Freitag, 24. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 28

Die Batterien waren noch gut und schon bald ertönte statisches Rauschen im Raum. Auf der Suche nach einem Sender glitt ich förmlich durch die Frequenzen. Tatsächlich fand ich den französischen Sender, und noch immer tönte die inzwischen vertraute Stimme über den Äther. Kraftlos war sie geworden und doch war es gut, eine Stimme zu hören. Stundenlang lag ich dann so auf dem Bett und hörte einer Stimme zu, deren Sinn ich nicht verstand. Langsam machte sich Hunger bemerkbar und ich rätselte, wie es hier mit der Bewirtung aussah. Immerhin hatte man mich meiner Vorräte beraubt und die propagierte Gastfreundschaft verlangte auch nach einem anständigen Mahl. Gut, das mit der Gastfreundschaft war wahrscheinlich nur so daher gesagt. Unser ehemaliger Finanzbuchhalter hätte mir da wahrscheinlich nicht widersprochen, wär er dazu noch in der Lage gewesen. .
 
Als die Sonne langsam untergegangen war, sprang ein rotes Licht an, das den Raum in provisorisches Licht hüllte. Immerhin fiel der Raum nicht komplett in Dunkelheit. Geräusche von draußen ließen mich aufhorchen und als eine Klappe an der Tür geöffnet wurde, sprang ich auf und spähte zur Tür vor. Eine Packung Notration flog durch die Öffnung, welche sogleich wieder zugezogen wurde.
 
„Teils dir auf, normalerweise steht dir erst Morgen eine Ration zu“, ertönte es von draußen und soll mich der Teufel holen, wenn das nicht Hermanns Stimme war.
 
„Danke“, rief ich und erntete dafür nur ein „Ach, leck mich am Arsch.“
 
Gut, mit den Umgangsformen hatte er es am Arbeitsmarkt wahrscheinlich nicht so einfach gehabt, aber es zählte schließlich die Tat. Also stürzte ich mich gierig auf die Notration und blätterte die steinharten Kekse aus ihrer Verpackung und öffnete mir dazu eine leckere Dose mit Corned Beef. Das Schöne an dem Zeug war ja, dass es so beschissen schmeckte, wie es aussah. Etwas zermahlenes und zusammengepresstes Fleisch mit Glibber lachten mir entgegen. In meiner jetzigen Situation konnte ich aber natürlich wenig wählerisch sein und schlang das Zeug hinunter. Wahrscheinlich war Hermann froh, das Zeug nicht selber fressen zu müssen. Mit Wasser aus dem Spülbecken spülte ich nach und mit gefülltem Magen sah die Welt schon wieder anders aus. Grübelnd lag ich mich auf das Bett, überdachte meine Situation, wollte mir aber nicht ausmalen, was passieren würde, sobald sie die Wahrheit herausgefunden hatten.

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