Montag, 6. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 10

Langsam nahmen unsere Kameraden an Fahrt auf und auch ich betätigte sanft das Gaspedal, um ihnen in gebührendem Abstand zu folgen. Nur wenig über Schrittgeschwindigkeit näherten wir uns dem Gemäuer. Die ersten Leichen blockierten unseren Weg und ich aktivierte die Differentialsperre, um problemlos über die gefrorenen Körper hinweg rumpeln zu können. Ein knirschendes Geräusch begleitete unseren Versuch, die erste Leiche zu erklimmen. Mit einem Ruck, sanken wir wieder ein und im nächsten Moment holperten wir mit den hinteren Rädern über die nieder gedrückten Überreste.
 
Schwer zu sagen, wie lang der Kadaver hier schon lag, aber vom Zustand her musste es schon vor dem Kälteeinbruch gewesen sein. Die nächsten Körper lagen im Weg und wie zuvor rumpelten wir ohne moralische Bedenken über sie hinweg. Der Wagen vor uns hatte bereits einen größeren Haufen erreicht und kämpfte sich nach oben. Die Hinterreifen zerfetzten gefrorenes Gewebe und schleuderten es nach hinten, ganze Körper wurden nach unten gerollt und kamen vor uns wieder zur Ruhe. Aber nur so lange, bis auch unsere Reifen durch ihre Körper fraßen und wir ohne Rücksicht durch ihre toten Reihen preschten.
 
Das, was wir da mit unseren Fahrzeugen veranstalteten, war auf den Punkt gebracht eine riesige Sauerei. Die aufgerissenen Körper verströmten trotz der eisigen Temperaturen einen mehr als unangenehmen Gestank, bei dem mir die Erzählungen von Karl-Heinz wieder in den Sinn kamen. Der frei getretene Verwesungsgeruch war mit dem Gestank nach Exkrementen durchsetzt, die den Verwesungsvorgang die letzten Wochen noch verstärkt hatten. Obwohl der Motor gerade begonnen hatte, warme Luft in das Fahrzeug zu pumpen, entschloss ich mich aus dem Grund die Lüftung wieder abzudrehen. Natürlich krochen die von uns freigesetzten Gase auch anderweitig ins Innere. Wenn es jemals einen Moment gab, in dem ich das notdürftige Verdeck des Wolfs gehasst hatte, dann in diesem Moment.
 
Weil wir uns mittlerweile hinter dem anderen Fahrzeug eingereiht hatten, war es nicht mehr nur der Gestank, der uns zu schaffen machte, Die schonungslos durch die nur oberflächlich gefrorenen Körper ackernden Reifen rissen Fetzen heraus und schleuderten sie auf die Frontscheibe. Während das meiste durch den Fahrtwind fortgetragen wurde, klatschten größere Teile mit dumpfem Knall dagegen und mehr als einmal befürchtete ich, dass das nächste Teil bei uns im Innenraum liegen würde. Zum Glück behielt ich in der Angelegenheit Unrecht und die Scheibe blieb unbeschädigt. Wär auch schade gewesen, um das gute Trum.
 
Endlich erreichten wir die geräumte Trasse. Nur vereinzelt lagen hier noch Leichenteile, dafür war der Boden in roter Farbe geradezu ertränkt. Die neben der Trasse liegenden Überreste sahen übel zugerichtet aus, so als seien sie achtlos zur Seite geschoben worden. Ohne die Hindernisse konnten wir immerhin die Fahrt bequemer fortsetzen und ich entfernte den Allradantrieb wieder, womit wir nur noch über die Hinterräder angetrieben wurden.

Kommentare:

  1. Tausend Dank für die lang erwartete Fortsetzung. Bin gespannt, wie es noch weiter geht.
    Bist Du eigentlich schon weiter mit dem Titel ?

    Wenn nicht, warum nennst Du das Ganze nicht einfach "Satanic Whisper" ?

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  2. Nö, noch nicht. Irgendwie hat's noch bei keinem so richtig *klick* gemacht. "Untot" war ja damals auch eher eine aus der Not heraus geborene Lösung. Wenn ich da an so manch dumme Idee zurück denke... "Train of the Dead" war da noch eine der besseren. :)

    Vielleicht Satanische Verse - ein gewisser Salman Rushdie hat mit dem Titel ja in den 80ern gut abgesahnt.

    Ich könnt das dann ja "Die satanische Ferse" oder so nennen (ja, das ist aus MAD geklaut - damals in den 80ern war MAD noch richtig gut). :)

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