Samstag, 27. April 2013

Kapitel 4 - Teil 1

Die nächsten Tage verliefen ereignislos. Während draußen die Arbeiten weitergingen und auch langsam Form annahmen, wurde die Ausbildung der Freiwilligen intensiviert. Immer noch war nichts von den “anderen” zu sehen und nicht wenige glaubten daran, dass sie möglicherweise alle tot waren und wir wegen nichts hier in den Bunkern sitzen würden. Es gab sogar Bemühungen, dem Militär eine zivile Verwaltung gegenüber zu stellen, was vom Oberst halb amüsiert zur Kenntnis genommen wurde. Für Argumente wie dass die Militär dem Volk unterstand und nicht umgekehrt, entgegnete er mit den immer noch geltenden Notstandsgesetzen, die allen Sicherheitskräften übergreifende Vollmachten erteilte. So wurde aus dem Gegengewicht ein besserer Klassensprecher, der in Treffen unsere Positionen vertreten durfte.
 
Wobei ich mir meines Status nicht mehr sicher war. Die Freiwilligen erhielten alle Vorzüge der kämpfenden Truppe. Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass diese Vorzüge mit Ausnahme der Unterbringung auch für die Arbeiter draußen galten. Mit fortschreitender Ausbildung gab man uns immer mehr das Gefühl, zur Truppe zu gehören, was uns bei Abstimmungen immer häufiger misstrauischen Blicken aussetzte.
 
Langsam stießen auch die Überlebenden aus der Kaserne zu uns. Als ich Karl-Heinz das erste Mal gewaschen, rasiert und in sauberer Uniform sah, erkannte ich ihn kaum wieder. Einzig seine traurigen Augen stachen immer noch hervor und identifizierten ihn als denjenigen, den wir vor dem drohenden Ende gerettet haben. Auch der Rest von ihnen war seltsam reserviert uns gegenüber und angeblich war noch immer ungeklärt, was mit den Leichen von Guba und Hofstetter passiert war. Angeblich wurden sie aus dem Grund nicht zum Dienst an der Waffe herangezogen, sondern übernahmen organisatorische Aufgaben, wie den Ausbau der außen liegenden Stellungen.
 
In den mitgebrachten Kisten waren neben Tausenden Schuss Munition auch Granaten, mit deren Hilfe die nähere Umgebung gesichert wurde. Mit Drähten war darüber hinaus ein Frühwarnsystem eingerichtet worden, das zwar einfach, aber effektiv war. So effektiv, dass einige Granaten und Alarme von Waldtieren ausgelöst worden waren. Zumindest von kleineren Waldtieren. Größere Tiere hatten wir schon seit Wochen nicht mehr zu sehen bekommen.
 
Täglich wurden die in Waffen stehenden Truppen vom Oberst über Neuigkeiten instruiert. So wurde uns mitgeteilt, dass der Standort des Senders lokalisiert werden konnte. Den Namen der Stadt habe ich wieder vergessen, aber er liegt wohl ein paar Kilometer südlich von Paris. Die Lokalisation geschah höchst wissenschaftlich und mit massivem Technikaufwand dadurch, dass der wirr dahin brabbelnde Moderator seinen Aufenthaltsort irgendwann beiläufig erwähnte. Überhaupt wurden seine Durchsagen immer verzweifelter. Seine Berichte erzählten von Massakern, einer Belagerung durch die Monster und seinen schwindenden Vorräten. Auch wenn nur wenige von uns französisch sprachen, tat es gut eine andere menschliche Stimme zu hören, weshalb einige von uns nur aus dem Grund den Übertragungen lauschten. Vielleicht gab es ja noch mehr wie ihn, die sich mit genügend Vorräten in Sicherheit bringen konnten. Eine Hoffnung, die mit jedem Tag weiter schwand.
 
Aufgrund des beobachteten und protokollierten Vorgehens unserer Gegner entschied der Oberst, dass die Monster wenigstens über rudimentäre Intelligenz verfügen mussten, die über reinen Instinkt hinaus ging.
 
Ab sofort wurden auch wieder regelmäßig Patrouillen ausgesandt, um den Umkreis erkunden und den Kreis immer weiter ausdehnen zu können. Dank der zwei vorgefundenen Schützenpanzer konnten wir ab sofort der Bedrohung auf einem ganz anderen Niveau begegnen und  mussten uns ihr auch stellen. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass es noch Überlebende gab und die zu finden es jetzt gelte.
 
Für die Patrouillen wurden vorerst nur alt gediente Soldaten herangezogen, dabei aber betont, dass der Einsatz der Freiwilligen natürlich weiterhin wichtig war. Noch waren wir nicht in Sicherheit und noch war alles möglich. Wir dürften uns keiner falschen Sicherheit hingeben und nur ständige Wachsamkeit konnte unser Überleben in dieser für uns feindlichen Umwelt gewährleisten. Die Geretteten blieben dabei außen vor, was sie aber kaum zu stören schien.
 
Auf die Funksignale angesprochen, konnte Krause nur berichten, dass diese auf wechselnden Frequenzen zu hören waren, aber immer noch ein unbekannter Verschlüsselungscode benutzt wurde. Leider stand für eine Entschlüsselung nicht das richtige Equipment zur Verfügung, aber mit den Außeneinsätzen waren wir bemüht, die Quelle näher zu lokalisieren. Der Ansatz gefiel mir besser, als darauf zu warten, dass uns der unbekannte Sender seinen Stützpunkt freiwillig übermittelte.

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