Montag, 20. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 24

Erneut wiederholte ich meine vermeintlichen Befehle und betonte noch stärker die Gastfreundschaft der hier stationierten Schwarzhemden. Dieses Mal schienen sie zu verstehen.
 
„Verstanden. Wir kehren zur Basis zurück und …“

Hier zögerten sie einen Moment.
 
„und geben Ihre Befehle weiter. Over and out.“
 
Zufrieden und von oben bis unten durchgeschwitzt reichte ich King Kong das Funkgerät zurück, der es mit einem erneut kaum zu identifizierendem Grunzen annahm. Ein wirklich unangenehmer Kerl, der für meinen Aufenthalt hier nichts Gutes verhieß.
 
El Kommandante war aber offensichtlich zufrieden. „Sehr schön. Allerdings möchte ich nicht missverstanden werden. Natürlich sind Sie unsere Gäste, aber mit engen Regeln. Eine davon lautet, mir in Zukunft nicht mehr zu widersprechen. Habe ich mich klar ausgedrückt?“
 
Daran bestand kein Zweifel und ich weiß auch nicht, ob meine Begleiter das ebenso verstanden hatten, oder ob Roggel nur ein Exempel statuieren wollte, aber eher beiläufig gab er dem Enterich einen Wink, woraufhin der seine Waffe zog, schnurstracks auf Kellers Beifahrer zuging und ihm aus einem Meter Entfernung in den Kopf schoss. Einfach so.  
 
Wirklich kaltblütig und ohne mit einer Wimper zu zucken, drückte er den Abzug durch und der Hall des Schusses ging durch den kleinen Raum und ließen meine Ohren unangenehm klingeln Noch unangenehmer war es freilich für unseren Finanzbuchhalter. Von der Aktion so überrascht, dass er nur noch die Augen aufreißen konnte, stand er da und im nächsten Moment flog ihm der Hinterkopf weg. Sprichwörtlich. Sein Hinterkopf schien förmlich zu explodieren. Blut, Gehirnmasse und Knochenteile fegten in alle Richtungen auseinander und benetzten den schräg hinter ihm stehenden Gorilla. Eher unbeeindruckt wischte der sich den Scheiß mit dem Ärmel aus dem Gesicht und soll mich der Teufel holen, wenn ich mich irre, aber ich bin mir sicher, dass er sich dabei ein Stück in den Mund gesteckt hatte.
 
Obwohl Sackschneider noch immer mit gezogener Waffe dastand, sprang Keller plötzlich auf und schnellte in seine Richtung. Nicht nur ich war von der plötzlichen Aktion überrascht worden. Eigentlich dachte ich, dass er genug hatte und die beiden Schläge ausgereicht hatten, seinen Widerstand mehr als zu brechen. Der hinter ihm stehende Muskelberg versuchte noch nach ihm zu greifen, fasste aber ins Leere. Nur drei Meter trennten ihn von dem Mörder. Doch allen meinen Vorurteilen zum Trotz bewies das Schwarzhemd überdurchschnittliche Reflexe und wich der plumpen Attacke elegant aus. Mit einem Rückfallschritt brachte er sich schnell aus der Gefahrenzone, schlug dem vorbeistolpernden Keller mit der Waffe zwischen die Schulterblätter, was ihn wiederholt zu Boden warf. Gleichzeitig legte sich eine schwere Hand auf meine Schulter, die jeden Versuch Sebastian zur Hilfe zu eilen gewaltsam unterdrückte.

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