Mittwoch, 26. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 60

Der Tod breitete sein schwarzes Tuch über mir aus. Ich fühlte mein Leben aus meinem Körper weichen und ergriff dankbar die Möglichkeit, im Tod Frieden und Erlösung zu finden, schreckte kurz darauf aber wieder auf und sah mich weiter in dem Zellentrakt dem braunhaarigen Killer gegenüber. Panisch schnappte ich nach Luft und spürte erleichtert das Blut durch meinen Körper pulsieren. Die unglaublichen Schmerzen klangen nach, verschwanden aber genauso schnell wieder, wie sie mich überfallen hatten.

„Geht es Ihnen gut? Sehen Sie etwas?“

Erst klar, dann wie durch einen Vorhang hörte ich die Stimme des Doktors, bevor sie wieder verstummte. Rot. Alles war rot. Rote Wände türmten sich rund um mich herum auf. Die Wände erschienen aber nicht massiv, sondern vibrierten leicht und sie flossen. Die Strukturen verflossen, liefen ineinander und verliefen wieder. Es war eine fließende rote Kulisse, als wäre rotes Wasser zu Wänden aufgetürmt und stünde hinter einer unsichtbaren Glaswand.

Die Vibrationen nahmen zu und wie auf Kommando ergossen sich die roten Ströme über mir. Die Wellen schlugen über mir zusammen und begruben mich unter sich. In Mund und Nase sammelte sich die Flüssigkeit und ich bekam keine Luft mehr. Der Strom riss mich von den Füßen und zog mich mit sich, weiter hinab hinaus in die rote Leere. Wie ein Stoßseufzer musste ich meine letzte Luft in den Lungen opfern und erwartete, beim nächsten Atemzug die rote zähflüssige Flüssigkeit Blut? in meine Lungen zu saugen.

Stattdessen atmete ich ganz normal, während ich weiter durch den Strom trieb. Erleichtert sog ich die Luft in meine Lungen und trieb weiter, immer weiter. Auf meiner Reise sah ich Bilder. Bilder von Soldaten, die mit Gewehren, Flammenwerfern und Granaten die Wesen attackierten, während diese den Angriff wehrlos über sich ergehen ließen. Verängstigt kauerten sie zusammen und ich spürte ihre Angst und erkannte darin meine eigenen ausgestandenen Todesängste. Wie aus einem Maschinengewehr gefeuert, prasselten die Eindrücke weiter auf mich ein. Einschlag um Einschlag, Erinnerung um Erinnerung aus einem kollektiven Bewusstsein prügelte auf meinen Geist ein und zeigte mir die Bilder von Verstümmelungen, die Angst und die Wut. Eine durch Millionen gehende kollektive Wut, geboren aus Angst und Verlust.

Wie eine Kanone entlud sie sich und schlug gegen ihre Peiniger. Waren die ersten Wutausbrüche noch unkoordiniert und aus einer spontanen Eingebung geboren, kanalisierte sich die Wut in den Kriegern, die die Wut in sich aufnahmen und sich daraus entwickelten. Sie waren von ihrem Kollektiv als Krieger ausersehen worden und mussten als Pfand die kollektive Wut von Millionen Seelen in sich aufnehmen. Dafür wurden sie mit körperlichen Attributen ausgestattet, die der normalen Herde vorenthalten war. 

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