Freitag, 3. Mai 2013

Kapitel 4 - Teil 7

Tatsächlich schaffte ich es nach besagter Stunde, meine Aufmerksamkeit von Martins verbalem Müll wieder auf andere Dinge zu lenken. Obwohl der Wetterbericht nur aufgrund eines Hobby-Wetterfroschs mit Hilfe einer billigen Supermarktmessstation ausgeknobelt worden war, war es in der Tat eiskalt geworden. Ob es die prognostizierten Minustemperaturen gewesen waren, weiß ich nicht. Aber dicker Reif bedeckte Pflanzen und Bäume, auf Wasser bildete sich eine dünne Eisschicht und die Straße war zum Glück frei. Nur ein paar lose Blätter wurden von den vorher fahrenden Fahrzeugen aufgewirbelt und tanzten kurz in der Luft, bevor sie sich nach uns wieder auf den Boden legten.
 
Es sah wunderschön aus. Ohne Menschen lag die Natur komplett unberührt vor uns und wirkte so friedlich und harmonisch. Allein unsere Anwesenheit schien den Eindruck zu stören. Wie ein Fremdkörper brachen unsere Fahrzeuge die Stille und auch optisch wollten wir uns nicht in diese neue Welt einfügen. Vielleicht war diese neue Welt eine bessere ohne die Menschen darin. Vielleicht gab es wirklich eine höhere Gewalt, die die Fäden zog und unser Schicksal bestimmte. Mit Sicherheit keine Schildhäuser, aber etwas Höheres, das uns auf immer und ewig verborgen bleiben würde, weil wir wie ein trotziges Kind gegen das Unvermeidliche ankämpften.
 
So nach und nach hatte Martin sich den Anschlägen von New York angenähert, hinter denen natürlich auch die Schildhäuser steckten. CIA, FBI und Al Qaida wurden von der gleichen Organisation gelenkt, die anschließend die Spuren verwischte, um ihre Anteilnahme zu verbergen. Natürlich war es Unsinn, dass die US-Regierung unter dem Versager George W. Bush jr. hinter so einer Mammutleistung gesteckt hatte, merkte er lachend an. Da seien sie alle auf dem Holzweg. Nein, die Schildhäuser wären die, die alle in der Tasche hatten, die etwas zu sagen hatten in unserer Welt. Ich hörte wieder weg und achtete erneut auf die Umgebung.
 
Wir passierten Dörfer, Höfe und nicht gemähte Felder. Viele Bauern fielen ebenfalls den Liedern dieser geheimnisvollen CD zum Opfer und der Rest wurde von eben jenen dahin gerafft. So oder so waren sie nicht mehr in der Lage, die Felder zu ernten. Langsam würden die Ackerflächen verwildern und die Natur sich das zurück erobern, was wir Menschen ihr über die Jahrhunderte abgerungen hatten.
 
“Pestizide, dass ich nicht lache. Fuck them! So wurden doch neue Wirkstoffe durch eine gewissenlose Pharmaindustrie an jenen erprobt, die sich nicht wehren konnten, ich …”, schwallte es weiter von rechts und ich schaltete innerlich wieder auf Durchzug.

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