Mittwoch, 29. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 33

Das würde mir leid tun, weil ich Sie in dem Fall auf der Stelle töten würde. Im anderen Fall waren unsere tierischen Freunde schneller und haben Ihren Unterschlupf ausfindig gemacht. Da Sie uns noch wenig über ihren Unterschlupf erzählt haben, können wir natürlich nicht beurteilen, inwiefern das den Tatsachen entspricht, möchten es aber gerne herausfinden. Als nächstes soll ein Spähtrupp das Lager ausfindig machen und gleich wie viel Wahres Ihre Geschichte enthielt, die nächsten Schritte einleiten. Sie haben doch nicht gelogen, oder?“
 
Mein Hals war trocken und statt einer Antwort schüttelte ich nur meinen Kopf.
 
„Sehr gut, das dachte ich mir schon. Also unterhalten wir uns jetzt über die Lage Ihres Unterschlupfs. In den Funksprüchen wurde immer ein Rendezvouspunkt 20 Kilometer nördlich von hier angegeben, also würde ich daraus schließen, dass sich auch ihr Stützpunkt nördlich von hier befindet. Liege ich damit ungefähr richtig?“
 
Statt einer Antwort kam nur Schweigen über meine Lippen. Zu meiner Überraschung verärgerte ihn mein Schweigen keineswegs.
 
„Ich dachte mir schon, dass Sie nicht so ohne Weiteres kooperieren würden.“
 
Seine Hand wanderte zum Telefon und griff den Hörer.
 
„Anabela, bittest du bitte unsere anderen Gäste herein? Dankeschön“, flötete er übertrieben höflich in den Hörer, als wäre er Gastgeber einer exquisiten Gesellschaft.
 
Die Türen schwangen auf und herein kamen Martin und Sebastian. Letzterer sah übel zugerichtet aus. Auch nach einer Woche waren viele der Schwellungen noch nicht abgeklungen und ließen mich darüber schaudern, wie er kurz nach den Schlägen ausgesehen hatte. Wie ich wurden sie auf einen Stuhl gesetzt und zur Lage unseres Bunkers befragt und wie ich, blieben sie eine Antwort schuldig.
 
Fast schon unauffällig löste sich derweil Eddie Erpel von der Seite seines Führers und wanderte durch den Raum hinter uns. Aus den Augenwinkeln sah ich Martin, der definitiv schon bessere Tage hinter sich hatte. War er auch nicht so übel zugerichtet wie Sebastian, so war er doch gezeichnet von einer Woche Isolationshaft. Fast wirkte er so, als würde ihn der direkte Kontakt zu Menschen überfordern, so ruhelos wie seine Augen in seinen Augenhöhlen herumwanderten. Da fehlte nicht mehr viel.  
 
„Tja, das tut mir jetzt ehrlich gesagt leid“, setzte Roggel wieder ein. „Nachdem wir mittlerweile so gute Freunde geworden sind, dachte ich, wir könnten die Situation auch so bereinigen. Meine Putzfrau wird auch nicht begeistert sein, die war das letzte Mal schon entsetzt über die Sauerei. Hier ist die letzte Chance, sofern sie jemand ergreifen will. Die letzte Chance, heil aus der Sache rauszukommen. Dem, der mir die genaue Lage mitteilt, verspreche ich auch privilegierte Unterbringung und Verpflegung.

Was habt ihr schon groß zu verlieren? Glaubt ihr, die scheren sich da noch einen feuchten Kehricht um euch?“

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