Montag, 10. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 44

„Weil ihr dabei wart, dort einzudringen, wo sie sich versammelt hatten. Noch tief war der Schmerz über die großen Verluste des ersten Tages. Auf der Rückfahrt wurdet ihr aber nicht weiter behelligt, nachdem ihr die Wehrlosen in ihren Behausungen verschont habt. Sie haben sich nur verteidigt. Hättet ihr die Ortschaft umfahren, kein Haar wäre euch gekrümmt worden.“
 
„Und was ist mit dem Angriff auf die Soldaten, die die Kinder aus dem Kindergarten befreit haben?“
 
„Es waren die Kinder derjenigen, die die Soldaten attackiert haben. Sie hatten Angst um ihre Brut. Auch wenn ihre Kinder noch nicht erleuchtet waren, so waren sie doch ihre Kinder“, erklärte der Bärtige weiter am Tisch sitzend in einem ruhigen Tonfall.
 
„Aber die Soldaten, die wir gerettet haben. Ihr habt Hunderte Zivilisten getötet. Kinder und Frauen, wehrlose Zivilisten.“
 
Seufzend fuhr er sich mit der linken Hand über sein behaartes Kinn. „Das war eine Überreaktion nach den Anschlägen am ersten Tag. Eigentlich unentschuldbar, aber nach den grausamen Angriffen eine Kurzschlussreaktion, die wir nicht stoppen konnten. Leider fanden solche Massaker auch andernorts statt und trafen nicht immer die, die sie treffen sollten. Nachdem der erste Schock überwunden war, folgte eine Phase der inneren Einkehr und alle Übergriffe wurden als unverhältnismäßig verurteilt. Alles was wir wollen, ist eine friedliche Koexistenz.“
 
Was tat ich hier eigentlich?
 
„Und dann zwingt ihr Menschen mit Gedankenkontrolle dazu ihre Kameraden zu töten?“
Der Übergewichtige übernahm wieder los zu poltern:
 
„Nicht wir haben getötet, die Menschen haben sich gegenseitig getötet. Ihr wurdet von dem Menschen getäuscht. Der Erschossene hat zugehört, so wie du jetzt zuhörst. Er ging zu seinen Kameraden, um ihnen von uns zu erzählen. Erst hat man ihn verspottet, ihn verletzt und verhöhnt. Nachdem die Vorräte zu Neige gingen, hat man ihn getötet. Das gleiche tat man mit dem, der ihm zur Seite stand. Sie beide wurden von ihren Kameraden kaltblütig ermordet und anschließend von ihnen verspeist. Das ist die Wahrheit, nicht diese kaltblütigen Lügen, die euch erzählt wurden.
 
Wir wollten sie bestrafen. Weil wir verhindern wollten, dass sie ungestraft andernorts das fortsetzen, was sie einst begannen. Sie gehörten zu denen, die uns am ersten Tag attackierten. Aus dem Grund fiel auch der Vergeltungsschlag so grausam aus. Sie waren Verbrecher und mussten bestraft werden. Habt ihr euch denn nie gewundert, warum ihr unbehelligt geblieben seid?“
 
„Und was ist mit dem Ort, an dem ich mich jetzt befinde? Tausende Leichen säumen die freien Flächen vor den Mauern. Wenn ihr Frieden wollt, warum greift ihr sie dann immerfort an?“, versuchte ich noch immer seine Behauptungen als Lügen darzustellen.

1 Kommentar:

  1. Na, das ist jetzt ja mal cool. ;-)

    Diese Wendung ist mal was neues. Schau'n wir mal, was daraus wird.

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