Samstag, 29. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 63

„Wenn Sie noch zweifeln, möchte ich Ihnen etwas zeigen“, setzte Gruczynsky wieder an und ging voran, gefolgt von seiner Entourage, zurück in den Versammlungsraum. Mit noch immer wackligen Füssen folgte ich ihm in den Raum und hinter den Monitor eines Rechners. Seine Finger legten sich auf die Maus und ein Mauspfeil schoss auf dem Bildschirm herum, öffnete eine Filmdatei und vergrößerte das Bild.

„Das sind Überwachungsaufnahmen aus einem Gebiet, in dem die Verbreitung nicht annähernd so hoch war wie hierzulande. Gebiete, in denen dieser sogenannte Hewwi Metall traditionell nicht so verbreitet ist, oder als Teufelsmusik gilt. Genauer gesagt sehen Sie hier ein Gebiet in der Türkei östlich von Istanbul. Der westliche Teil Istanbuls wurde geräumt und die Einwohner in die östliche Türkei evakuiert. Als es bei uns losging, galt der Teil der Türkei als sicher. Einzelne Nester wurden ausgehoben und quasi komplett aufgerieben. Die türkische Armee hat Erfahrung in sowas. Noch lange später konnten wir Nachrichtenbilder von dort empfangen, die mein Student Can hier für uns übersetzen konnte. Der arabische Raum war sicher, die Gefahr kam aus dem Norden. Aber sehen Sie selbst.“

Das Bild zeigte ein freies Feld bei Nacht im tristen Grün einer Nachtsichtkamera, über das Stacheldraht gespannt war. Keine Bewegungen waren auszumachen, alles wirkte friedlich und langweilig. Dann blitzte im Dunkel etwas auf. Wie zwei kleine Reflektoren tanzten sie in der Luft und schon bald erschienen mehr und mehr von ihnen, bis das ganze Feld von kleinen Reflektoren bevölkert schien. Schnell bewegten sie sich vorwärts und erreichten schon bald den Stacheldraht. Eine Explosion zerriss die Stille und warf etwas Licht auf das Szenario. Die Augen gehörten den Monstern, von denen die erste Reihe von der Explosion fast zerrissen wurde.

Davon unbeeindruckt kamen von hinten weitere Wellen nach und lösten weitere für uns lautlose Explosionen aus. Leuchtspurmunition huschte durchs Bild und verlor sich in den behaarten Körpern der Angreifer. Für jeden Gefallenen kamen weitere Wellen nach und rollten über den Stacheldraht und über die für mich im Unsichtbaren agierenden Verteidiger hinweg.

Keine fünf Minuten später senkte sich Ruhe über das Szenario. Keine Explosionen und Lichtblitze mehr, nur noch die Augenpaare, die über das Feld vorwärts rückten. Dann fiel das Bild aus.

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