis auf zwei Kilometer vor das Tor begleiten und uns anschließend unserem Schicksal überlassen, wie der mit mir fahrende Martin Gmeinwieser treffend anmerkte.

Sonntag, 28. April 2013

Kapitel 4 - Teil 2

Es war nur ein einzelner Funkspruch, doch änderte er für uns alles. Bei einem Vorstoß in Richtung einer ehemaligen JVA wurden Spuren von menschlichem Leben entdeckt. Zuerst waren ihnen die Leichenberge vor der Anlage aufgefallen. In allen Mutations- und Verwesungsstadien lagen sie reglos da. Manche grauenvoll verstümmelt, andere vom Zahn der Zeit zersetzt. Ein übelriechender Schleier lag über alledem und suchte sich selbst in einigen Kilometern Entfernung seinen Weg ins Innere der Fahrzeuge.
 
Bisher hatten wir keine Leichen gefunden, selbst die Toten des Überfalls auf unseren Konvoi waren auf der Rückfahrt nicht mehr zu sehen gewesen. Doch hier war alles anders. Hunderte oder Tausende lagen angeblich auf den diesen Komplex umgebenden Feldern und Parkflächen. Doch das war noch nicht alles. Ausufernde Beleuchtung und erkennbar geschäftiges Treiben hinter den Mauern waren Beweis genug, dass dort Menschen lebten. Menschen, die sich offensichtlich zur Wehr setzen konnten.
 
Um kein Risiko einzugehen und Missverständnisse zu vermeiden, setzte der Oberst auf Kommunikation. Ganze Imperien gingen wegen Missverständnissen unter. Statt sich also mit den Panzern dem Gebäude weiter zu nähern, wurde befohlen, mittels verschiedener Funkfrequenzen mit den Insassen der Anstalt Kontakt aufzunehmen. Die in den Panzern verbauten Funkgeräte waren zwar nicht besonders stark, auf diese aber relativ kurze Entfernung mehr als ausreichend. Mit und ohne Verschlüsselung wurden Funksprüche abgesetzt, die allerdings unbeantwortet blieben. Auf allen Frequenzen nur statisches Rauschen, statt einer Antwort. Bei Einbruch der Dunkelheit befahl Kraus Abbruch der Mission und den Rückzug, um die Fahrzeuge nicht zu gefährden.
 
Weil sich so etwas in unserer gemütlichen Unterkunft kaum verheimlichen ließ, wurde die Rückkehr der Patrouille nicht nur vom Führungsstab sehnlichst erwartet. Die Pioniere waren sehr kreativ darin gewesen, sich eine eigene Funkzentrale einzurichten, die offiziell als Ersatz- oder Rückfallfunkzentrum hatte dienen sollen. Stattdessen verbrachten versierte Kameraden ihre Zeit damit, den Funkverkehr auf eigene Faust abzuhören und Neuigkeiten unter die Leute zu bringen. Ob der Stab davon wusste, weiß ich bis heute nicht, aber ich glaube, dass man es zumindest ahnte. Auf jeden Fall wurde nach ihrer Rückkehr noch am gleichen Abend zu einer Einsatzbesprechung geladen, die in einem intimen Rahmen stattfand. Ohne den Oberst zählte ich gerade einmal 18 Anwesende, darunter relativ viele Unterstützungskräfte und mit Stefan gerade mal einen Dienstrang.
 
Mit knappen Worten wurden wir mit dem Hinweis, dass wir wahrscheinlich ohnehin schon davon gehört hatten, über die heutigen Entdeckungen informiert und vom Oberst über die nächsten Schritte in Kenntnis gesetzt:
 
“Wie Sie sich denken können, ist die Entdeckung für uns zu gewichtig, um sie einfach ignorieren zu können. Auch wenn uns heute keine Kontaktaufnahme geglückt ist, müssen wir mit den Insassen der JVA in Kontakt treten. Dort hat man sich offensichtlich mit den neuen feindlichen Lebensumständen arrangiert und führt einen offenen Kampf gegen die neue Bedrohung. Knapp an Alternativen käme uns ein Zusammenschluss mit der dort operierenden Truppe sehr entgegen. Die Zahl der kampffähigen Männer ist ständigen Schwankungen unterworfen und Nachschub endlich. Verluste dünnen unsere Reihen kurz-, mittel- und langfristig aus und irgendwann werden wir die PSGs nicht länger zurückhalten können.”

