Sonntag, 28. April 2013

Kapitel 4 - Teil 2

Es war nur ein einzelner Funkspruch, doch änderte er für uns alles. Bei einem Vorstoß in Richtung einer ehemaligen JVA wurden Spuren von menschlichem Leben entdeckt. Zuerst waren ihnen die Leichenberge vor der Anlage aufgefallen. In allen Mutations- und Verwesungsstadien lagen sie reglos da. Manche grauenvoll verstümmelt, andere vom Zahn der Zeit zersetzt. Ein übelriechender Schleier lag über alledem und suchte sich selbst in einigen Kilometern Entfernung seinen Weg ins Innere der Fahrzeuge.
 
Bisher hatten wir keine Leichen gefunden, selbst die Toten des Überfalls auf unseren Konvoi waren auf der Rückfahrt nicht mehr zu sehen gewesen. Doch hier war alles anders. Hunderte oder Tausende lagen angeblich auf den diesen Komplex umgebenden Feldern und Parkflächen. Doch das war noch nicht alles. Ausufernde Beleuchtung und erkennbar geschäftiges Treiben hinter den Mauern waren Beweis genug, dass dort Menschen lebten. Menschen, die sich offensichtlich zur Wehr setzen konnten.
 
Um kein Risiko einzugehen und Missverständnisse zu vermeiden, setzte der Oberst auf Kommunikation. Ganze Imperien gingen wegen Missverständnissen unter. Statt sich also mit den Panzern dem Gebäude weiter zu nähern, wurde befohlen, mittels verschiedener Funkfrequenzen mit den Insassen der Anstalt Kontakt aufzunehmen. Die in den Panzern verbauten Funkgeräte waren zwar nicht besonders stark, auf diese aber relativ kurze Entfernung mehr als ausreichend. Mit und ohne Verschlüsselung wurden Funksprüche abgesetzt, die allerdings unbeantwortet blieben. Auf allen Frequenzen nur statisches Rauschen, statt einer Antwort. Bei Einbruch der Dunkelheit befahl Kraus Abbruch der Mission und den Rückzug, um die Fahrzeuge nicht zu gefährden.
 
Weil sich so etwas in unserer gemütlichen Unterkunft kaum verheimlichen ließ, wurde die Rückkehr der Patrouille nicht nur vom Führungsstab sehnlichst erwartet. Die Pioniere waren sehr kreativ darin gewesen, sich eine eigene Funkzentrale einzurichten, die offiziell als Ersatz- oder Rückfallfunkzentrum hatte dienen sollen. Stattdessen verbrachten versierte Kameraden ihre Zeit damit, den Funkverkehr auf eigene Faust abzuhören und Neuigkeiten unter die Leute zu bringen. Ob der Stab davon wusste, weiß ich bis heute nicht, aber ich glaube, dass man es zumindest ahnte. Auf jeden Fall wurde nach ihrer Rückkehr noch am gleichen Abend zu einer Einsatzbesprechung geladen, die in einem intimen Rahmen stattfand. Ohne den Oberst zählte ich gerade einmal 18 Anwesende, darunter relativ viele Unterstützungskräfte und mit Stefan gerade mal einen Dienstrang.
 
Mit knappen Worten wurden wir mit dem Hinweis, dass wir wahrscheinlich ohnehin schon davon gehört hatten, über die heutigen Entdeckungen informiert und vom Oberst über die nächsten Schritte in Kenntnis gesetzt:
 
“Wie Sie sich denken können, ist die Entdeckung für uns zu gewichtig, um sie einfach ignorieren zu können. Auch wenn uns heute keine Kontaktaufnahme geglückt ist, müssen wir mit den Insassen der JVA in Kontakt treten. Dort hat man sich offensichtlich mit den neuen feindlichen Lebensumständen arrangiert und führt einen offenen Kampf gegen die neue Bedrohung. Knapp an Alternativen käme uns ein Zusammenschluss mit der dort operierenden Truppe sehr entgegen. Die Zahl der kampffähigen Männer ist ständigen Schwankungen unterworfen und Nachschub endlich. Verluste dünnen unsere Reihen kurz-, mittel- und langfristig aus und irgendwann werden wir die PSGs nicht länger zurückhalten können.”

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