Montag, 13. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 17

Obwohl wir eigentlich Winterausrüstung trugen, zog langsam die Kälte durch die Jacke. So richtig warm war’s im Auto zuletzt ja auch nicht gewesen. Trotzdem wartete ich weiter ruhig und sah weiter mehr oder weniger gelangweilt in die Richtung unseres vermeintlichen Gönners. Aus der Nähe war er noch unansehnlicher als von einiger Entfernung. Sein Gesicht glich einer Kraterlandschaft. Knorpel verformten sein breiiges Gesicht und seine zusammen gewachsenen Augenbrauen verliehen seinem Äußeren noch den letzten Pfiff. Er war sicher sehr begehrt unter den weiblichen Überlebenden.
 
Die Augen von Rumpelstilzchen musterten mich ebenfalls abfällig. Überhaupt die Augen. Die passten so gar nicht zu dem behäbigen Äußeren dieser Witzfigur. Ruhelos irrten sie umher und glichen eher den Augen eines Raubtiers. Der Blick war stechend und unangenehm, so dass ich entgegen meines ursprünglichen Vorhabens schließlich den Blick abwenden musste, bevor er mich mit Haut und Haaren verspeist hätte. Nachdem das erste Duell zu meinen Ungunsten ausgegangen war, war er offenbar zufrieden, denn er zog die Tür auf und reichte mir tatsächlich die Hand.
 
„Wachkommandant Sackschneider. Herzlich willkommen. Darf ich Sie hereinbitten? Die Lagerleitung erwartet Sie bereits.“
 
Bei der Erwähnung seines Namens entfuhr mir ein kurzes prustendes Geräusch und nur weil ich mir auf die Zunge biss, konnte ich einen Lachanfall vermeiden. Verdammt, ich stand mit einem Fuß im Grab, und trotzdem konnte ich nur schwerlich an mich halten. Es war schwer abzuschätzen, wie er darauf reagiert hätte, wenn ich lautstark losgeprustet hätte, also versuchte ich meine Gedanken abzulenken und räusperte mich lautstark, bevor ich antwortete.
 
„Vielen Dank, Herr Wachkommandant. Ich bin Konrad Vilsmeier und spreche für unsere Gruppe.“
 
Dabei ergriff ich seine Hand und trug dabei unser nächstes Duell aus. Obwohl ich meine ganze Kraft in den Händedruck legte, kehrte sich das Kräfteverhältnis ganz schnell zu meinen Ungunsten. Trotz seiner Handschuhe fühlte sich seine Hand an wie ein Schraubstock, der drohte, meine Hand unter ihrem Druck zu zerquetschen. Kurz bevor ich mich von meinen Fingern verabschieden konnte, lockerte er den Griff und zog seine Hand mit einem feisten Grinsen zurück.
 
Der angegebene Name war natürlich falsch. Nichts lag mir ferner, als diesem Idioten meinen wahren Namen zu verraten. Für den Moment war es ein Informationsvorsprung für mich. Solange wir nicht wussten, was sie weiter mit uns vorhatten, war es zudem nur von Vorteil, dem vermeintlichen Gegner so wenige Informationen wie möglich zukommen zu lassen. Eine Einstellung, die die anderen offensichtlich nicht teilten, die sich dann auch mit ihren richtigen Namen vorstellten.

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