Donnerstag, 20. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 55

„Guten Tag“, begrüßte mich der Brillenträger und hielt mir die Hand hin. „Ihr Freund hier hat mich freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass Ihnen sehr viel daran liegen würde, mit mir zu sprechen. Darf ich mich vorstellen? Doktor Karl-Heinz Gruczynsky. Ich leite die Untersuchungen hier vor Ort. Mit wem habe ich die Freude?“

Artig ergriff ich die Hand und schüttelte sie kräftig. Der feste und trockene Händedruck meines Gegenübers erstaunte mich. Das hier war kein verunsicherter Gelehrter, der angesichts der Anwesenheit brutaler Schlächter um sein Leben fürchten musste. Davon sogar etwas beeindruckt stellte ich mich kurz vor.

„Vilsmeier. Konrad Vilsmeier ist mein Name. Ich will nicht viele Worte verlieren, ich bin nicht ganz freiwillig hier und habe nicht viel Zeit. Sagen wir so, dass ich ein sehr großes Interesse an ihren Forschungsergebnissen habe. Angeblich erforschen Sie schon seit längerem diese neue Spezies.“

Meine Frage löste leichte Heiterkeit bei meinem Gegenüber aus.

„Erforschen? Nun ja, in der Sprache unserer Bewacher hier mag das die zutreffende Beschreibung für unser Tun hier sein. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir das Gespräch etwas abgeschiedener unter vier Augen fortsetzen?“

Dabei deutete er auf Ben, der relativ teilnahmslos neben uns stand und sich eher der jungen Frau widmete, die gerade in ein Gespräch mit einem ihrer Kollegen vertieft war. Obwohl von ihm keine Gefahr mehr ausging, wollte ich dem Doktor nicht unbedingt unsere Beziehung zueinander darlegen. Noch konnte ich mir keinen Reim über seine Rolle in dieser Anstalt machen und wollte keinesfalls meinen Trumpf verfrüht ausspielen. Also folgte ich ihm in ein abgetrenntes Büro, aus dem eine weitere Tür führte.

„Hier drin haben sie den Raum beaufsichtigt“, fuhr er fort. „Bevor die Insassen zu Wärtern wurden. Bevor sie den Bock zum Gärtner gemacht haben und so auch die Reste unserer Zivilisation auf dem Altar der Angst geopfert haben. Sich mit dem Teufel zu verbünden, um Satan auszutreiben. Was für eine Idee. Die Idee eines Wahnsinnigen, finden Sie nicht auch?“

Noch bevor ich etwas sagen konnte, setzte der Untersetzte fort.


„Damit nehme ich uns nicht aus, Herr Vilsmeier. Auch wir haben uns mit dem Teufel verbündet. Wir sind hier in Sicherheit und der Preis ist, dass wir ihnen Ergebnisse liefern müssen. Möglicherweise haben Sie schon bemerkt, dass unsere Möglichkeiten in diesem Gebäude eher eingeschränkter Natur sind. Als sie uns holen kamen, haben sie nicht auf unsere Ausrüstung geachtet, Es wurde in Lastwagen geräumt, was sich in irgendeiner Form plündern ließ und nicht wenig ging dabei zu Bruch. Die Hälfte der Ausrüstung war nicht mehr zu gebrauchen, bei vielen anderen Gegenständen mussten wir improvisieren. Dazu kommt, dass die Hälfte der Anwesenden zum Zeitpunkt des Ausbruchs noch im Studium steckte und aktuell keine große Hilfe ist.

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