Freitag, 31. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 35

Unbeeindruckt davon postierte sich Albert hinter unserem Scarface. Ein Grinsen umspielte seine Mundwinkel, während er seine Waffe zurücksteckte und den Kabelstrang wieder in die rechte Hand wechselte. Schweißperlen standen auf Gmeinwiesers Gesicht, sammelten sich in seiner Narbe und liefen an der Seite herab. Leise, ganz leise, wimmerte er kaum hörbar pausenlos ‚fucks‘ vor sich hin. Als ihn die Hand seines Peinigers berührte, zuckte er merklich zusammen und verstummte augenblicklich.
 
„Weißt du, die meisten denken, der erste Schlag ist der schlimmste“, durchbrach die brutale Sau plötzlich die seltsame Stille. „Ich sage dagegen, das stimmt nicht. Der erste Schlag tut höllisch weh, aber es wird immer schlimmer. Mit jedem Schlag steigert sich der Schmerz und irgendwann fühlt sich dein Körper an, als würde er nur noch aus Schmerz bestehen. Vielleicht fällst du mittendrin in Ohnmacht, so wie dein feiger Kamerad hier. Dann werden wir dich wieder aufwecken, damit du nichts von den Schmerzen verpasst. Wir sind vielleicht nicht besonders kreativ, was Folterungen angeht, aber bisher waren wir darin recht effektiv.
 
Ganz persönlich hoffe ich, dass du dein Maul hältst. Ich möchte dich zu Tode prügeln, ich möchte, dass du mich aus angst- und schmerzerfüllten Augen anstarrst und stumm darum bittest, dass ich deinem Leiden mit einer Kugel ein Ende bereite. Vielleicht tu ich dir dann den Gefallen, wenn du nicht mehr sprechen kannst, wenn sich deine von den gebrochenen Rippen aufgerissenen Lungen langsam mit Blut füllen und du auf dem Trockenen an deinem eigenen Blut ersäufst. Vielleicht genieße ich aber auch den Augenblick und beobachte deine hilflosen Versuche nach Luft zu schnappen, die deine Lungen ohnehin nicht mehr aufnehmen können. Es ist ein herrliches Schauspiel und auch dein Freund Konrad wird es genießen, nicht wahr? Sag, willst du noch einen letzten Wunsch äußern? Willst du uns noch etwas mitteilen, bevor wir beginnen?“
 
Mit jedem Wort wurden Antons Worte drohender und zugleich fordernder und nicht nur ich las aus Martins Gesicht, wie aus einem Buch. Jedes Wort zersetzte seine ohnehin schon brüchige Hülle weiter. Mittlerweile heulte er wie ein Kleinkind, Rotz und Wasser liefen an ihm herunter und so überraschte es mich kaum, dass er schließlich mit gebrochener Stimme seine Unterstützung versicherte. Ein Umstand, der Roggel ganz offensichtlich verzückte.
 
„Sehr gut. Wenigstens ein Mann mit einer Vision und Zielen im Leben. Roggel, bringen Sie den Mann in seine neue Unterkunft und bereden Sie mit ihm alles Weitere. Nehmen Sie sich Meier und Tusczynsy mit. Wegtreten und sagen Sie bitte Anabela draußen Bescheid, dass sie die Putzfrau und die Entsorgung verständigt. Danke.
 
Tja, Vilsmeier, was Sie betrifft bin ich ehrlich gesagt enttäuscht. Mittlerweile muss ich annehmen, dass Sie mich belogen haben. Sie werden bis auf weiteres unsere Gastfreundschaft weiter in Anspruch nehmen und vielleicht werde ich mir noch was Schönes für Sie überlegen. Bis dahin bringt ihn zurück in sein Loch.“

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