Montag, 15. April 2013

Trash of the Dead - Trashfilmabend in München (Teil 2)


Fortsetzung zu Teil 1.

Andreas: Etwas besser wurde es mit Sador, der immerhin mit vergleichsweise guten Special Effects und vor allem richtigen Schauspielern aufwarten kann. Ob man allerdings John-Boy Walton tatsächlich in einem SciFi-Heuler sehen will, sei mal dezent dahin gestellt. Im Endeffekt bietet Sador quasi Die Sieben Samurai im Weltall mit handgemachten Raumschiffmodellen, die so halbwegs überzeugend durch das Weltall tuckern. Definitiv sehenswert ist „The flying Hodnsack“, das Raumschiff des Helden. Mehr dazu unten bei Khalil. Zumindest schaut das aber meist trotzdem besser aus als so halbgare Asylum-CGIs. In den besten Momenten schaut das sogar richtig gut aus. Und trotzdem wirkt in dem Film so viel gestümpert. Sinnlose Aktionen, ein gelangweilter Cast und Kostüme, die den tollen Raumschiffmodellen zuwider laufen. Ich nenn jetzt als Beispiel mal das aufgemalte Auge einer sich selbst klonenden Alienrasse. Dass die sich von der Farbe und dem aufgemalten Auge abgesehen überhaupt nicht ähnlich sehen - geschenkt. Dafür gibt's in Lack und Leder gepresste Titten. Passt.


Khalil: Bei Sador handelt es sich um eine Produktion aus der Roger Corman Schmiede, im Grunde um eine Mischung aus Seven Samurai & Star Wars - na, zumindest hatte John Saxon schon ziemliches Bösewichtpotential. Es gibt Einiges, was der Film im Gegensatz zu echten Heulern wie Endgame schon richtig macht, da wären zum Einen recht hübsche Raumschiffmodelle, sehr schicke Matte Paintings, für die Musik wurde James Horner, der ja inzwischen ziemlichen Bekanntheitsgrad hat, verpflichtet - auf der anderen Seite haben wir unfassbar schlecht inszenierte Raumschiffkämpfe, denen man anmerkt, dass die Kohle ausgegangen ist, die üblichen hölzernen Schauspieler, teils sehr fragwürdiges Außerirdischen-Design und einen unfassbar unsympathischen Hauptdarsteller - aber hey, dafür gab es Hannibal aus dem A-Team mal in einer echten Filmrolle und natürlich Sybil Danning, die eine Zier für jeden schlechten Film ist & an der sich der Kostümdesigner mal richtig austoben durfte und ihr neben diesem Kostüm noch ein schickes Lattex und Leder Outfit zusammenbasteln durfte:


Mit ihren zwei schlagenden Argumenten hatte die Dame bei uns schon gewonnen.

Ach, und hier mal ein Gruppengemälde der gesamten "glorreichen Sieben":


Ein Spaß jedenfalls, auch wenn der Streifen etwas gebraucht hat, um in Fahrt zu kommen.

Ach, für Diskussionen hat noch das Raumschiffdesign des Hauptdarstellers gesorgt, wo Andreas fliegende Hoden gekreuzt mit einer Gebärmutter zu erkennen glaubte, bin ich mir sehr sicher, dass es eher wie eine Sphinx mit Brüsten aussah:

The Flying Hodnsack
Andreas: The Toxic Avenger hat da ein ganz anderes Problem. Um den Film auf Spielfilmlänge zu trimmen, werden immer wieder Szenen mehrfach verwendet. Das macht das Machwerk in der zweiten Hälfte leider etwas zur Qual, bzw. ziehen sich speziell die letzten 20 Minuten recht unschön. Bis dahin gibt es Ekeleffekte, eine Handlung ala Die Schöne und das Biest und eine Abrechnung des Mutanten im Tütü mit all dem Abschaum, den die Stadt Troma City so hervorbringt. Apropos Troma City: die wechselt immer wieder ihre Dimensionen, so wie es die Handlung grade braucht, oder der Drehort das bestimmt. Kleinstadt, Großstadt, Metropole... Je nachdem wo man gefilmt hat, ändern sich die Rahmenbedingungen. Immerhin hat das Budget am Ende noch für zwei Panzer und eine erkleckliche Anzahl von Statisten gereicht. Dass für die Auffahrt des Militärs zwei verschiedene Aufnahmen wirklich dilletantisch zusammen geschnitten wurden, ist dann auch nur noch Nebensache.


Khalil: Bei dem Film handelt es sich um die Kategorie "ganz ganz bewusster Trash" aus dem Hause Troma, der zu den vermutlich bekanntesten Trashfilmen gehören dürfte. Atomic Hero aka Toxic Avenger, den Andreas nicht gekannt hat, ist eine Lücke, die es also zu stopfen galt, da der Streifen zudem auf Filmemacher wie Miike oder Peter Jackson wohl lt. eigenen Aussagen einen Einfluss hatte.

