Montag, 29. April 2013

Kapitel 4 - Teil 3

“Wollen wir uns wirklich mit Mördern, Vergewaltigern und Dieben verbünden?”, warf der junge Unteroffizier ein.
 
“Herr Stabsunteroffizier, wir führen hier keine offene Diskussionsrunde. Natürlich habe ich das bereits bedacht, aber eine einfache Gruppe Gefangene hätte dem Ansturm nicht in der Form widerstehen können. In dieser Anlage gibt es schwere automatische Waffen und möglicherweise gepanzerte Fahrzeuge. Dort muss es wenigstens Teile von organisierten Einheiten geben, mit denen eine Zusammenarbeit möglich sein muss. Aus dem Grund werden wir uns morgen den Gefängnismauern so weit nähern, dass eine verbale Kommunikation möglich ist. Zwei Schützenpanzer werden für die nötige Rückendeckung sorgen, zwei Personenkraftwagen nähern sich unbewaffnet so weit, dass eine Kommunikation möglich ist. Um keine unnötige Provokation für die Verteidiger darzustellen, nähern Sie sich unbewaffnet.
 
Ihren Gesichtern entnehme ich Skepsis und kann sie teilen. Natürlich gehen wir hier ein Risiko ein, aber ein überschaubares Risiko. Der Zusammensetzung der Bewohner unseres Bunkers entsprechend wird sich der morgige Trupp zu einem Drittel aus Unterstützungskräften zusammensetzen, wie sich auch schon der Zusammensetzung hier im Raum entnehmen konnten.  Ich möchte ein nach außen hin homogenes Bild abgeben und zugleich so wenig bedrohlich wirken, wie möglich.
 
Bitte beachten Sie, dass Sie bis zuletzt keinen Aufschluss über unsere Lokation und tatsächliche Stärke abgeben. Ihre oberste Priorität ist das Herstellen des Erstkontakts und Etablierung einer regelmäßigen Funkverbindung. Zu diesem Zweck werden Fernmeldeeinheiten vor Ort eine Funkanlage mit Standard-Verschlüsslung installieren. Alles Weitere möchte ich mit der dort ansässigen Befehlsebene auf dem Funkweg besprechen, bevor ich zusammen mit der Vertretung unserer Zivilverwaltung mit dem Anführer der dort stationierten Einheiten zusammentreffe.
 
Das Kommando bei diesem Unternehmen übertrage ich Stabsunteroffizier Hauser, der bereits bei vorangegangenen Einsätzen Weitsicht und einen kühlen Kopf bewiesen hat. Herr Stabsunteroffizier, würden Sie mir bitte Gesellschaft leisten und mit mir zusammen den morgigen Ablauf erklären?”
 
Zackig erhob sich der Unteroffizier aus seinem Stuhl und trat stolz nach vorne, wo er von Kraus entgegen den militärischen Gepflogenheiten mit Handschlag begrüßt wurde. An einer grob aufgelösten Karte und einem schemenhaften Umriss der JVA wurde das morgige Vorgehen besprochen. Die Abfahrt sollte um null sechshundert erfolgen, geschätzte Fahrzeit waren zwei Stunden. Nach Eintreffen um acht Uhr sollte erneut eine Stunde über Funk versucht werden, Kontakt mit den Insassen aufzunehmen, bevor wir uns in zwei Wagen auf den Marsch machen würden. Die Panzer würden uns noch bis auf zwei Kilometer vor das Tor begleiten und uns anschließend unserem Schicksal überlassen, wie der mit mir fahrende Martin Gmeinwieser treffend anmerkte.

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