Samstag, 27. April 2013

Kapitel 4 - Teil 1

Die nächsten Tage verliefen ereignislos. Während draußen die Arbeiten weitergingen und auch langsam Form annahmen, wurde die Ausbildung der Freiwilligen intensiviert. Immer noch war nichts von den “anderen” zu sehen und nicht wenige glaubten daran, dass sie möglicherweise alle tot waren und wir wegen nichts hier in den Bunkern sitzen würden. Es gab sogar Bemühungen, dem Militär eine zivile Verwaltung gegenüber zu stellen, was vom Oberst halb amüsiert zur Kenntnis genommen wurde. Für Argumente wie dass die Militär dem Volk unterstand und nicht umgekehrt, entgegnete er mit den immer noch geltenden Notstandsgesetzen, die allen Sicherheitskräften übergreifende Vollmachten erteilte. So wurde aus dem Gegengewicht ein besserer Klassensprecher, der in Treffen unsere Positionen vertreten durfte.
 
Wobei ich mir meines Status nicht mehr sicher war. Die Freiwilligen erhielten alle Vorzüge der kämpfenden Truppe. Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass diese Vorzüge mit Ausnahme der Unterbringung auch für die Arbeiter draußen galten. Mit fortschreitender Ausbildung gab man uns immer mehr das Gefühl, zur Truppe zu gehören, was uns bei Abstimmungen immer häufiger misstrauischen Blicken aussetzte.
 
Langsam stießen auch die Überlebenden aus der Kaserne zu uns. Als ich Karl-Heinz das erste Mal gewaschen, rasiert und in sauberer Uniform sah, erkannte ich ihn kaum wieder. Einzig seine traurigen Augen stachen immer noch hervor und identifizierten ihn als denjenigen, den wir vor dem drohenden Ende gerettet haben. Auch der Rest von ihnen war seltsam reserviert uns gegenüber und angeblich war noch immer ungeklärt, was mit den Leichen von Guba und Hofstetter passiert war. Angeblich wurden sie aus dem Grund nicht zum Dienst an der Waffe herangezogen, sondern übernahmen organisatorische Aufgaben, wie den Ausbau der außen liegenden Stellungen.
 
In den mitgebrachten Kisten waren neben Tausenden Schuss Munition auch Granaten, mit deren Hilfe die nähere Umgebung gesichert wurde. Mit Drähten war darüber hinaus ein Frühwarnsystem eingerichtet worden, das zwar einfach, aber effektiv war. So effektiv, dass einige Granaten und Alarme von Waldtieren ausgelöst worden waren. Zumindest von kleineren Waldtieren. Größere Tiere hatten wir schon seit Wochen nicht mehr zu sehen bekommen.
 
Täglich wurden die in Waffen stehenden Truppen vom Oberst über Neuigkeiten instruiert. So wurde uns mitgeteilt, dass der Standort des Senders lokalisiert werden konnte. Den Namen der Stadt habe ich wieder vergessen, aber er liegt wohl ein paar Kilometer südlich von Paris. Die Lokalisation geschah höchst wissenschaftlich und mit massivem Technikaufwand dadurch, dass der wirr dahin brabbelnde Moderator seinen Aufenthaltsort irgendwann beiläufig erwähnte. Überhaupt wurden seine Durchsagen immer verzweifelter. Seine Berichte erzählten von Massakern, einer Belagerung durch die Monster und seinen schwindenden Vorräten. Auch wenn nur wenige von uns französisch sprachen, tat es gut eine andere menschliche Stimme zu hören, weshalb einige von uns nur aus dem Grund den Übertragungen lauschten. Vielleicht gab es ja noch mehr wie ihn, die sich mit genügend Vorräten in Sicherheit bringen konnten. Eine Hoffnung, die mit jedem Tag weiter schwand.
 
Aufgrund des beobachteten und protokollierten Vorgehens unserer Gegner entschied der Oberst, dass die Monster wenigstens über rudimentäre Intelligenz verfügen mussten, die über reinen Instinkt hinaus ging.
 
Ab sofort wurden auch wieder regelmäßig Patrouillen ausgesandt, um den Umkreis erkunden und den Kreis immer weiter ausdehnen zu können. Dank der zwei vorgefundenen Schützenpanzer konnten wir ab sofort der Bedrohung auf einem ganz anderen Niveau begegnen und  mussten uns ihr auch stellen. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass es noch Überlebende gab und die zu finden es jetzt gelte.
 
