Sonntag, 12. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 16

Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte ich mich von ihm ab, startete den Motor und rollte langsam hinein. Der sicher immer noch gekränkte und geschasste Verhandlungsführer folgte uns unauffällig. Hinter dem Tor befand sich ein weiteres Tor, das uns am Weiterfahren hinderte. Links von uns war ein kleines Gebäude. Hinter wahrscheinlich schusssicherem Glas saßen zwei Schwarzhemden und beobachteten uns.
 
Als wir weit genug vorgerollt waren, schlossen sich die Tore hinter uns wieder. Egal was jetzt passierte, jetzt waren wir dem guten Willen unserer Gastgeber ausgeliefert. Einer der Wächter gab mir ein Signal den Wagen zu verlassen und gehorsam befolgte ich seine Anweisungen. Über eine Gegensprechanlage wurde mir mitgeteilt, dass auch meine Begleiter die Wagen verlassen und zu Fuß weiter zu einer kleinen an der Seite eingelassenen Tür weiter gehen sollten. Gehorsam ging ich zurück, nahm mein Gepäck auf und forderte meine Kameraden auf das Gleiche zu tun.
 
Martin machte weniger Probleme, auch wenn er immer noch nichts verstand. Sebastian dagegen durchbohrte mich mit seinen Blicken und der Abdruck meiner Hand auf seiner Wange leuchtete weiter. Fast tat es mir leid, dass ich fester zugeschlagen hatte, als eigentlich nötig gewesen wäre. Andererseits tat es richtig gut, dem neunmalklugen Klugscheißer die Leviten zu lesen. Das war definitiv eine Seite an mir, die ich bislang nicht kannte. Weil er noch immer keine Anstalten machte, den Wagen zu verlassen, ging ich zu ihm hinüber und riss seine Tür auf.
 
„Wärt ihr bitte so freundlich, uns Gesellschaft zu leisten?“, flötete ich übertrieben höflich in den Wagen und grinste so falsch in den Wagen hinein, dass ich mit der Grimasse jeden Spiegel in die Knie gezwungen hätte.
 
Entweder konnte oder wollte er meine freundliche Geste nicht erwidern, aber sein Gesichtsausdruck löste sich einfach nicht aus der verbittert wirkenden Starre. Mit bedrohlichem Unterton flüsterte er mir zu: „Mach sowas nie wieder. Hast du gehört? Mach so eine Scheiße nie wieder, oder du bist tot.“
 
Danach stieg er aus, und sein Beifahrer tat es ihm gleich. Auch wenn ich es nur vermuten kann, aber ich bin mir sicher, dass ihn Keller ordentlich untergebuttert hatte. Der traut sich erst was zu sagen, wenn unser Klugscheißer nicht mehr in der Nähe ist. Mir war das egal. Wie in einem Staatsstreich hatte ich die Kontrolle an mich gerissen und musste die Rolle jetzt auch ausfüllen. Also ging ich voran auf die Türe zu und vertraute darauf, dass mein Stellvertreter und die anderen mir folgten.
 
Dann sah ich auch schon Zwerg Nase heraneilen. Seine kurzen Stummelfüße fegten über den gefrorenen Boden und mehr als einmal drohte er auf einer Eisfläche die Kontrolle zu verlieren. Wären von dem Gnom nicht unsere Leben abgehangen, hätte ich laut losgelacht. So aber versuchte ich meine ernste Miene beizubehalten und stand mit hinter dem Rücken verschränkten Armen geduldig weiter an der verschlossenen Tür. Halb gelangweilt nahm ich zur Kenntnis, wie er einem der Wächter zu verstehen gab, dass sie die Tür entriegeln sollten, was mit einem klackenden Geräusch geschah.

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