Mittwoch, 31. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 95

Es gab viel zu erzählen. Das meiste meiner Geschichte wurde bereits von Anabela zu Protokoll gegeben und ich bestätigte nur das Gesagte, oder ergänzte es an einigen Stellen mit eigenen Eindrücken. Unsere Flucht blieb nicht ohne Folgen. Bereits vor unserer Ankunft überschlug sich der Funk und die letzten Sekunden unserer Verfolger konnten unverschlüsselt mitgeschnitten werden. Die gepanzerten Transporter funkten demzufolge noch einige Minuten, bevor auch ihre Funkgeräte verstummten.

Dank unserer Warnung bereitete man sich auf einen Angriff vor und befestigte die Außenstellung auch so, dass sie menschlichen Angreifern mit Gewehren und Granaten stand halten konnte. Die Zahl der freiwilligen Helfer war indes rasant angestiegen und auch meine Frau war zum Dienst an der Waffe herangetreten und leitete zudem das zivile Komitee, das die Interessen einer zivilen Regierung geltend zu machen versuchte, um dem Militär die alleinige Kontrolle zu entziehen. Ein langwieriger und schwieriger Prozess, aber der Oberst erklärte sich zu Gesprächen bereit.

Verstärkt wurde der Effekt durch den Kontakt zu anderen von Menschen bewohnten Bunker- oder Militäranlagen. Nur zwei Tage nach unserer Abreise fing man den Funkspruch eines Konvois auf, der mit mehreren zivilen Fahrzeugen auf der Suche nach Unterkunft war. Notdürftig bewaffnet hatten sie sich quer durch die ehemalige Republik geschlagen und berichteten von mehreren besetzten Festungsanlagen, in die sich Überlebende zurückgezogen hatten. Mit diesen Informationen wurden Teams ausgeschickt, Kontakte herzustellen und ggf. bei der Errichtung von Funkanlagen zu helfen.

Erwähnenswert an der Reise war, dass sie nicht einmal von den „anderen“ attackiert wurden. Die Rolle der Monster bei unserer Flucht war bereits von Anabela dargelegt worden, was ein Gremium nach sich zog, in dem der moralische Aspekt der Entdeckung diskutiert und zur Diskussion gestellt wurde. Meine Erfahrungen gaben den Ausschlag zu einer tiefen Beschäftigung über das von den Mutanten ausgehende Gefahrenpotenzial. Das vorgeschlagene System von menschlichen Tributen zum Tausch gegen unsere Existenz wurde zwar abgelehnt, aber der Anteil derer, die dazu bereit waren, war erschreckend hoch. Selbst meine Frau führte eine flammende Brandrede, sich auf diese Weise mit den Wesen zu verständigen und so endlich wieder in Freiheit leben zu können. Andere dagegen schlugen eine Flucht vor, wussten aber auch nicht wohin. Zudem war nicht sicher, ob sie uns gehen lassen würden.

So sitzen wir hier und warten. Wir warten auf die Schwarzhemden und darauf, wie lange die neue Spezies noch auf unsere Antwort warten würde. Das Problem ist, sie haben Zeit, wir nicht. Wir sitzen hier wie die Ratten in der Falle und nicht wenige warten, dass man uns ein Stück Käse vor die Nase hält, um noch tiefer in Scheiße zu waten. Die einfachen Lösungen sind meist im Nachhinein die schwierigsten. Hoffentlich wirft niemand den ersten Stein.


Ende



Über Feedback / Kommentare / Kritik würd ich mich freuen. 

Dienstag, 30. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 94

Wie durch Watte drangen die Stimmen an meine Ohren. Vertraute Stimmen, die sich besorgt und mit ernster Stimme über den Gesundheitszustand eines Bekannten unterhielten. Neben der Ernsthaftigkeit schwang noch etwas anderes mit: Hoffnung und Erleichterung. Er mache gute Fortschritte und der Blutverlust wäre nicht so schlimm, wie anfangs gedacht. Außerdem heile die Wunde überdurchschnittlich gut und Komplikationen wären im jetzigen Stadium ausgeschlossen.

Nach einiger Zeit wurde alles deutlicher und ich erkannte den Klang des Arztes, meiner Frau und Anabela. Niemals zuvor hätte ich mir vorstellen können, was es für eine Schinderei sein könnte, seine Augen aufzuschließen. Wie der Rest meines Körpers wollten sie mir nicht gehorchen und ruhig daliegend versank ich in Panik. Es war, als wäre ich gefangen in meinem eigenen Körper, ohne darüber Kontrolle zu haben. Aus meinem Innersten hörte ich Stimmen, die einen Kampf um meinen Körper auszufechten schienen. Undeutliche Stimmen, die sich einen Schlagabtausch in einer mir unbekannten Sprache lieferten.