Für die Patrouillen wurden vorerst nur alt gediente Soldaten herangezogen, dabei aber betont, dass der Einsatz der Freiwilligen natürlich weiterhin wichtig war. Noch waren wir nicht in Sicherheit und noch war alles möglich. Wir dürften uns keiner falschen Sicherheit hingeben und nur ständige Wachsamkeit konnte unser Überleben in dieser für uns feindlichen Umwelt gewährleisten. Die Geretteten blieben dabei außen vor, was sie aber kaum zu stören schien.
 
Auf die Funksignale angesprochen, konnte Krause nur berichten, dass diese auf wechselnden Frequenzen zu hören waren, aber immer noch ein unbekannter Verschlüsselungscode benutzt wurde. Leider stand für eine Entschlüsselung nicht das richtige Equipment zur Verfügung, aber mit den Außeneinsätzen waren wir bemüht, die Quelle näher zu lokalisieren. Der Ansatz gefiel mir besser, als darauf zu warten, dass uns der unbekannte Sender seinen Stützpunkt freiwillig übermittelte.

Montag, 15. April 2013

Trash of the Dead - Trashfilmabend in München (Teil 2)


Fortsetzung zu Teil 1.

Andreas: Etwas besser wurde es mit Sador, der immerhin mit vergleichsweise guten Special Effects und vor allem richtigen Schauspielern aufwarten kann. Ob man allerdings John-Boy Walton tatsächlich in einem SciFi-Heuler sehen will, sei mal dezent dahin gestellt. Im Endeffekt bietet Sador quasi Die Sieben Samurai im Weltall mit handgemachten Raumschiffmodellen, die so halbwegs überzeugend durch das Weltall tuckern. Definitiv sehenswert ist „The flying Hodnsack“, das Raumschiff des Helden. Mehr dazu unten bei Khalil. Zumindest schaut das aber meist trotzdem besser aus als so halbgare Asylum-CGIs. In den besten Momenten schaut das sogar richtig gut aus. Und trotzdem wirkt in dem Film so viel gestümpert. Sinnlose Aktionen, ein gelangweilter Cast und Kostüme, die den tollen Raumschiffmodellen zuwider laufen. Ich nenn jetzt als Beispiel mal das aufgemalte Auge einer sich selbst klonenden Alienrasse. Dass die sich von der Farbe und dem aufgemalten Auge abgesehen überhaupt nicht ähnlich sehen - geschenkt. Dafür gibt's in Lack und Leder gepresste Titten. Passt.


Khalil: Bei Sador handelt es sich um eine Produktion aus der Roger Corman Schmiede, im Grunde um eine Mischung aus Seven Samurai & Star Wars - na, zumindest hatte John Saxon schon ziemliches Bösewichtpotential. Es gibt Einiges, was der Film im Gegensatz zu echten Heulern wie Endgame schon richtig macht, da wären zum Einen recht hübsche Raumschiffmodelle, sehr schicke Matte Paintings, für die Musik wurde James Horner, der ja inzwischen ziemlichen Bekanntheitsgrad hat, verpflichtet - auf der anderen Seite haben wir unfassbar schlecht inszenierte Raumschiffkämpfe, denen man anmerkt, dass die Kohle ausgegangen ist, die üblichen hölzernen Schauspieler, teils sehr fragwürdiges Außerirdischen-Design und einen unfassbar unsympathischen Hauptdarsteller - aber hey, dafür gab es Hannibal aus dem A-Team mal in einer echten Filmrolle und natürlich Sybil Danning, die eine Zier für jeden schlechten Film ist & an der sich der Kostümdesigner mal richtig austoben durfte und ihr neben diesem Kostüm noch ein schickes Lattex und Leder Outfit zusammenbasteln durfte:


Mit ihren zwei schlagenden Argumenten hatte die Dame bei uns schon gewonnen.

Ach, und hier mal ein Gruppengemälde der gesamten "glorreichen Sieben":


Ein Spaß jedenfalls, auch wenn der Streifen etwas gebraucht hat, um in Fahrt zu kommen.

