Sonntag, 16. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 50

Wollte ich meiner Hinrichtung entkommen, musste ich trotzdem weiter gute Miene zum bösen Spiel machen. Nun, ich musste es zumindest versuchen, auch wenn es mir bei einem rechtsradikalen Mörder und Vergewaltiger nicht so wirklich leicht fiel.
 
„Wie viele Menschen haltet ihr in diesem sogenannten Liebestrakt gefangen?“, formulierte ich so neutral wie möglich.
 
„Ich hab die Schlampen nie gezählt, aber so um die fünfzig werden es schon sein. Und dann halt noch ein paar Typen, die die perversen Wünsche erfüllen. So wie die von Sackschneider.“
 
Die erneute Erwähnung des Wachkommandanten löste in mir eine erneute Ahnung aus.
 
„Du hasst den Kerl, oder? Also Sackschneider. Du hasst ihn, weil er eine Schwuchtel ist und ihr früher Schwule verprügelt habt. Hab ich Recht? Am liebsten würdest du ihm seinen Schwanz ausreißen und in seinen Arsch stecken. Das ist es doch, was du am liebsten mit dem scheiß Kinderficker machen würdest, oder?“
 
Sein vorher noch eher teilnahmsloser Gesichtsausdruck wandelte sich und wurde verbissener, ernster. Seine Augenschlitze verengten sich noch weiter und die Wangen nahmen eine rote Färbung an.
 
„Einmal hab ich ihn gesehen, wie er einen kleinen Jungen vergewaltigt hat. Der Kleine war noch keine zehn Jahre und er hat ihn mit einem Grinsen genommen, das selbst mir das Blut in den Adern hat gefrieren lassen. Weißt du, die Weiber, das sind Schlampen. Wie meine Mutter, die war auch eine Schlampe. Aber die Kinder, scheiße, die können doch nichts dafür.“
 
Wahrscheinlich aufgrund des emotionalen Aufruhrs öffnete sich erneut sein Geist vor mir und Erinnerungsfetzen bombardierten mich. Wieder sah ich den kleinen Ben, dieses Mal, wie er von einem älteren Mann belästigt wurde. Obwohl er nicht mehr so zerbrechlich wirkte, war er dem stärkeren Mann doch hilflos ausgeliefert. Emotional war er da aber bereits an einem Tiefpunkt angekommen. Wortlos und ohne eine Träne zu vergießen ließ er die Tortur über sich ergehen. Jahre später sollte er sich rächen. Bilder, wie er einen einstigen Peiniger halb tot schlug und ihm anschließend ein glühendes Stück Eisen in den After einführte, um ihm die Schmerzen zu demonstrieren, die er damals empfand. Den Teil der Geschichte behielt er damals natürlich für sich, aber für mich waren sie so deutlich zu sehen, als wäre ich dabei gewesen.
 
„Dann lass mich dir helfen, ihm eine Lektion zu erteilen. Danach holen wir Martin und fliehen von hier. Du musst nicht bei den Leuten hier bleiben. Vor allem aber müssen wir uns beeilen, bevor sie meine Freunde angreifen und die Kinder dort in euren Liebestrakt verlegen. Scheiße Benny, ich hab einen Sohn und du willst doch nicht, dass er in die Hände dieses Scheißkerls gelangt, oder? Verdammt, nochmal. Du weißt genau, wovon ich spreche, du hast die Scheiße doch selber durchgemacht, nicht wahr?“

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