Dienstag, 18. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 53

„Hast du ihm noch ein paar liebe Worte zum Abschied geflüstert?“

„Leck mich am Arsch, ich bin doch keine Schwuchtel. Sagen wir mal so: er wird es sich zweimal überlegen, Alarm zu schlagen, wenn er morgen nicht seine Knochen sortieren will.“

Damit war alles gesagt und es lag durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Drohung auch nach unserem Abschied ihre Wirkung gezeigt hatte. Es gehörte mit Sicherheit nicht zu den größten vorstellbaren Verlockungen, von Killer in die Mangel genommen zu werden.

Mit Hermanns Schlüssel standen uns die nächsten Türen offen und laut Ben wurden die Gänge nur zu bestimmten Zeiten stärker frequentiert, wie zum Beispiel zu den Essenszeiten, oder bei Wachablösung. Die nächste Wachablösung war in vier Stunden geplant, Essen wurde in frühestens drei Stunden ausgegeben. Genügend Zeit, sich unerkannt durch die Gänge zu bewegen und unser nächstes Etappenziel anzugehen.

Dieses führte mich in den Zellentrakt mit den sogenannten Eierköpfen, um mir selber ein Bild von den Vorgängen vor Ort zu machen. Außerdem war ich natürlich an ihren Erkenntnissen interessiert und was dieser Doktor Gruschinski zu meinem Traum zu sagen hatte. Natürlich war Ben von meiner Idee nicht so sehr begeistert. Der hatte nur noch Sackschneider und unsere Flucht vor Augen. Vor allem die Rache an dem perversen Schwein war für ihn zur Manie erwachsen, die uns vielleicht noch zum Problem werden konnte. Zum Glück ließ er sich aber doch noch davon überzeugen, dass der Besuch für mich sehr wichtig war und wir das Risiko in Kauf nehmen mussten.

Das größte Problem daran waren sicher die für die Wissenschaftler abgestellten Wachen, die auch einem Grizzlybär wie Killer gefährlich werden konnten. Sicherlich nicht physisch, aber seine Kraft nutzte ihm nur wenig, wenn sie auf uns feuerten. Natürlich bestand auch die Möglichkeit, dass ich für die vor Ort befindlichen Wachen ein unbeschriebenes Blatt war. Bisher kannten nur wenige Insassen mein Gesicht und noch weniger brachten es damit in Verbindung, dass ich nur ein Gast auf Zeit war.

Wie vereinbart huschte Ben in die in den Trakt führende Tür und ließ mich vorerst zurück. Die Wartezeit war die Hölle. Aufmerksam lauschte ich und zuckte bei jedem Geräusch unweigerlich zusammen. Jede zufallende Tür bescherte mir Schweißausbrüche und jede noch so dumpfe Stimme jagte mir Schauer über den Rücken. Ohne Ben war ich hier wie auf dem Präsentierteller und keine Nische oder Mauervorsprung hatte mir Schutz vor neugierigen Blicken geboten.

Umso erleichterter war ich, als endlich die Tür aufschwang und ich von meinem Kumpel unauffällig hereingebeten wurde. Es war anders, als ich mir vorgestellt hatte. In meiner Vorstellung war hier ein hochmodernes Labor eingerichtet, in dem hinter luftdicht verschlossenen Plexiglaswänden hochgeheime Experimente auf Genbasis durchgeführt wurden. Die Realität sah aus, wie der Zellentrakt, in dem ich untergebracht war. Auch hier saß ein einsamer Wächter, der gelangweilt in einem Aktmagazin blätterte und die verschlissenen Seiten müde durch seine Finger gleiten ließ.

Kommentare:

  1. Hi, gibt's heute keine Fortsetzung?
    Schade...
    Gruss aus Koblenz
    Labortier

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  2. Oh, sorry, hatte aus Versehen 9:00PM statt 9:00AM ausgewählt. Ist jetzt online.

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