Mittwoch, 19. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 54

„Isser das?“, murmelte er abwesend, während seine Finger über die üppige Oberweite einer Manuela aus Oberhausen glitten, die als eines ihrer Lieblingshobbys die Verführung von Männern auswies.

„Ja, das isser. Du weißt ja, Befehl vom Roggel und so. Haben ihn vor den Toren entdeckt und ihn zu den Eierköpfen mit einer Nachricht geschickt“, antwortete Ben und nickte mir unauffällig zu. Dankbarerweise hielt er sich strikt ans Drehbuch und zum Glück war der Kerl hier mehr mit Manuelas Titten als mit seiner Umgebung beschäftigt. Andernfalls wäre ihm vielleicht aufgefallen, wie Bens Augen unruhig hin und her wanderten und sich ein dünner Schweißfilm auf seinem Kopf bildete.

„Mhm, dann geht rein. Ich sag den anderen noch Bescheid, dass ihr reinkommt“, beendete er das Gespräch, während er Manuela aus Oberhausen in den rasierten Schritt gaffte.

Die Sicherheitstür summte und schwang nach Druck durch Killer nach innen, Noch immer keine Luftschleuse, wie sie in Filmen benutzt wurden, um keine Schadstoffe nach außen dringen zu lassen. Stattdessen rechts ein größerer Raum, der irgendwann ein Versammlungsraum gewesen sein könnte. An einem Tisch saßen vier Schwarzhemden, die ebenfalls in alten abgegriffenen Magazinen blätterten. Keiner von ihnen kam mir bekannt vor und ich hoffte inständig, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhen würde. Unbekümmert marschierte mein Grizzlybär an ihnen vorüber und hob kurz die Hand zum Gruß, was von den Umher sitzenden knapp erwidert wurde. Nur einer blickte kurz auf, erkannte seinen Kameraden und widmete sich wieder Sabine, einer einsamen Hausfrau aus Hoyerswerda, die so gern einen Mann verwöhnen wollte. Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob sie noch lebte und wenn ja, in welcher Gestalt, verdrängte den Gedanken aber sogleich wieder.

Weiter hinten im Raum standen einige Rechner, ein Beamer, Leinwände, vollgekritzelte Flipcharts und eine Gruppe von Männern und Frauen. Die sahen auf den ersten Blick so gar nicht aus, wie man sich eine Gruppe Wissenschaftler vorstellte, die panisch an einem Wirkstoff, oder dem Grund einer weltweiten Epidemie forschten. Eher entspannt und in normaler Freizeitkleidung hatten sie sich mit Kaffee bewaffnet um ein Flipchart versammelt und diskutierten ein auf den ersten Blick nichts sagendes Schaubild, das von dem an der Tafel stehenden Mann ständig um Striche erweiterte wurde.

Der Mann war eher unscheinbar, klein, untersetzt, mit Haarkranz und runder Brille. Auf den ersten Moment wirkte er auf mich wie das intellektuelle Gegenstück zu Sackschneider, ging aber davon aus, dass von ihm nicht halb so viel Gefahr ausging. Um ihn herum saß eine Gruppe, die sich aus allen Geschlechtern und Altersgruppen zusammensetzte und wie eine Mischung aus Medizinstudenten und altgedienten Professoren wirkte.


Zielstrebig hielt Ben auf den Untersetzten an der Tafel zu und flüsterte ihm ins Ohr, was diesen dazu veranlasste, seine Runde in die Pause zu entsenden. Aus Mangel an einem Pausenraum, bedeutete das aber letztendlich nur, dass man auf den Plätzen Platz behielt und sich statt Interesse heuchelnd der Darstellung zuzuwenden anderen Dingen widmete, wie zum Beispiel den weiblichen Kollegen zu imponieren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen