Freitag, 17. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 21

Ohne zu klopfen trat er ein, was so gar nicht zu seiner Haltung passen wollte. Gleich hinter der Tür führe ein geschmackloser roter Läufer von der Tür bis zu einem schweren Schreibtisch aus Eiche. Flankiert wurde der Weg dahin von einigen leeren Stuhlreihen mit roter Lehne, die farblich wunderbar mit dem Läufer harmonierten. Auch der Kristalllüster vermochte den wunderbaren Eindruck des Raums nicht zu zerstören und fügte sich wunderbar in diese Kakophonie der Hölle eines blinden Innenarchitekten.
 
Den vermeintlich geschmackssicheren Verbrecher an meinen Geschmacksnerven sah ich hinter dem Schreibtisch sitzen und es war Liebe auf den ersten Blick. Seine mit Gel zur Seite gekämmten Haare klebten dünn auf seiner Kopfhaut und versuchten die kahlen Stellen darauf zu verdecken. Ein dünner schwarzer Oberlippenbart verzierte das Gesicht und das breite Kinn stand provozierend hervor. Die Augen lagen tief in den Höhlen und starrten uns aufgeregt an, als wir den Raum betraten.
 
Als besonderes Accessoire hatte er seine schwarze Uniform wiederum äußerst geschmacksvoll mit einer roten Armbinde verziert. Obwohl der Raum außerordentlich gut geheizt wurde, steckten seine Finger in ebenfalls schwarzen Handschuhen. In der rechten Hand hielt er einen goldenen Füller und tat überrascht und beschäftigt, was sich natürlich nicht so recht mit seiner erwartungsvollen Haltung vertrug.
 
„Ah, guten Tag meine Herren.“, begrüßte er uns mit einer überraschend angenehmen Stimme. „Meine Männer haben mich über Ihr Kommen informiert. Treten Sie doch näher. Näher. Nicht so nahe. Danke. Willkommen in der ehemaligen JVA und jetzigen Einsatzbasis der neuen regulären Einsatzkräfte der Nation Deutschlands. Wie sie sehen, haben wir uns eine sichere Basis gegen die Eindringlinge geschaffen.“
 
„Bundesrepublik Deutschland“, verbesserte Sebastian unser Gegenüber, was unsere Leibwache zum Anlass nahm, ihm mit der Faust einen Schlag in seine Nieren zu verpassen, was ihn unweigerlich zu Boden rang. Zuerst ging er nur auf die Knie, überlegte es sich dann aber doch anders und kippte zur Seite um. Dort blieb er liegen und  krümmte sich vor Schmerzen.
 
„Also wie gesagt, Nation Deutschlands. Man hat mir berichtet, dass Sie neben Kraftfahrzeugen auch über gepanzerte Fahrzeuge und Vorräte verfügen.“, setzte der Führer fort, was ich mit einem knappen Nicken quittierte. Unseren am Boden liegenden Schwätzer vor Augen beschloss ich, jedes überflüssige Wort tunlichst zu vermeiden.
 
„Sehr schön. Natürlich werden wir ab sofort zusammenarbeiten, was damit beginnt, dass Sie Ihre Vorräte und Ihren Fuhrpark hierher überstellen werden, Herr, Herr, mit wem habe ich doch gleich das Vergnügen?“
„Vilsmeier, Konrad Vilsmeier“, log ich erneut und war jetzt ganz glücklich darüber. Wer will schon von einem Psychopathen beim Vornamen gerufen werden?

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