Wütend versuchte ich mich in den Streit einzubringen, schrie und brüllte und blieb doch stumm. Es zerrte an mir, jedes Wort war wie ein Schlag, jeder Schrei wie ein Messer. War ich wirklich schon wach, oder träumte ich noch? Während um mich herum die Stimmen verstummten, flammten sie in mir weiter auf und übertönten alle von außen auf mich einprasselnden Gespräche. Noch einmal nahm ich alle Kraft zusammen und legte sie in einen Schrei. Verzweiflung trieb mich an und die Angst darum, was passieren könnte, wenn die Stimmen verstummten, ohne dass ich darauf reagieren könnte. Also schrie ich. Ein langgezogener und extrem lauter Schrei löste sich und schüttelte die über mir liegende Starre ab. Es war, als hätte man mir die Kontrolle über meinen Körper zurück gegeben und ich wollte sie auf keinen Fall mehr abgeben.

Panisch riss ich die Augen auf, während ich mich weiter brüllen hörte. Weißes Licht blendete meine Augen, aber ich wagte es nicht meine Augen erneut zu schließen. Schemen standen um mein Bett und sahen zu mir herunter, nahmen langsam Gestalt an und wurden langsam zu vertrauten Gesichtern. Meine Lungen begannen zu schmerzen und ich wusste nicht warum. Erst als sich aus den noch undeutlichen Schemen das Gesicht des Docs abzeichnete, mir näher kam und mir sanfter Stimme zurief, dass ich jetzt in Sicherheit sei und nicht mehr schreien müsse, verstand ich und holte tief Luft.


Meine Frau, Anabela, mein Sohn und ausgerechnet Lehmann standen um mein Bett herum und sahen entsetzt zu mir herab. Also wenigstens meine Frau und mein Sohn, während der Feldwebel und die ehemalige Polizistin davon eher weniger beeindruckt zu sein schienen. Mit frischer Luft in den Lungen hauchte ich ein „Hallo“ in Richtung meiner Familie, was sogleich von Freudentränen und einer ungestümen Umarmung quittiert wurde. Es tat weh, aber die Schmerzen waren mit im Moment egal.

Montag, 29. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 93

„Als ich dich mit Ben gesehen hab, wusste ich, dass das meine Chance sein könnte und bereitete alles vor. Zusammen mit Sackschneider verfolgte ich euch über die Kameras und ärgerte mich darüber, wie unvorsichtig ihr vorgegangen seid. Mensch, hättet ihr euch das mit den Kameras nicht denken können?“

Mit der eigenen Dummheit konfrontiert zu werden war nicht angenehm, aber zum Glück schien die Frage eher rhetorischer Natur, weil sie ohne eine Antwort abzuwarten mit ihrer Erzählung fortfuhr.

„Als Sackschneider tot war, wusste ich, dass ich auf das richtige Pferd gesetzt hatte, bereitete alles vor und verschlüsselte am Ende meinen Rechner. Als besonderes Bonbon hab ich auf meiner Flucht die Türen zum Büro meines Herrn und Meisters verschlossen. Sicherheitstüren, die im Falle einer Revolte einer Explosion standhalten würden, wohlgemerkt. Ich seh ihn förmlich vor mir, wie er fluchend und wild gestikulierend in dem Zimmer auf und ab läuft und auf Rache an mir sinnt. Draufgehen wird er leider nicht, irgendwie und irgendwann werden sie ihn rausholen, aber ich hab sein Ego empfindlich getroffen. Das wird das, was vor uns liegt, nicht einfacher machen.“

Just als sie mit ihrer Ausführung fertig war, kamen wir zu dem zum Bunker führenden Weg an. Offensichtlich wurden noch immer regelmäßige Patrouillenfahrten unternommen, weil der Schnee hier von mehreren Fahrzeugen aufgewirbelt und niedergedrückt worden war.

Die letzte Kurve passierend, präsentierten sich vor uns der Bunker und die ihn umgebende Anlage. Seit unserer Abfahrt wurde die Zeit genutzt, die Stellungen um einen zentralen Wachturm zu ergänzen, der über die ganze Anlage zu wachen schien. Um kein Risiko einzugehen, verlangsamte Anabela die Geschwindigkeit und rollte in Schrittgeschwindigkeit auf die Einfahrt zu.

Augenpaare beobachteten uns und der Lauf eines MGs folgte der Bewegung unseres Fahrzeugs. Als wir nur noch wenige Meter von dem Tor entfernt waren, löste sich hinter einer Stellung eine uniformierte mit einem Sturmgewehr bewaffnete Gestalt und bedeutete uns mit erhobener Hand, den Wagen anzuhalten. Das Gewehr lag mit dem Gurt über der Schulter und die freie Hand lag am Abzug, während der Lauf lose in unsere Richtung gerichtet war.

Eine Sturmhaube verdeckte das Gesicht des Soldaten, so dass ich unmöglich sagen konnte, wer uns da gegenüber stand.

Noch bevor ich etwas sagen konnte, hatte meine Fahrerin die Tür aufgestoßen und war mit erhobenen nach vorne gerichteten Handflächen aus dem Fahrzeug gestiegen. Langsam trat sie auf den Soldaten zu und schon kurz danach begann ein Wortwechsel, dem ich nicht länger nur zuschauen wollte. Angestrengt begann ich meinen Ausstieg und versuchte die Schmerzen in meiner linken Schulter so gut es ging zu ignorieren. Warmes Blut trat aus der Wunde aus und verteilte sich großzügig um die Einschussstelle, während ich die Tür aufstieß und aus dem Fahrzeug stieg.


