Mittwoch, 12. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 46

Obwohl ich ihm meine Frage fast wütend entgegen schleuderte, blieb der Bartträger weiterhin ruhig.
 
„Würde man in diesen mittelalterlichen Schubladen denken und nach religiösen Maßstäben wäre Teufel wohl die korrekte Anrede. Uns behagt diese religiöse Denkweise allerdings überhaupt nicht, setzt sie doch einen Gott voraus, der nicht existiert.“
 
Laut krachte die Faust des Übergewichtigen auf den Tisch.
 
„Das reicht jetzt. Geh jetzt hinaus und tue, worum wir dich gebeten haben. Sei unser Sprachrohr und verkünde die neue Ordnung für eine neue Zeitordnung der Toleranz und des friedlichen Miteinanders.“
 
Plötzlich verschwanden die Beiden und im gleichen Moment löste sich auch das Zimmer auf, das ganze Gebäude um mich herum verschwand, die Bäume, die Dunkelheit. Licht blendete mich und ließ mich blinzeln. Mit einer Hand schirmte ich meine Augen ab und sah mich vorsichtig um. Was ich sah, kam mir bekannt vor. Es war dieselbe Zelle, in der ich tags zuvor in meinen seltsamen Schlaf gefallen war. Noch immer steckte ich in der Kleidung, in der ich am Abend eingeschlafen war. Der Traum war so real, dass er nicht verblasste, sondern so gegenwärtig war, als hätte ich das Gespräch eben erst hier geführt. Selbst der Geruch des Pfeifentabaks war noch so wirklich, als hätte ich gerade erst den weißen Rauch eingeatmet und als ich ausatmete meinte ich dabei den Rauch auszuatmen, der sich sogleich in der Zelle verflüchtigte.  
 
Sofort untersuchte ich meinen Körper, meine Hände, meine Füße und konnte doch keine Spuren finden. Keine Druckspuren, keine Abschürfungen, keine Abdrücke von Holz und nichts, das darauf hinwies, dass ich tatsächlich meine Zelle verlassen hatte. Was war Realität, was war Traum? Hatte ich wirklich geträumt, oder habe ich im Unterbewusstsein eine Nachricht empfangen? Waren sie in meinem Kopf? Hatten sie meine Gedanken gelesen, oder nur die Gedanken, die ich ihnen gesendet habe?
 
Vor allem: was war wahr? Bin ich wirklich einer gigantischen Lüge aufgesessen, oder wurde ich heute Nacht belogen. Wenn ja, von wem? Von meinem eigenen Unterbewusstsein, oder von fremden Wesen, die sich selbst als Teufel bezeichnen? Noch einmal rekapitulierte ich das Gespräch, noch einmal ging ich jedes Detail durch und versuchte Teile davon, mit unterbewussten Gedanken zu verknüpfen. Was bedeutete die Pfeife? Warum die zwei unterschiedlichen Charaktere? Wir sind Legion. Was hatte es damit auf sich und woher kannte ich diesen Satz?
 
Ruhig lag ich da und grübelte darüber nach, ohne wirklich eine andere Bedeutung darin zu finden, als dass ich mich im Schlaf tatsächlich mit einer höheren Intelligenz auseinander gesetzt hatte. Ein lautes Geräusch riss mich aus meinen Überlegungen. Der Türriegel wurde zurückgeschoben und als die Tür nach innen aufschwang, sah ich einen Schrank in der Tür stehen.
 
„Hallo Konrad, hab Dienstfrei und wollte mal nach dir sehen.“
 
„Hallo Benny, schön, dass du mich besuchen kommst. Hast du was auf dem Herzen? Warum schaust du so bedrückt?“
 
„Also erst mal nenn mich nicht Benny. Du bist der einzige, der mich so nennt. Obwohl, eigentlich ist es egal. Du sollst morgen hingerichtet werden. Als Exempel hat er gesagt, weil du ihn belogen hast“, antwortete Killer.

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