Donnerstag, 2. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 6

Auf meinem Weg nach draußen traf ich Martin, der mir sogleich Gemeinschaft leistete.
 
“Bist du auch so gerädert?”, verwickelte er mich sogleich in ein Gespräch. “Ich glaube, die Belüftungsanlage will nicht mehr so recht und die Luft wird dünner. Vielleicht liegt es aber auch nur an diesem scheiß Ort. Fuck. Ich bin so froh, wieder an die frische Luft zu kommen. Hast du schon gehört, dass sie jetzt auch Unterstützer in die Wachbunker schicken wollen? Ja, klar, jetzt im Winter bei Minustemperaturen ist es den Herren Soldaten zu kalt draußen und jetzt dürfen auch wir ran. Du, einerseits bin ich ganz froh, mal rauszukommen, andererseits wird’s nach ein paar Stunden in der Kälte da draußen richtig ungemütlich. Leider haben wir vergessen, in die Dinger eine Heizung einzubauen. Hatte wohl beim Herrn Oberst keine Priorität. Fuck.”
 
Noch bevor ich etwas erwidern konnte, machte Scarface seinem Namen alle Ehre.
 
“Fuck, fuck, fuck, hast du dir gestern den Wetteraushang für heute durchgelesen? Die haben etwas von minus zehn Grad erzählt. Zum Glück stehen unsere Fahrzeuge in der Vorhalle, aber da vorn ist’s ja auch recht kühl geworden. Warst du die letzten Wochen mal vorn? Ja, klar, wegen dem Training, aber die blöden Kisten werden bei der Kälte auch nicht richtig warm, weil’s überall reinzieht. Fuck. Mann, hätten uns die Russen im Winter überfallen, hätten wir mit der Ausrüstung auch gleich kapitulieren können!”, fuhr er immer weiter fort.
 
Seinen Redeschwall unterbrach er nur kurz, als Hauser noch einmal kurz den Plan vorstellte. Panzer vorn, danach wir, hinter uns noch ein Personenkraftwagen und dahinter wieder ein Panzer zur Sicherung. Kaum hatten wir Platz genommen und die Tür hinter uns geschlossen, setzte er seine recht einseitige Unterhaltung fort:
 
“Und weißt du, warum sie das alles vor uns geheim halten? Weil sie uns nur so unter Kontrolle halten können, oder besser halten konnten. Mittlerweile gibt es ja niemand mehr, den man unter Kontrolle halten kann. Die ganze Welt ist vor die Hunde gegangen und ich bin mir sicher, dass wir das auch denen zu verdanken haben. Du kennst die doch? Nein, natürlich nicht. Die Schildhäuser, das sind die, die Fäden ziehen. Die kontrollieren doch Polizei, Militär und die ganze Politik. Es war doch scheiß egal, wenn man gewählt hat. Am Ende war’s doch wieder der gleiche Filz. Und weißt du warum? Genau, wegen den Schildhäusern. Die komischen Streifen von Flugzeugen, die uns als Kondensstreifen verkauft wurden. Jaja, genau. Fuck! Weißt du, den meisten konnte man so was erzählen und sie haben es geschluckt, aber nicht mit mir. Ich hab ihr Spiel durchschaut. Die ganze Medizin ist doch genau so ein Schwindel und das alles nur Diener eines korrupten Systems. Ein System, das Menschen Drogen ins Trinkwasser schmuggelt, um sie sich gefügig zu machen.”
 
So ging das weiter. Eine Stunde lang, ohne Punkt und Komma, schlug er mir alle Verschwörungstheorien der letzten Jahre um die Ohren, mitunter munter durcheinander gewürfelt und immer mit dem Hinweis auf die geheimnisvollen Staatenlenker der Schildhäuser. Mehr als ein gelegentliches “Naja” oder “Also weißt du, wenn man es genau nimmt” brachte ich nicht hervor und zur Kenntnis genommen wurde es ohnehin nicht. Auch wenn Gmeinwieser im Großen und Ganzen einen guten Eindruck machte, ging er mir mittlerweile gehörig auf den Sack und ich überlegte mir Stefan zu bitten, mir für die Rückfahrt einen neuen Beifahrer zuzuweisen. Immerhin verstand ich jetzt die Vorbehalte der Kameraden ihm gegenüber.

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