Sofort umhüllte mich die kalte Luft und drang schneidend in meine Lungen ein. Tapfer hielt ich mich auf den Füßen und stapfte durch den Schnee in die Richtung, in der Ana noch immer mit dem Soldaten verhandelte. Augenpaare richteten sich auf mich, während ich schwankend dem Paar näher kam und je kürzer der Abstand wurde, desto deutlicher wurde die durch die Sturmhaube gedämpfte Stimme des Verteidigers. Jeder Schritt war anstrengender als der zuvor und der Blutverlust wurde zu einem kleinen Problem. Schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen, aber ich verstand Wortfetzen, sah zwei Augenpaare auf mich gerichtet, hörte die Stimme meinen Namen rufen, erkannte darin Manfred. Die Punkte wurden größer, schwärzer, zahlreicher. Kalt. Stolpere. Schnee. Schwarz. Alles schwarz.

Sonntag, 28. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 92

Die Reaktionen blieben nicht aus, aber weder Schläge noch dauerhafte Penetration konnten meinen Schutzschirm durchbrechen. Ich war apathisch und musste zwangsernährt werden. Ausgerechnet von Gruczynsky erhielt er den Rat, es mit einer Schocktherapie zu versuchen. Tja, der Schock konnte größer nicht sein. Aber das war noch nicht genug. Ich musste mit ansehen, wie meiner Tochter diese verdammte Musik vorgespielt wurde, und wie sie langsam zu einem dieser Monster wurde.

Das schlimme war, dass die Verwandlung von diesen verdammten Eierköpfen hinausgezögert wurde und ihr kindlicher Körper für ihre Experimente genutzt wurde. Nie werde ich ihre hilflosen Schreie vergessen, die aus dem Mund dieser monströsen Gestalt kamen und nichts mehr von dem hatten, was meine Tochter ausgemacht hat. Innerhalb weniger Tage war sie mir fremder als alles andere auf dieser Welt geworden.

Immerhin ließ er sie am Leben und versprach sogar sie freizulassen, wenn ich mich dafür ihm ganz und gar hingeben würde. Ich willigte ein und durfte beobachten, wie ihr betäubter Körper vor das Tor gelegt wurde. Stundenlang stand ich dort auf dem Wachturm, blickte auf sie herunter und beobachtete, wie sie aufwachte und irgendwann benommen davon torkelte. Nach einigen Minuten war die Wirkung des Betäubungsmittels endgültig abgeklungen, und mit einigen schnellen Sätzen verschwand sie aus meinen Augen.

Was dann folgte war die Hölle. Jeder Versuch, mich wieder zurückzuziehen scheiterte und nicht selten bestrafte er mich, wenn ich es wieder nur über mich ergehen lassen hatte. Es war so demütigend, seinen beißenden stinkenden Atem zu riechen, seinen abartigen Schwanz zu berühren und ihn in mir zu spüren. Nicht nur einmal überlegte ich ihm sein Ding einfach abzubeißen, gestand mir dann aber ein, ein gebrochener Mensch zu sein. Es war mir einfach irgendwann gleichgültig und klammerte mich innerlich an jenen Tag im Sommer, während ich alle Erinnerungen an den Tag ihrer Verwandlung zu verdrängen suchte.

Als ihr angekommen seid, hatte ich neue Hoffnungen geschöpft. War ich bisher davon ausgegangen, dass nur noch Schwarzhemden und Monster dort draußen ihr Unwesen trieben, wart ihr der Beweis, dass es noch Menschen gab. Richtige Menschen. Mit der Hoffnung reifte ein Plan und ich begann, die Steuerungsroutinen der Verriegelungen auf meinen Rechner umzuleiten. Zum Glück sind die meisten Schwarzhemden genauso dumm, wie sie aussehen. Ein auf der Krankenstation eingesetzter Sanitäter konnte mich dabei heimlich unterstützen und hat mir ein Makro gebaut, dass die komplette Steuerung auf Knopfdruck auf allen Konsolen deaktiviert.

Leider blieb unser Tun nicht gänzlich unbeobachtet, wurde von meinem Liebsten aber falsch beurteilt. Sebastian landete in einer Zelle, ich kassierte eine Tracht Prügel“, erzählte sie und deutete mit dem Finger auf das fast verblasste Veilchen.

Samstag, 27. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 91

Alles redete ich mir von der Seele und konfrontierte sie mit ihren eigenen Geistern der Vergangenheit und dem Bens Schicksal, die aus Benny Killer geformt haben. Am Anfang eher beiläufig, später immer hellhöriger lauschte sie meinen Ausführungen und zuckte kurz zusammen, als die Sprache auf ihren toten Ehemann und das Spiel auf der Wiese kam.

„Es war letzten Sommer, als alles anfing. Es war der letzte Tag, an dem wir zusammen ausgelassen als Familie verbringen konnten. Danach änderte sich alles. Einsatzbesprechungen und zusätzliche Schichten verlangten nicht nur mir mehr ab, als meinem Familienleben gut tat. Kurz bevor alles zusammenbrach, wurden wir den Schwarzhemden unterstellt. Eine mir schon damals suspekte Truppe rund um Roggel, die sich aus zwielichtigem Gesindel zusammen setzte.

Schon am ersten Tag kam es zu Auseinandersetzungen, weil sich viele meiner Kollegen nicht dem Diktat dieses Abschaums beugen wollten. Zu vielen waren ihre Taten ins Gesicht geschrieben und nicht wenige, hielten mit ihnen nicht hinterm Berg. Am Ende wurden wir faktisch nur noch zur Sicherung herangezogen, während die Schwarzhemden langsam die Kontrolle übernahmen. Einige, weniger skrupellose Kollegen, wechselten gar ihre Gesinnung und schlossen sich ihnen an. Üble Karrieristen, die mit ihren Leistungen viel zu oft ohnehin nicht überzeugen konnten und den Polizeidienst mehr als ihre persönliche Spielwiese, ansahen.

Hier sahen sie ihre Chance und konnten sich uns gegenüber endlich als tolle Hengste aufspielen. Einer von den Schweinen hatte schon in der Ausbildung ein Auge auf mich geworfen und sah seine Chance gekommen. Naja, am Ende sah es so aus, dass Martins Faust seine Nase brach und dafür in den Arrest wanderte. Dort, wo zuvor die Vergewaltiger und Verbrecher aus Roggels Truppe einsaßen, wurde Martin unter dem Gelächter und dem Spott dieser Dreckskerle inhaftiert.

Schlimmer noch fand Roggel selbst Gefallen an mir und begann mir Avancen zu machen. Als erstes wurde ich von ihm persönlich für seinen Stab angefordert. Mein diesbezüglicher Protest erreichte niemand mehr, weil zu dem Zeitpunkt schon große Teile der Organisation zerfallen waren. Kurz darauf kam der Zusammenbruch und bei diesem Schwein brachen alle Dämme. Natürlich wollte er meine Ablehnung nicht so einfach hinnehmen und begann mir zu drohen, danach vergewaltigte er mich.


Die ersten Male schrie und wehrte ich mich, was mit Schlägen und Tritten quittiert wurde. Irgendwann beschloss ich dann, mich einfach hinzugeben. Ich zog mich in mein Innerstes zurück und ließ ihn gewähren. Ich fühlte nichts mehr und klammerte mich in meinen Gedanken an jenen Tag im Sommer. Immer und immer wieder warfen wir uns in meinen Gedanken den Ball zu und so verdrängte ich bald das Elend, in dem ich steckte. 

Freitag, 26. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 90

„Ich garantiere dir so oder so freien Abzug und habe nur die Bedingung, unsere Idee deinem Volk vorzustellen und dein Volk entscheiden zu lassen. Das ist es doch, was ihr so schätzt. Die Möglichkeit eine Entscheidung auf viele zu verteilen, statt selbst mit dieser Entscheidung leben zu müssen. Geh hinaus und verbreite unser Angebot. Mehr verlangen wir nicht.“

Noch einmal ließ ich mir das Angebot durch den Kopf gehen und erkannte darin unsere Chance, dem Wahnsinn zu entgehen, also stimmte ich zu und fand mich in unserem Wagen wieder. Neben mir saß noch immer Anabela. Ihr Kopf ruhte auf dem Lenkrad und aus ihren Augen schossen Tränen, während sie hemmungslos vor sich hin schluchzte.

Sprachlos sah ich zu ihr hinüber und versuchte meinen Arm um sie zu legen, was allerdings durch einen brennenden Schmerz quittiert wurde. Beim nächsten Versuch drehte ich mich herum und streichelte mit meiner rechten Hand sanft über ihren Kopf. Durch die Berührung aufgeschreckt schnellte sie nach oben und sah mir tief in die Augen. Ihre Augen waren durch die Tränen verquollen und ihr Mund zu einer Grimasse der Trauer verzogen.

„Ich habe sie gesehen“, schluchzte sie undeutlich. „Meine Tochter, sie lebt. Sie hat mit mir gesprochen und mir erzählt, dass es ihr gut geht. Sie lebt. Mein Gott, ich dachte, ich würde sie nie wieder sehen, nach dem was ihr Roggel angetan hat. Sie bat mich, den Menschen eine Botschaft zu überbringen und dass ich bald wieder mit ihr zusammen sein könnte.“

Ihr Kopf fiel gegen meine unverletzte Schulter und der Rest ihrer Klagen ging ihrem Geheule unter und langsam bekam ich eine Idee davon, was die Schwarzhemden ihrer Tochter angetan haben mochten. Möglicherweise stand sie nur weniger Meter vor uns, in diesem sich jetzt langsam auflösenden Meer aus behaarten Körpern, die sich ohne uns eines weiteren Blickes zu würdigen von uns zurück zogen und nur zertrampelten Schnee zurück ließen.

Einzig und allein das auf dem Schnee liegende Blut und die leeren Wracks zeugten wenige Minuten später von dem, was hier stattgefunden hatte, während Anas Tränen meine zwei übereinander liegenden Uniformen durchnässte. Erst Minuten später, nachdem die Monster abgezogen waren, beruhigte sie sich und rappelte sich wieder auf.

