Dienstag, 25. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 59

„Das hat nichts zu sagen. Die Reaktion war aber schon ungewöhnlich und konnte so bisher nicht beobachtet werden. Es war, als hätten sie Ihre Anwesenheit gespürt, Herr Vilsmeier. Kommen Sie.“

Mit den Worten trat er nach vorne, schloss die Sichtluke und ging zwei Zellentüren weiter, Dort angekommen riss er die Sichtluke auf, trat einen Schritt zurück und warf dann befriedigt einen Blick darauf. Hektisch winkte er mich zu sich.

„Der sitzt brav in der Ecke. Kommen Sie bitte.“

Wie geheißen ging ich zu ihm und warf einen Blick in die Zelle hinein. Die Zelle war bis auf eine Matratze, oder das was davon übrig war, komplett leer geräumt. Schaumstofffetzen lagen auf dem Boden und bildeten so was Ähnliches wie ein Nest. Mittendrin saß es. Im Schneidersitz thronte es in der Ecke seiner Zelle. Kurzes dunkelbraunes Fell bedeckte den überaus muskulösen Körper. Die Beschaffenheit ließ mich darauf schließen, dass es sich bei dem Wesen vor ihrer Verwandlung um eine Frau gehandelt haben musste.

Die zusammen gezogenen Augen stachen hell aus dem dunklen Fell hervor und bildeten zusammen mit den Reißzähnen einen deutlichen Kontrast. Ein leichtes Knurren entwich der Kehle des Kriegers und seine Krallen bewegten sich drohend wie ein Fächer. Wie zuvor suchte ich den direkten Augenkontakt. Angestrengt starrte ich in seine Augen und fühlte nichts.

Zumindest dachte ich das, während ich immer weiter in den Augen versank. Zuerst nahm ich die Augen einfach nur intensiver wahr. Sie wurden größer und größer und irgendwann verdeckten die Pupillen mein komplettes Sichtfeld, stülpten sich über mich und verschlangen mich regelrecht. Und doch erschien es mir völlig normal. Ich trieb in Schwerelosigkeit und mein einziger Gedanke war, warum ich keinen Kontakt herstellen konnte.


Erst als ich wieder auftauchte, meine Umgebung wieder wahrnahm, kam mir der Gedanke, dass ich eben einen Kontakt hergestellt hatte. Im nächsten Moment wurde es deutlicher. Statt Schwärze stürmten Bilder auf mich ein. Aufgerissene Körper, herausgerissene Innereien, Blut besudelte Menschen und spritzendes Blut. Und Schmerzen. Es fühlte sich an, als würde man in meinen Eingeweiden wühlen und mit Gewalt an ihnen ziehen. Eine Hand legte sich um mein Herz und presste zu, ein scharfer Gegenstand zerschnitt meine Lungen und meine Gedärme wurden grobhändig aus der Bauchdecke gerissen. Umso überraschter war, als ich meinen Peiniger erkannte. Nicht die Hände eines Monsters bereiteten die Schmerzen, nein, Herr Doktor Gruczynsky höchstpersönlich zog an meinen Gedärmen und schnitt meine Lunge in feine Streifen, als würde er geschnetzelte Lunge zubereiten.

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