Samstag, 15. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 49

Noch ein Treffer und mittlerweile war ich mir sicher, dass es kein Traum war, was mich die letzte Nacht heimgesucht hatte. Viel mehr hatte etwas versucht, durch meine Träume mit mir zu kommunizieren und mir wichtige Informationen an die Hand gegeben, die alle Ereignisse in ein neues Licht rückten und vielleicht eine Wende einläuten konnten.
 
„Warum willste das denn alles wissen?“, kam es zaghaft von Killer.
 
Möglicherweise kamen die Informationen aus meinem Unterbewusstsein, oder aus den Gedanken eines anderen hier stationierten Menschen. Eigentlich war es egal, wichtiger war, dass die überprüfbaren Informationen korrekt waren und vielleicht wirklich vieles, was wir zu wissen glaubten, einfach nur falsch war. So oder so musste ich diese Informationen an jene weitergeben, die davon nichts wussten. Außerdem hatte ich wirklich keinen Bock darauf, von Roggel oder Sackschneider hingerichtet zu werden. Die Zeit wurde knapp und für Höflichkeiten war keine Zeit mehr. Also ging ich, ohne näher auf seine Frage einzugehen, direkt auf Konfrontationskurs:
 
„Kannst du mich hier rausbringen?“
 
Überrascht riss er seine kleinen Schweinsäuglein auf und durchbohrte mich mit seinem Blick.
 
„Sag mal spinnst du? Selbst wenn ich dich aus der Zelle bringe, was dann? Du kommst hier nicht raus und selbst wenn, bin ich der Gearschte. Die reißen mir dann nicht nur den Arsch auf, am Ende lande ich noch im Liebestrakt und muss irgendeine Scheiße über mich ergehen lassen.“
 
„Welcher Liebestrakt?“, wollte ich wissen.
 
„Ach, scheiße, dort haben wir die Nutten. Ein paar Nutten für die einsamen Stunden. Frauen und Männer, falls einer von den Jungs keinen Bock auf Weiber hat. Angeblich vergnügt sich Sackschneider gern mit kleinen Jungs, aber ich glaub nicht, dass er ne Schwuchtel ist.“
 
„Du meinst jetzt ernsthaft, ihr habt ein paar Puffs abgegrast, und die Prostituierten zu euch gekarrt, um eure sexuellen Gelüste stillen zu können?“
 
„Nein“, widersprach er. „Nicht direkt. Es waren eher sowas wie Zwangsrekrutierungen, die wir in besetzten Gebieten vorgenommen haben.“
 
Für den Moment hatte es mir die Sprache verschlagen. Wortlos starrte ich den tumben Kerl an und rang nach Worten. Nicht nur, dass hier offen nationalistische und rassistische Tendenzen offen ausgelebt wurden, es wurden auch noch Menschen in die Sexsklaverei gezwungen, und sofern ich Killer richtig verstanden hatte, wurde auch auf Kinder keine Rücksicht genommen.

Auf der Suche nach Worten brachte ich nur „Das ist krank“ heraus, was bei meinem Gesprächspartner nur ein Schulterzucken auslöste.

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