„Es geht schon wieder. Tut mir leid, es war ... meine Tochter … Sie hat mit mir gesprochen. Sie will wieder mit mir zusammen sein, aber ich habe ihr gesagt, dass das nicht geht, dass wir jetzt in zwei verschiedenen Welten leben, ich aber so froh bin, dass es ihr gut geht. Danach verschwand sie und ich sah die Weißen, wie sie in deine Richtung starrten. Dann begriff ich, dass ich sie endgültig verloren habe.

Mein Gott, Konrad, was sind das für Dinger? Was weißt du, was ich nicht weiß?“


Ihrem durchdringenden Blick und den fordernden Worten nachgebend erzählte ich ihr alles, während sie die Fahrt zu unserem Ziel wieder aufnahm. Von Anfang an schilderte ich ihr die Erlebnisse in der Kirche, die Geschichte des Soldaten, mein erstes Erlebnis in Gefangenschaft und über meine neu gefundene Fähigkeit, die Emotionen und Erinnerungen anderer Menschen empfangen zu können. 

Donnerstag, 25. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 89

„Und wie stellt ihr euch das vor?“, platzte es aus mir heraus. „Wollt ihr uns als Schlachtvieh halten? Ich weiß nicht mehr, was oder wem ich glauben soll. Ich habe Aufnahmen gesehen, wie ihr in von Menschen kontrolliertes Gebiet eingedrungen seid. Männer, deren Wort in meinen Ohren glaubhaft klingen, stellten die Sachlage etwas anders dar.“

Meine Worte waren nicht ohne Wirkung. Mit Wucht schlug der Dicke auf den Tisch und beinahe wäre ihm die Pfeife dabei aus dem Mund gefallen. Nur knapp griff er mit seiner anderen Hand danach und hob sie auf den Tisch.

„Glaubhaft“, brüllte er. „Denkt ihr denn, ihr habt eine glaubhafte Alternative? Wir sind euch zahlenmäßig und physisch überlegen und reichen euch die Hand zu einer gemeinsamen Zukunft. Natürlich gehen wir nicht von einer gleichberechtigten Partnerschaft aus und natürlich werden wir Bedingungen stellen. Aber viele von euch werden wieder ein normales Leben führen können.“

„Was mein Freund sagen will“, fuhr der Bärtige fort „ist, dass unsere Zukunft vor allem auf gegenseitigem Respekt und Sicherheit basieren wird. Ihr lebt unter unserem Schutz und dafür werdet ihr uns von Zeit zu Zeit einen Gefallen erweisen und unsere Forderungen erfüllen. Dafür dürft ihr wieder in eure Häuser zurückkehren und zu einem normalen Leben. Einer Führungskaste gewähren wir besondere Privilegien. Alles was ihr tun müsst, ist die Kooperation mit uns einzugehen.“

Fast freundlich lächelte er mich an, während sein Gegenüber noch immer verärgert und aufgebracht drein blickte. Das ganze erinnerte mich an das Spiel, in dem zwei Seiten verschiedene Rollen einnahmen, um mit Zuckerbrot und Peitsche das Opfer psychologisch auf die eigene Seite zu ziehen. Natürlich hatten sie damit Recht, dass die Alternative heißen würde, ein Leben lang in einem engen, stickigen Bunker zu verbringen und mit der Zeit um Vorräte kämpfen zu müssen. Dann war da noch das Problem, dass wir gerade von Tausenden von ihnen umzingelt waren, und eine Absage eventuell nicht zu unserem Vorteil gereichen würde.

„Von welchen Gefälligkeiten reden wir?“

„Nun, nichts Besonderes“, antwortete der Bärtige ruhig und gefasst. „Ihr vermehrt euch und teilt eure Population mit uns. Ihr gebt uns die Kranken und die Schwachen und wir euch Frieden und Freiheit.“

Obwohl ich mit einer ähnlichen Antwort gerechnet hatte, war ich schockiert über die Art und Weise, wie sie mir überbracht wurde.

„Menschenopfer? Ihr redet davon, dass wir euch Menschen opfern sollen?“, polterte ich erzürnt los. „Das ist keine Partnerschaft, das ist Mord und Kannibalismus.“


„Das ist vor allem eure einzige Chance und deine einzige Chance. Wir können dich zerfetzen und deinen Tod zu einer einzigen Qual machen, wenn du willst. Oder du willigst jetzt und sofort ein, mit uns zusammen zu arbeiten“, dröhnte der Fette, während der andere erneut den Besonnen gab.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 88

Dann bewegten sie sich wieder und mit ihnen die Fahrzeuge. Wie Ameisen schleppten sie sie mit sich und bugsierten sie von der Straße herab, begleitet von knirschenden und schleifenden Geräuschen. Der dahinter liegende Gedanke war offensichtlich. Solange sie die Panzerung nicht durchdringen konnten, mussten sie der Besatzung die Möglichkeit nehmen, sich aus eigener Kraft befreien zu können. Ihre Reise würde wahrscheinlich in einem See, Fluss oder einer Grube enden.