Ach, für Diskussionen hat noch das Raumschiffdesign des Hauptdarstellers gesorgt, wo Andreas fliegende Hoden gekreuzt mit einer Gebärmutter zu erkennen glaubte, bin ich mir sehr sicher, dass es eher wie eine Sphinx mit Brüsten aussah:

The Flying Hodnsack
Andreas: The Toxic Avenger hat da ein ganz anderes Problem. Um den Film auf Spielfilmlänge zu trimmen, werden immer wieder Szenen mehrfach verwendet. Das macht das Machwerk in der zweiten Hälfte leider etwas zur Qual, bzw. ziehen sich speziell die letzten 20 Minuten recht unschön. Bis dahin gibt es Ekeleffekte, eine Handlung ala Die Schöne und das Biest und eine Abrechnung des Mutanten im Tütü mit all dem Abschaum, den die Stadt Troma City so hervorbringt. Apropos Troma City: die wechselt immer wieder ihre Dimensionen, so wie es die Handlung grade braucht, oder der Drehort das bestimmt. Kleinstadt, Großstadt, Metropole... Je nachdem wo man gefilmt hat, ändern sich die Rahmenbedingungen. Immerhin hat das Budget am Ende noch für zwei Panzer und eine erkleckliche Anzahl von Statisten gereicht. Dass für die Auffahrt des Militärs zwei verschiedene Aufnahmen wirklich dilletantisch zusammen geschnitten wurden, ist dann auch nur noch Nebensache.


Khalil: Bei dem Film handelt es sich um die Kategorie "ganz ganz bewusster Trash" aus dem Hause Troma, der zu den vermutlich bekanntesten Trashfilmen gehören dürfte. Atomic Hero aka Toxic Avenger, den Andreas nicht gekannt hat, ist eine Lücke, die es also zu stopfen galt, da der Streifen zudem auf Filmemacher wie Miike oder Peter Jackson wohl lt. eigenen Aussagen einen Einfluss hatte.

Jedenfalls, im Vergleich zu anderen bewussten Trashfilmen (Asylum, ich schaue zu dir) macht der Streifen verdammt viel richtig, um für gute Laune zu sorgen - ein Typocasting vom Feinsten, ob jetzt der Polizeichef mit Faschoallüren, die blinde Freundin vom Atomic Hero, die mehr mit Körperreizen als mit schauspielerischem Talent glänzt. 80er Jahre Fitness Bullies (generell, das Health, bzw. die Szenen darin gehören mit zu den besten Szenen), herrlich politisch unkorrekte Darsteller von Schwulen und mein Favorit, der fette Bürgermeister, der weiß, wie es sich zu leben hat & eigentlich immer irgendwelche Mädels am Start hat, die ihn versorgen.  Man fragt sich generell, wo Troma die Darsteller herbekommen hat. Solche durchen Gestalten trifft man bestenfalls wohl auf der Kirmes.

Hier mal ein Gruppenbild vom Bürgermeister, dem Polizeichef und anderen finsteren Gestalten:


Dazu kommt ein wirklich sehr lockerer 80er Jahre Soundtrack, Goreszenen und jede Menge Tabubrüche, oder zumindest der Versuch davon und natürlich so ziemlich alles, was man mit einer Kamera bewaffnet falsch machen kann - Anschlussfehler, eine Stadt, die in der Grösse nach Belieben variiert usw.

Und obwohl Andreas vollkommen Recht hat, dass sich die letzte halbe Stunde leider sehr streckt, versteht man schon, wieso der Streifen in Filmkreisen einen gewissen Kultstatus hat.

Für Troma war es wohl der One in a Million Hit, der nicht nur drei wirklich grottenschlechte Fortsetzungen nach sich zog. Toxie, wie ihn die Fans liebevoll nannten, bekam ein eigenes Comic, eine Videospielverwurstung und eine Zeichentrickserie - und Troma hat mit keinem seiner Streifen jemals wieder so einen Erfolg geschafft.

Andreas: Zu einer exklusiven Veranstaltung wurde dann noch Warnzeichen Gen-Killer. Der bildete den krönenden Abschluss eines grandiosen Abends. In dem Film geht es um den Ausbruch eines Virus in einer unterirdischen Forschungseinrichtung, die die Infizierten zu blindwütigen Killern macht. Im Gegensatz zu entsprechenden Zombie-Varianten behalten sie hier allerdings ihre Fähigkeit zu kommunizieren und wirken noch halbwegs intelligent. Wobei der Film für einen Trashfilmabend schon fast zu gut war. Die Handlung war nur ganz wenig hanebüchen, der Labortrakt bestand zwar nur aus vier gefühlten Sets und war zudem kaum logisch nachvollziehbar aufgebaut, aber immerhin war das alles irgendwie solide. So solide, dass ich hin und wieder weggenickt bin. Aber es war schon spät und der Rest der illustren Runde schon auf dem Heimweg. Auf den hab ich mich dann anschließend auch gemacht. 


