Sonntag, 19. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 23

Tatsächlich fand mein neuer Freund Schrank, den ich frei nach einer schwedischen Möbelkette Trollster taufte, dann auch noch das Funkgerät und starrte es an wie einen Gegenstand aus einer anderen Welt. Sein Gesichtsausdruck erinnerte mich an Affen, die mit ihnen fremden Gegenständen spielten und im speziellen an den von Gorillas. Mit Sicherheit auch ein arischer Übermensch, dachte ich mir just, während er das Funkgerät schüttelte, als würde es so seine Geheimnisse preisgeben.
  
Das tat es natürlich nicht, und so reichte er es an mich weiter. Trollsters kleine Schweinsäuglein waren eng zusammen gedrückt und fixierten mich starr. Es war nicht leicht, aber ich versuchte davon unbeeindruckt zu bleiben, als ich das Gerät an mich nahm. Sogar ein kleines Lächeln versuchte ich und hauchte ein leises, aber deutlich hörbares „Danke“ in seine Richtung. Auch in Krisenzeiten ist es wichtig, allgemein gültige Benimmregeln im Umgang mit Affen nicht zu vernachlässigen. 
 
Natürlich kam statt einer Antwort nur ein hohles Grunzen, das mit viel gutem Willen als „Bitte“ interpretiert werden könnte, viel wahrscheinlicher aber „Wichser“, oder etwas ähnlich Zuvorkommendes. Ich tröstete mich damit, dass sein Penis im erigierten Zustand mit Sicherheit die Größe meines Daumens kaum überragt hätte. Dass ich relativ kleine Finger hab, hab ich glaub ich noch nicht erwähnt, oder?  
 
Mit dem Funkgerät in der Hand drehte ich mich wieder zu Erwin, dessen Augen bereits unangenehm ungeduldig funkelten. Jetzt saß ich in der Zwickmühle. Natürlich hätten die keinen Finger gerührt, um uns hier raus zu bekommen und genauso natürlich hätte kein Gramm unserer Ausrüstung ihren Weg hierher gefunden. Noch viel schlimmer konnte bei dem Funkgespräch meine kleine Notlüge auffliegen und ich als der Niemand enttarnt werden, der ich war. Im besten Fall wären wir nackt vor das Tor geschickt worden, den schlimmsten Fall wollte ich mir lieber nicht ausmalen.
 
 „Hallo? Ist da jemand? Hier ist Konrad Vilsmeier. Hallo?“
  
Nichts. Hätte ich doch bei der Funkeinweisung besser aufpassen sollen.
  
„Hallo, hallo. Panzerbesatzung. Hier ist Vilsmeier. Bitte kommen.“
  
Das musste doch eigentlich klappen, aber noch immer keine Reaktion. Knopf drücken, reinreden. Mehr war das doch nicht.
  
„Äh, hallo. Bitte kommen. Äh. Over.“ 
 
Irgendetwas musste ich falsch machen, denn statt einer Antwort kam wieder gar nichts aus dem Funkgerät. Nicht einmal statisches Rauschen drang aus dem Gerät. Jetzt war ich auch etwas ratlos und sah wahrscheinlich so ähnlich aus, wie Schrank, der mich noch immer aus seinen Schweinsäuglein beobachtete. Enttäuscht ließ ich die Hand mit dem Funkgerät sinken, als es plötzlich doch zum Leben erwachte.
  
„Wir hören Sie. Bitte lassen Sie das nächste Mal die Sprechtaste los, nachdem Sie fertig sind und beenden Sie das Gespräch mit ‚over‘. Over.“
  
„Äh, ja, hallo, die Taste hat wohl geklemmt. Hier ist Konrad Vilsmeier. Wir wurden hier von Einheiten der Schwarzhemden nett in Empfang genommen und werden die nächsten Tage hier ihre Gastfreundschaft genießen. Bitte trefft in der Zwischenzeit entsprechende Vorbereitungen, alle Vorräte und Fahrzeuge hierher zu verlegen. Bitte… äh, over.“ 
 
„Bitte wiederholen. Over.“

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