Noch immer gebannt von der Urgewalt dieses Kollektivs begann ich erst nach einiger Zeit mir Gedanken über unser eigenes Schicksal zu machen. Ein Blick in Richtung meiner Fahrerin zeigte mir, dass es ihr ähnlich ging.

„Was war das?“, fragte sie, als sie meinen auf ihr ruhenden Blick bemerkte.

„Das weiß ich nicht, aber wir sind noch am Leben und das würde ich im Augenblick als gutes Zeichen werten“, erwiderte ich noch immer beeindruckt von dem, was sich eben vor unseren Augen abgespielt hatte.

„Warum fallen sie nicht über uns her?“, hakte die Ex-Polizistin nach, obwohl sie mit keiner Antwort rechnete und weil ich keine wusste, blieb ich einfach stumm und starrte weiter auf das, was da draußen auf uns lauerte.

Plötzlich lösten sich einige Gestalten aus ihren Reihen und traten vor uns. Ihr Äußeres war eindeutig genauso wenig menschlich wie das der anderen, unterschied sich aber von den uns zwei bekannten Spezies. Ihr Fell war blütenweiß wie der Schnee, ihre Augen dunkel wie die Nacht und ihr Körperbau weniger maskulin. Auch wirkten ihre Zähne und Krallen nicht so deformiert, wie bei den uns bisher untergekommenen Vertreter ihrer Art.

Noch während ich überlegte und den fragenden Blick meiner Begleiterin auf mir spürte, setzte ein unheimlicher an Musik erinnerndes Geräusch ein, dass aus den Mündern der Weißfelle stammte. Sofort erkannte ich es als das Geräusch aus der Kirche und wie damals hüllte es mich ein und nahm mich mit auf eine Reise. „Wehr dich nicht dagegen“, flüsterte ich Anabela noch zu und begab mich auf eine Reise in die Innere Einkehr.

„Scheint so, als hättest du es geschafft“, begrüßte mich der Dicke, bevor er genüsslich an seiner Pfeife zog und den Rauch in Kringeln wieder auspustete.

„Du hast es uns aber auch nicht leicht gemacht und viele von uns wurden heute getötet. Und doch waren sie bereit, sich für dich zu opfern. Ich hoffe, du weißt warum“, ergänzte der Bärtige und sah mir tief in die Augen, die die Schwärze der Weißfelle angenommen hatten. Auch die Augen seines Gegenübers waren plötzlich tiefschwarz, oder waren sie das schon immer. Ich konnte mich nicht daran erinnern.


„Es geht um mehr als dein Leben, es geht um unsere gemeinsame Zukunft. Unser gemeinsames Zusammenleben auf diesem Planeten. Um nicht mehr und auch nicht weniger“, setzte er nach. 

Dienstag, 23. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 87

Meine Bedenken festigten sich, als sich das Meer vor uns nicht mehr teilte. Regungslos standen sie vor uns und erwarteten uns ruhig. Auch als Anabela keinerlei Anstalten machte, ihre Fahrt zu verlangsamen, standen sie weiter wie eine unverrückbare Einheit vor uns. Noch mindestens über hundert Meter erstreckten sich ihre Leiber. Eine undurchdringliche Masse an Leibern, die auch bei voller Fahrt und besseren Straßenbedingungen für uns unüberwindbar war.  

aufhalten würden. Dessen gewahr rief ich Anabela zu die Fahrt zu verlangsamen und obwohl ihr Gesicht wenig Zustimmung ausdrückte, hob sie ihren Fuß vom Gaspedal und verlangsamte so unsere Fahrt.

Der Schnee bremste die Geschwindigkeit nur unwesentlich ab und noch immer viel zu schnell schossen wir auf die erste Reihe zu. Erst wenige Sekundenbruchteile vor dem Aufprall sprangen sie zur Seite und gaben immer nur so viel Weg frei, dass die nächste Reihe nicht von unserem Kühler gerammt wurde. Gleichzeitig sah ich sie im Rückspiegel ihre Krieger, wie sie hochsprangen und auf unserem Fahrzeug landeten. Wo sie konnten krallten sie sich fest und belasteten das Fahrzeug mit ihrem Gewicht.

Zu viele von ihnen brachten den Wagen aus der Spur und plötzlich noch gerade dahin rollend brach das Heck aus und drehte den Wagen nach links. Fluchend versuchte Ana gegen zu lenken, schaffte es aber nicht, die Vorderachse zurück auf die Spur zu bringen. Im nächsten Moment krachte etwas gegen unsere Seitenwand und dem ersten Aufprall folgten viele weitere. Mit der ganzen Restwucht krachten wir gegen Reihen der Monster, die mit ihren Körpern unsere Fahrt so weit verlangsamten, dass wir schließlich nach wenigen Metern zum Stillstand kamen.