Khalil: Nachdem sich der Rest der Bande gegen 3.30 verabschiedet hatte, haben Andreas und ich dann noch einen Absackerfilm goutiert, der eigentlich "zu gut" für den Abend war, aber hey, eine Seuche, die Menschen zu Amokläufern mutieren lässt, Fastzombies sozusagen, damit kann man bei Andreas nichts falsch machen, zudem gibt es den Film meines Wissens in Deutsch nirgendwo käuflich zu erwerben.

Warnzeichen Gen-Killer ist entgegen meiner Vermutung, kein Direkt to Video Streifen, sondern tatsächlich eine Kinoproduktion, auch wenn man ihm anmerkt, dass nicht viel Kohle am Start war. Eine eigentlich solide Produktion, aber als Absacker und Einschlafhilfe sehr geeignet, sowohl Andreas als auch ich sind wohl mehrfach weggenickt. Und das, obwohl der Film teils mit recht bekannten Nasen besetzt war, der Herr hier dürfte ja dem ein oder anderen bekannt sein:


Alles in allem ein toller Abend mit akuter Wiederholungsgefahr und eine tolle Vorbereitung für das B-Film-Basterds-Festival in Nürnberg.

Trash of the Dead - Trashfilmabend in München (Teil 1)

Trashfilme sind schon etwas Besonderes. In der Regel von Cineasten ignoriert, im besten Fall belächelt, belebten sie in den VHS-Jahren die Regale der Videotheken mit grell überzeichneten Covermotiven und versuchten dabei nicht selten einem Trend zu folgen, bevor dieser wieder abflachte. Im Gegensatz zu modernem Trash von Firmen wie Asylum können viele dieser Heuler aber auch tatsächlich unterhalten. Budgetmängel wurden zu der Zeit nicht überredet, sondern einfach durch Improvisation überspielt. Logik war dabei eher zweitrangig und schauspielerisches Talent komplett überschätzt.

Wenn dann alles zusammenkommt, erhält man ein peinliches Werk, das aber gerade dadurch unfreiwillig zu unterhalten weiß. Dass dabei Alkohol und die richtige Gesellschaft aber durchaus eine Rolle spielen können, sollte man dabei aber nicht unterschätzen.

Mit Khalil Böller kenne ich einen ausgewiesenen Experten der Trashologie, der auch nicht davor zurückschreckt, für obskure Kleinstauflagen eine stattliche Summe hinzulegen. So komme ich von Zeit zu Zeit in den Genuss, einige ausgewählte Kleinode in bester Gesellschaft konsumieren zu können. So auch dieses Wochenende, das stilecht mit Pizza eröffnet wurde.


Zu jedem Film wird auch Khalil einen Gastkommentar hinterlassen, der meine subjektive Sicht der Dinge um einige interessante Fakten und eine zweite Sichtweise bereichert. Khalil ist übrigens auch Mitglied beim Celluleute-Podcast-Team und dort – wen wundert’s – eher für die kuriosen Sachen Spezialist. Aber kommen wir zu den Filmen.

Andreas: Den Anfang machte Karate, Küsse, Blonde Katzen, den ich gern in Titten, Titten, Titten umbenennen würde. Letztendlich hüpfen die nämlich ständig durch's Bild. Dazu gesellt sich Bud Spencer-Synchro, ein paar mehr oder weniger gute Kampfszenen und die Olivenkerne of Death. Leider, leider, leider sorgte die DVD auf der PS3 für einige Probleme bei der Wiedergabe ab der zweiten Filmhälfte, was den Filmgenuss dann etwas beeinträchtigte. Nichtsdestotrotz ein grandioser Opener, der auch mit überschaubaren Alkoholpegel zu unterhalten wusste. Eine Handlung gibt’s auch, die allerdings eigentlich nur darin besteht, dass sechs Frauen von bösen Asiaten entführt und zu Sex gezwungen werden. Oder auch nicht. Innerhalb weniger Tage werden sie zu topless Ninjas of Death und spucken sich mit Olivenkerne in die Freiheit. Das Schöne: der Film ist tatsächlich so dämlich, wie es sich hier anhört.



