Montag, 24. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 58

In den nächsten Zellen haben wir zwei Kriegerdrohnen untergebracht. Im Gegenteil zur Standardausführung weisen sie erheblich mehr Intelligenz auf und stellen im Kampf unserer Vermutung nach die Führer. Ihre Mutationen fallen wesentlich stärker aus und auch viel schneller. Eine komplette Transformation dauert in der Regel rund zwei Wochen, bei dieser Mutation aber gerade mal eine Woche. Schon nach zwei, drei Tagen haben sich Klauen an den Händen gebildet, die einen Kopf von den Schultern trennen können. Nach vier Tagen hat sich der Knorpelpanzer gebildet und innerhalb von sechs Tagen sind die Organe so angeordnet, dass sie hinter dem Knorpelpanzer geschützt sind.

Wir gehen auch davon aus, dass sie so gut wie keine Schmerzen empfinden. In den Versuchen reagierten sie kaum auf Obduktionen am lebenden Objekt und Wunden verheilen innerhalb weniger Stunden. Allein das Gehirn und wichtige Organe regenerieren nicht. Aber auch mit in Fetzen hängenden Lungen erlischt ihr Kampfgeist erst, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut einen kritischen Wert erreicht hat, was Minuten dauern kann. Es sind die perfekten Kampfmaschinen. Wir können uns aber bis heute nicht erklären, was diese spezielle Mutation ausgelöst hat. Sie hat sich auch erst im Laufe der Zeit herausgebildet. Diese Exemplare hier zeigten anfangs keinerlei Merkmale dieser Abart. Für weitere Untersuchungen fehlt uns die Ausrüstung und Material für weitere Versuchsreihen. Roggel hat aber in Aussicht gestellt, uns in absehbarer Zeit eine Reihe von Versuchsobjekten zur Verfügung zu stellen.

Ich befürchte, dass die Beschaffung dieser Objekte nicht in beiderseitigem Einverständnis stattfinden wird, aber Sie müssen mich auch verstehen. Viel zu sehr hänge ich an meinem Leben, als diesem Monster zu widersprechen. Möglicherweise werden wir dadurch auch zu Monstern, aber lieber ein lebendes Monster, als ein toter Held, nicht wahr?

Sie schauen ja noch immer so verärgert. Hören Sie, ich will mich nicht mit Ihnen über Moral streiten. Viel mehr möchte ich wissen, ob Sie mit unseren Exponaten kommunizieren können. Würden Sie bitte an die Türe treten und durch diese Öffnung die Insassen in Augenschein nehmen und versuchen, ihre Gefühle einzufangen?“

Natürlich wusste ich, wer die Versuchsobjekte stellen würde und bebte innerlich vor Wut, dass dieser Quacksalber sein eigenes Wohl über das Wohl lebender Menschen stellen wollte, Im Moment interessierte mich sein Experiment aber noch viel mehr. Die Möglichkeit mit den „anderen“ zu kommunizieren, reizte mich in der Tat und so schnell würde sich dafür keine Chance mehr ergeben, zumindest ohne die Gefahr, dabei ausgenommen zu werden. Also schritt ich an die Tür und öffnete vorsichtig die Luke.


Statt in einen Raum blickte ich in ein aufgerissenes Augenpaar. Erschrocken sprang ich einen Schritt zurück und hätte dabei beinahe Gruczynsky umgeworfen, der ebenfalls nicht damit gerechnet hatte. Der Schreck war mir in alle Glieder gefahren, aber langsam kam ich wieder zur Ruhe und beobachtete die Augen. Seltsam menschlich sahen sie aus, gar nicht so sehr wie die Augen von wilden Tieren, wie wir sie damals sahen. Beinahe freundlich haftete der Blick auf mir und als ich dem Blick nicht mehr standhalten konnte, wandte ich mich ab. Fühlen konnte ich nichts und entweder war dem Monster nicht nach Kommunikation, oder es war mir auch nicht möglich, mit ihm zu kommunizieren. Resigniert gab ich auf und sah schulterzuckend zum Doktor hinüber, der sich von dem Misserfolg nicht entmutigen lassen wollte.

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