Jedenfalls, im Vergleich zu anderen bewussten Trashfilmen (Asylum, ich schaue zu dir) macht der Streifen verdammt viel richtig, um für gute Laune zu sorgen - ein Typocasting vom Feinsten, ob jetzt der Polizeichef mit Faschoallüren, die blinde Freundin vom Atomic Hero, die mehr mit Körperreizen als mit schauspielerischem Talent glänzt. 80er Jahre Fitness Bullies (generell, das Health, bzw. die Szenen darin gehören mit zu den besten Szenen), herrlich politisch unkorrekte Darsteller von Schwulen und mein Favorit, der fette Bürgermeister, der weiß, wie es sich zu leben hat & eigentlich immer irgendwelche Mädels am Start hat, die ihn versorgen.  Man fragt sich generell, wo Troma die Darsteller herbekommen hat. Solche durchen Gestalten trifft man bestenfalls wohl auf der Kirmes.

Hier mal ein Gruppenbild vom Bürgermeister, dem Polizeichef und anderen finsteren Gestalten:


Dazu kommt ein wirklich sehr lockerer 80er Jahre Soundtrack, Goreszenen und jede Menge Tabubrüche, oder zumindest der Versuch davon und natürlich so ziemlich alles, was man mit einer Kamera bewaffnet falsch machen kann - Anschlussfehler, eine Stadt, die in der Grösse nach Belieben variiert usw.

Und obwohl Andreas vollkommen Recht hat, dass sich die letzte halbe Stunde leider sehr streckt, versteht man schon, wieso der Streifen in Filmkreisen einen gewissen Kultstatus hat.

Für Troma war es wohl der One in a Million Hit, der nicht nur drei wirklich grottenschlechte Fortsetzungen nach sich zog. Toxie, wie ihn die Fans liebevoll nannten, bekam ein eigenes Comic, eine Videospielverwurstung und eine Zeichentrickserie - und Troma hat mit keinem seiner Streifen jemals wieder so einen Erfolg geschafft.

Andreas: Zu einer exklusiven Veranstaltung wurde dann noch Warnzeichen Gen-Killer. Der bildete den krönenden Abschluss eines grandiosen Abends. In dem Film geht es um den Ausbruch eines Virus in einer unterirdischen Forschungseinrichtung, die die Infizierten zu blindwütigen Killern macht. Im Gegensatz zu entsprechenden Zombie-Varianten behalten sie hier allerdings ihre Fähigkeit zu kommunizieren und wirken noch halbwegs intelligent. Wobei der Film für einen Trashfilmabend schon fast zu gut war. Die Handlung war nur ganz wenig hanebüchen, der Labortrakt bestand zwar nur aus vier gefühlten Sets und war zudem kaum logisch nachvollziehbar aufgebaut, aber immerhin war das alles irgendwie solide. So solide, dass ich hin und wieder weggenickt bin. Aber es war schon spät und der Rest der illustren Runde schon auf dem Heimweg. Auf den hab ich mich dann anschließend auch gemacht. 


Khalil: Nachdem sich der Rest der Bande gegen 3.30 verabschiedet hatte, haben Andreas und ich dann noch einen Absackerfilm goutiert, der eigentlich "zu gut" für den Abend war, aber hey, eine Seuche, die Menschen zu Amokläufern mutieren lässt, Fastzombies sozusagen, damit kann man bei Andreas nichts falsch machen, zudem gibt es den Film meines Wissens in Deutsch nirgendwo käuflich zu erwerben.

Warnzeichen Gen-Killer ist entgegen meiner Vermutung, kein Direkt to Video Streifen, sondern tatsächlich eine Kinoproduktion, auch wenn man ihm anmerkt, dass nicht viel Kohle am Start war. Eine eigentlich solide Produktion, aber als Absacker und Einschlafhilfe sehr geeignet, sowohl Andreas als auch ich sind wohl mehrfach weggenickt. Und das, obwohl der Film teils mit recht bekannten Nasen besetzt war, der Herr hier dürfte ja dem ein oder anderen bekannt sein:


Alles in allem ein toller Abend mit akuter Wiederholungsgefahr und eine tolle Vorbereitung für das B-Film-Basterds-Festival in Nürnberg.

Kommentare:

  1. Och nööö ;-(

    Nun habe ich mir extra den Update Scanner installiert, um keine Folge zu verpassen und jetzt stehen wir Leser im Trocknen ;-)

    Ich zitiere mal aus dem Beitrag vom 15.1.12: "192 Seiten, rund 84.000 Wörter, 4 Kapitel".

    Die Wörter habe ich zwar nicht gezählt, aber wo ist Kapitel 4 ?
    Ich hoffe doch nicht, dass damit der "riesige" Prolog gemeint war.

    Ich und - ich bin sicher - noch viele andere warten gespannt auf das Ende der Story um die "Teufelsmusik". Bitte bitte mach weiter !!!

    AntwortenLöschen
  2. Ja, gut, ok, überredet. Kapitel 4 folgt die Tage. Und ist der Prolog echt zu lang? Oder hab ich das nur zu lang ausgewalzt? Die Absicht dahinter war ja, dass sich das quasi langsam steigert und über den zweiten Blog eine Art Immersion erzeugt wird. Eine zugegeben recht primitive Art von Immersion, aber mei...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nee, nee, der Prolog war schon "saucool". Das Ganze hatte so etwas von Orson Welles "Krieg der Welten" auf höherem Niveau und man konnte beim täglichen Lesen so schön darüber grübeln, ob es nun wahr ist oder nicht. Da muss man erst mal drauf kommen! - Mach weiter.

      So, genug Honig verkleckert. jetzt geht's wieder an die Arbeit.

      Löschen
    2. Honig tut gut. :) Ab heute geht's weiter.

      Löschen