Donnerstag, 9. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 13

Der Fahrer des anderen Wagens, Sebastian Keller, wie gesagt ein ekelhafter Schleimer, hob die Hand an den Mund und schrie aus vollem Hals:
 
“HEY!”
 
Schon mal kein schlechter Einstand.
 
“HEY! Ist da jemand? Hört uns da drin jemand?”
 
Er wurde immer besser.
 
“Wir möchten mit eurem Anführer sprechen.”
 
Wahrscheinlich möchte er mit Glasperlen handeln.
 
“HEY! Ich weiß, dass da jemand ist.”
 
Seine Selbstsicherheit möchte ich haben.
 
“Verdammte Scheiße, öffnet endlich dieses verdammte Tor, oder ich tret es höchstpersönlich ein.”
 
Ich stellte mir Keller gerade mit Schuhgröße 4000 vor, wie er mit einem beherzten Tritt die massiven Eisentore beiseitetrat, als neben mir der Gmeinwieser seinem Spitznamen erneut alle Ehre machte.
 
“Fuck, fuck, fuck, fuck!”
 
Seine Narbe trat aus seiner Stirn hervor und zeichnete sich hell auf seinem noch immer, oder schon wieder krebsroten Kopf ab. Er sah aus, als wäre ihm ein Schildhäuser begegnet und ich begann die Narbe richtig gehend ins Herz zu schließen.
 
“Fuck, Alter, da ist einer. Da oben.”
 
Ich folgte seinem Blick und dem ausgestreckten Finger und tatsächlich hatte sich ein Mensch auf der Mauer postiert. Ein mit einem schweren Sturmgewehr bewaffneter Mann, dessen Lauf direkt auf uns zielte. Daneben noch eine Bewegung und noch eine und kurz darauf waren vier Gewehrläufe auf uns gerichtet. Die Uniformen kamen mir in ihrem modischen schwarz seltsam vertraut vor und ich erinnerte mich an unsere Retter von der Essenausgabe, die skrupellos Männer, Frauen und Kinder niedermähten, um ihren Kopf zu retten. Hierhin hatten sich die Helden also zurück gezogen. Schön.
 
Ein fünfter Mann kam auf die Mauer und erfreulicherweise war der nicht bewaffnet. Musste er ja auch nicht sein. Jede falsche Bewegung hätte uns wahrscheinlich trotzdem unweigerlich ins Grab befördert. Mit seinen bewaffneten Freunden kompensierte er wahrscheinlich seine nicht gerade stattliche Größe.
 
“Wer seid ihr?”, kam kurz und knapp von oben herab.
 
“Überlebende. Wer seid ihr?”, entgegnete Sebastian und ich wusste noch bevor die Bestätigung von oben kam, dass wir darauf mit Sicherheit keine befriedigende Antwort erhalten würden.
 
“Wir sind nicht berechtigt, Ihnen darüber Auskunft zu geben. Wir möchten Sie aber informieren, dass sich Eigentum des Bundes in Ihrem Besitz befindet. Als der Armee vorstehende Organisation untersteht uns natürlich auch jegliches Armeematerial und damit auch Ihre Fahrzeuge. Wir ersuchen Sie deshalb freundlich, aber mit Nachdruck die Fahrzeuge zu verlassen und sich von ihnen zu entfernen. Danach werden ihre Freunde ihre gepanzerten Fahrzeuge dort auf dem Hügel ebenfalls übergeben.”

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