Sonntag, 30. Juni 2013

Kapitel 4 - Teil 64

„Sehen Sie? Das war ein nördlicher Grenzposten. Innerhalb weniger Minuten drangen an allen Grenzabschnitten Horden der Viecher in die Türkei ein und überrannten die ersten Abwehrstellungen. Wenige Stunden später waren sie bereits mehrere Kilometer weit ins Landesinnere vorgedrungen. Sie töteten alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Allein die Verluste in den ersten Stunden waren gigantisch. Wir konnten einen Hilferuf der Türkei auffangen, in dem sie die arabischen Staaten um Beistand baten, darauf aber keine Antwort erhielten.

Die Regierung wurde auf Zypern evakuiert, innerhalb einer Woche war das halbe Land unter Kontrolle der Aggressoren. Können Sie sich das vorstellen? Die Türkei verfügte über eine schlagkräftige und gut ausgerüstete Armee. Kampfhubschrauber, Flugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge. Dazu fast keine Verluste durch diese schreckliche Musik. Die türkische Armee war quasi intakt, als die Katastrophe losbrach. Zwei Wochen später wurden die letzten offiziellen Funksprüche abgesetzt. Ein Ankara verteidigender Offizier betete über Funk zu Allah, bat um Verzeihung für seine Sünden und wünschte den Menschen dieser Erde Glück und Allahs Segen. Ein Schuss beendete die Übertragung.

Sind das ihre friedfertigen Kuschelmonster?

Ähnliche Berichte erreichten uns aus China, auch wenn dort entlang der chinesischen Mauer eine sichere Defensivstellung errichtet werden konnte. Können Sie sich das vorstellen? Ausgerechnet dieses antike Gebäude, Zeuge der antiken Kriegsführung, bietet heute Schutz für Millionen von Menschen. Auch Nordkorea konnte wohl von seiner Lage und gut gesicherten Grenze profitieren.

Ist das nicht ironisch, dass ausgerechnet jene Staaten sich der Bedrohung erwehren können, die sich dem westlichen Weg und der sogenannten Freiheit verschlossen haben? Natürlich ist es das. All die Toleranz, die wir der Kultur und anders denkenden entgegen brachten, wendet sich jetzt gegen uns. Die ganze westliche Dekadenz zerstört wegen dem, was uns am Wichtigsten erschien. Unsere Wertvorstellungen, die wir anderen aufdrängen wollten. All das. Dahin. Von innen heraus. Zerstört.“

Es war zweifelhaft, ob aus dem Doktor in dem Zustand der Erregung noch sinnvolle Informationen zu erwarten waren. Zu sehr hatte er sich seinen xenophoben Vorstellungen hingegeben, die er in der Abgeschiedenheit dieses Gefängnisses und aufgrund der jüngsten Vorkommnisse entwickelt hatte. Andererseits hätte uns Intoleranz gegenüber Fremdem jetzt auch nicht weiter geholfen.

Das behielt ich aber für mich, bedankte mich knapp und gab Ben zu verstehen, dass wir aufbrechen mussten. Mir war das Gefühl für Zeit abhanden gekommen und ich wusste nicht, bis wann wir unsere nächste Etappe erreichen mussten. Umso dringender also, das nächste Ziel abzuschließen.

Dummerweise fanden nicht wir unser nächstes Ziel, sondern das Ziel fand uns.

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