Khalil: Es handelt sich hier um die einmalige Zusammenarbeit zwischen den Shaw Brothers, die quasi im Alleingang das HongKong Kino hochgezogen haben und bekannt geworden sind mit Filmen wie "18 Kammern der Shaolin" und Ernst Hofbauer, der mit Sexklamotten wie "Schulmädchenreport" groß geworden ist, und das Ergebnis ist sozusagen einzigartig in der Filmlandschaft - deutsche Sexklamotte meets Eastern Film. Politisch herrlich unkorrekt, zum Teil sehr abstruse Kampfszenen und Techniken, ah, und natürlich die Synchro, die meines Erachtens extrem viel zur guten Laune beiträgt - Sprüche wie "das schmeckt wie Oma unter der Achsel" hört man heute einfach viel zu selten im Kino. ;)

Andreas: "Besser" wurde es dann mit Endgame, einem italienischen Endzeitheuler. Ein Raimund Harmstorf-Stunt-Double stümpert sich durch die ständig gleichen Kulissen, wärmt Mad Max zum gefühlt 1000sten mal auf und zeigt, dass D'Amato vor allem eins nicht hatte: eine klare Vision einer postapokalyptischen Welt. Stattdessen gibt es nur Versatzstücke, die aber immerhin schon Elemente von Running Man vorwegnehmen und das 16:9-Format bei Fernsehern. Der Rest sind billige Kostüme, die von einem WW2-Dreh noch rumlagen, billigst auf Endzeit getrimmte Fahrzeuge (Decke/Fell übern Motorradsattel = Endzeit, ein makelloser Mercedes-Sprinter-Vorgängermodell...) und ein Cast, der sich nicht einmal Mühe gibt, so etwas wie Schauspielerei vorzutäuschen. Vor allem der Hauptdarsteller bleibt bis zum Ende so blass, dass man ihn gar nicht so wirklich wahr nimmt. Dass die Handlung null Sinn ergibt und selbst Fäden bei schwebenden Steinen sichtbar sind, ist da sowieso nur noch das i-Tüpfelchen. Mit anderen Worten: ein wahres Highlight!



Khalil: Endgame aka Bronx lotta finale ist ein Endzeitheuler von Joe D´Amato, dem wir Filme wie "Man Eater" zu verdanken haben und der meines Wissens nach einer unfassbaren Reihe von schlechten SF, Horror, Krimi und Sexfilmchen sein Dasein bis zu seinem Tod mit dem Dreh von Pornos gemacht gefristet hat - sprich, ein Regisseur, der zu den ganz Großen des italienischen Filmbetriebs gehört.

Und entsprechend bietet Endgame quasi Versatzstücke aus diversen SF Streifen, nur eben in besonders schlecht - Running Man Action (wobei sich der Hauptdarsteller da so bescheuert anstellt, dass man sich schon fragen kann, wie er überhaupt so weit kam), Bösewichte im Nazi-Fetisch-Design (stilecht mit Gasmaske, 2 WK Helm und SS Runen, die allerdings die Bedeutung "Security Service" hatten), harte Endzeittypen, die eher wie aus einem Fantasy LARP ausgeschaut haben (mit Axt) und der Asiate stilecht den Namen "Ninja" hatte. Dazu noch Endzeitvehikel mit Waffen (naja, Endzeitvehikel ist fast schon zu viel gesagt), Mutanten mit telepathischen Kräften (hatte den Vorteil, wenig schauspielern zu müssen), noch mehr abstruse Gegner (blinde Killermönche) & Mutanten, die zu Tiermenschen degeneriert wurden - vom Affenmensch bis zum Fischmensch ist da alles dabei.

Mein persönlicher Favorit ist allerdings der Obermutant, der Fischmann himself, der stilecht auf einem Buggy mit 2 "Schönheiten" angeritten kam, leider habe ich kein besseres Bild gefunden:



Irgendwie konnte man anhand der beiden Damen es schon verstehen, dass der Mutant sich dann lieber mit Laura Gemser, oh Entschuldigung, ich meine natürlich Moira Chen (Gemser wollte seriös rüberkommen, deswegen hat sie ihren echten Namen genommen) vergnügt hat. ;)

Ach, vergessen wir natürlich nicht das Setting, dem man kaum angemerkt hat, dass man in einem verlassenen Industriegelände bei Rom gedreht hat und diverse Gebäude mehrmals in Szene gesetzt hat und natürlich die Darsteller, allen voran George Eastman, der einfach zu der Zeit eine coole Sau war.
Jedenfalls, der Film ist ein Fest für Freunde des Endzeitfilms.

Weiter mit Teil 2