Noch immer zur Seite gedreht sah ich, wie unsere Verfolger auf die ersten Reihen stießen. Dieses Mal sprangen sie nicht zur Seite. Mit vollem Körpereinsatz stemmten sie sich gegen die Motoren der gepanzerten Transporter und opferten sich für das Kollektiv. Hunderte starben durch den Aufprall, zerfetzte Körper wurden hochgeschleudert und über die Köpfe der anderen hinweg geschleudert. Die anderen wurden unter den schweren Reifen zerquetscht und hinten wie Abfall ausgespuckt.

Aber auch die schweren Fahrzeuge konnten die Wand aus Körpern nicht durchbrechen und verloren kontinuierlich an Geschwindigkeit. Schon schloss sich die Wand hinter den nachfolgenden Fahrzeugen wieder und dann begann der Gegenangriff. Wie auf ein stummes Kommando stießen sich die Krieger vom Boden ab und landeten auf den Fahrzeugen unserer Verfolger. Während ihre scharfen Krallen an der Panzerung der Militärfahrzeuge keine Schäden anrichteten, schnitten sie durch das dünne Metall und die Planen der Begleitfahrzeuge wie ein heißes Messer durch Butter.


War bis eben die Szenerie in unheimliche Stille getaucht, die nur durch Motorengeräusche unterbrochen wurde, setzte jetzt ein Geheul aus Tausenden Kehlen ein, das so schnell verstummte, wie es eingesetzt hatte. Was dann folgte, war einer Explosion nicht unähnlich. Ein Ruck ging durch die Leiber und die Fahrzeuge verschwanden unter einem undurchsichtigen Gewimmel. Wie Wellen schlugen sie auf, brandeten über die Fahrzeuge hinweg und mit jeder Welle schrumpfte der Radius der Wellenbewegungen bis nach und nach die ersten Fahrzeugwracks darunter auftauchten. Türen waren herausgerissen, Fenster zerschlagen und von den Insassen fehlte jede Spur. Nur da, wo zuvor die gepanzerten Fahrzeuge standen, wollten die Wellen nicht enden und zirkulierten hin und her. 

Montag, 22. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 86

Zu einer Antwort kam ich nicht mehr, denn als wir eine Kuppe überquerten verschwand der Schnee plötzlich. Das heißt, er war schon noch da, aber er war nicht mehr zu sehen, weil er unter tausenden Grauer und Brauner Körper begraben lag. Wie eine Wand standen sie da, Schulter an Schulter und in ihren Augen reflektierte sich die Sonne. Ihre Krallen blitzten und die offen stehenden Münder präsentierten ihre Schneidzähne.

Regungslos standen sie da und beobachteten, wie unser Wagen weiter auf sie zuschoss. Von einer Sekunde auf die andere hatte sich unsere Lage von hoffnungslos auf so richtig beschissen verschlechtert. Hinter uns die Schlächter, vor uns die neue Nemesis der menschlichen Rasse. Pest oder Cholera, zu Tode gequält, oder aufgefressen werden. Was für eine Wahl. Was für ein scheiß Tag.

„Halt dich fest“, brüllte meine Begleiterin plötzlich und ließ den Motor aufheulen. Leicht brach das Heck aus, während der Wagen einen Ruck nach vorne machte. Statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, zog sie es vor zu kämpfen. Einen hoffnungslosen Kampf gegen ein Meer an Leibern, der so vielversprechend war, wie gegen eine Flutwelle anzufahren, in der Hoffnung sie durchstoßen zu können.

Auf gerader Strecke gelang es uns immerhin die Spur zu halten und trotz der unverantwortlichen Geschwindigkeit nicht als Wrack im Wald zu landen. Immer näher kamen wir dem noch immer still dastehenden Meer aus behaarten Körpern, Reißzähnen und Krallen. Wir erkannten förmlich das Weiße in den Augen unserer Gegner, als das Wunder geschah. Wie vor Moses teilte sich vor uns das Meer aus Körpern und gab eine Trasse frei. Ohne zu zögern lenkte Anabela den Wagen in die Lücke. Natürlich bestand noch immer die Möglichkeit, in eine Falle zu geraten, aber eine kleine Chance ist besser als keine Chance.

Ohne Vorkommnisse passierten wir die erste Reihe und ließen sie zusammen mit anderen hinter uns. Zwischen den normalen Kreaturen stachen die Krieger hervor, um die sich die anderen wie Grüppchen scharten. Wie Befehlshaber im Kreise ihrer Soldaten standen sie da und ignorierten uns mit sturem Blick nach vorne. Während sich vor uns das Meer weiter öffnete, schloss es sich hinter uns wieder und bildete zwischen uns und unseren Verfolgern einen Verteidigungswall aus lebenden Körpern.

Im Rückspiegel war zu erkennen, dass diese jetzt auch über die Kuppe waren und nicht wirklich daran dachten, von ihrer Verfolgung abzulassen. Genau wie Anabela wählten auch sie die direkte Konfrontation. Während letztere die Geschwindigkeit langsam nach unten korrigierte, schmolz der Abstand zwischen uns und den Verfolgern rapide. Zum ersten Mal konnte ich in der Wolke aus aufgewirbelten Schnee konkrete Formen erkennen, darunter die zwei gepanzerten Truppentransporter, die dank ihres Gewichts und des Allradantriebs auch bei diesem Wetter wie auf Schienen geführt über die Straße pflügten.

