Sonntag, 23. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 58

Ich bin leider kein Psychologe und habe auch keinen in meinem Team, aber selbst als Laie bleibt mir nicht verborgen, dass in dem Traum unterbewusst durchaus eigene Empfindungen verarbeitet wurden. Ohne professionelle Unterstützung werden wir leider nicht herausfinden können, wie groß der tatsächliche externe Einfluss gewesen ist, und wie viel Ihr Unterbewusstsein aus seinem eigenen Pool dazugegeben hat. Sehr bedauerlich. In der Tat. Nichtsdestotrotz eine unglaublich wichtige Erkenntnis für unsere sogenannten Forschungen. Ich gehe davon aus, dass Sie aufgrund Ihrer prekären Lage uns nicht weiter für Experimente zur Verfügung stehen werden, oder?“

In seiner Frage schwang eine Bitte mit, die ich leider ablehnen musste. Dafür hing ich viel zu sehr an meinem Leben. Trotzdem gab ich seiner Bitte nach, mich für ein schnelles Experiment zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit dem kleinen Untersetzer marschierten wir an den desinteressiert wirkenden Wächtern vorbei auf den Flur des Zellentrakts und von dort zielstrebig auf die erste Zelle zu. Irgendwie glaubte ich nicht daran, dass die Wächter die Wissenschaftler vor etwas beschützten, sondern eher zu ihrer Bewachung abgestellt waren.

„Dort in der Zelle sind zwei Exemplare untergebracht, die sich physisch nicht verändert haben. Sie zeigen auch sonst keinerlei Veränderungen und sind zu normaler Kommunikation fähig, wenn auch nur sehr widerwillig. Sie sind aber hochgradig von der Musik abhängig. Nach rund einer Stunde tritt eine Art von Entzugserscheinung ein und nach einer weiteren Stunde beginnen erste physische Veränderungen.

Nach unserem jetzigen Stand ist nicht die Musik der Auslöser, sondern das Fehlen der Musik. Noch bis ungefähr acht Stunden nach Ende der Musik kann die Verwandlung aufgehalten werden, danach beginnen die Gene zu mutieren und die ersten bleibenden Veränderungen treten auf. Wenn Sie so wollen, haben wir die Monster selber erschaffen, in dem wir ihnen den Strom abgeschaltet haben.


In den nächsten zwei Zellen sind die normalen Vertreter dieser Spezies untergebracht. Interessanterweise verhalten sie sich in Gefangenschaft absolut friedlich. Nur, wenn wir unsere Experimente an ihnen durchführen, kommt eine gewisse Unruhe in die Gruppe, die sich auf alle anwesenden Mutanten überträgt. In der Zelle rechts von uns ist eine ehemalige Familie untergebracht, die immer noch familiäre Strukturen aufweist, wenn auch evolutionär extrem zurückgebildet. Zum Beispiel haben wir beobachtet, dass nur das Männchen das Essen aufnimmt und es anschließend unter seiner Familie verteilt. Für sich hält er dabei die kleinste Portion zurück, was wir den Umstand zuschreiben, dass sie sich in Gefangenschaft befinden. Wir gehen davon aus, dass sich das Verhalten in freier Natur umkehrt, da er für den Zweck der Nahrungsbeschaffung Kraft benötigt. 

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