So unterschiedlich die Monster auch aussahen, so einheitlich wirkten sie in der Gruppe. Durch die nicht enden wollende Ansammlung führte unser Weg weiter und immer bot sich uns das gleiche Bild aus grauen und braunen Leibern. Noch nie zuvor war ich ihnen so nahe, ohne von ihnen angefallen zu werden. Zumindest im Moment noch nicht.

Sonntag, 21. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 85

Die weiße Pracht legte der Landschaft den Stempel des Gleichförmigen auf, was mir die Orientierung zusätzlich erschwerte. Es kamen Momente, in denen ich mir sicher war, dass wir den falschen Weg gewählt hatten. Nur um dann im nächsten Moment wieder ein Landschaftsdetail zu enthüllen, dass auch unter der weißen Schneedecke noch so markant war, dass ich mir ob unseres Weges wieder sicher sein konnte. Schreck und Erleichterungen wechselten sich ab und die Verfolger sorgten für eine konstante Angespanntheit.

Nach jeder Kurve war da die Hoffnung, dass sie die Verfolgung abgebrochen hatten und mit jedem Auftauchen der Schneewolke im Rückspiegel schwand diese so schnell wie ein Schneemann in der Mikrowelle. Unsere Situation erschien immer aussichtsloser, was die gerade erst wieder neu gewonnene Entschlossenheit immer stärker zersetzte. Hoffnungslosigkeit trat an die Stelle der Hoffnung und Angst umklammerte unsere Herzen.

Es war mir unmöglich abzuschätzen, wie nah wir unserem Ziel bereits waren. Zu sehr war ich damit beschäftigt, der bedeckten Landschaft Details zu entreißen. Jedes neue Detail ordnete ich sodann in meiner Erinnerung jenem Tag zu, an dem wir gehofft hatten, in der Vollzugsanstalt neue Verbündete zu gewinnen und unsere Situation zu verbessern. Jedes Teilstück war ein Andenken an jene Männer, die mich begleitet hatten, und ihr Leben lassen mussten. Allein Martins Schicksal war mir ein Rätsel. Obwohl mir der Verräter komplett egal sein konnte, musste ich plötzlich an ihn und seinen feigen Verrat denken. Wie er zuvor große Reden geschwungen hatte und wie schnell er vor Angst zusammen geklappt war. Ohne dass ihm ein Haar gekrümmt wurde, hatte er jene verraten, die uns Zuflucht und Nähe geschenkt hatten. Alles nur, um seine nutzlose Haut zu retten und seinen Kopf aus der imaginären Schlinge zu ziehen. Seine Schildbürger oder Schildwasauchimmer hätten es nicht besser hinbekommen. 

In dem Zusammenhang erinnerte ich mich an Bens Worte, dass es ihm gut ginge. Vielleicht hatte er ja sein Ziel erreicht und Verbündete auf seinem Kreuzzug gegen die Schildhäuser gefunden. Verbündete, die seine wirren Phantasien ernst nahmen, und ihn in ihrer Mitte willkommen hießen. Sicher kreuzten sich dann seine kruden Phantasien mit der noch kruderen Gedankenwelt seiner neuen Kameraden und zeugte dabei einen ideologischen Bastard, der sich aufmachte, den letzten Rest unserer einstigen Gesellschaft zu tilgen.

„Scheiße scheiße, scheiße.“

Anabelas Stimme riss mich aus meinen Gedanken.


„Sie holen immer weiter auf. Wir werden beide draufgehen und alles nur, weil du so ein verdammter Sturschädel bist. Hoffentlich bist du glücklich, wenn sie dir eine Kugel in deinen Schädel jagen. Oh, du wirst glücklich sein, weil dann die Qualen enden werden. Glaub mir, ich kenne Roggel und ein schneller Tod wird uns nicht vergönnt sein. Was er uns antun wird, wird schlimmer als der Tod sein. Ich weiß das, ich habe das schon einmal durchgemacht.“

Samstag, 20. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 84

In der Dunkelheit verschwand das Lachen und machte Schreien Platz, die von Anabela stammten. Ein Schmerz zuckte durch meinen Unterleib und ein abartiges Gefühl erfasste mich. Trotz der Schmerzen war dieses Gefühl der Scham und Erniedrigung der eigentliche Grund der Schmerzen. Etwas zerbrach in mir und die Dunkelheit konnte es nicht verbergen. Das Grunzen, die abartigen Laute eines Mannes, der sich an einem mir fremd gewordenem Körper verging und jegliche Menschlichkeit dabei vermissen ließ. Immer weiter zog ich mich in die Dunkelheit zurück, bis ich dem Körper zur Gänze entrückt war.

Die Dunkelheit legte sich und Licht fiel auf einen leblosen Körper, in dem ich den Mann wieder erkannte, der eben noch mit dem Kind auf der Wiese herumtollte. Noch bevor ich die Blutlache sah, wusste ich, dass er tot war und trauerte um ihn. Die Trauer holte mich zurück in diese Welt und zog mich in den Körper, den ich zuvor mühsam verlassen hatte. So sehr ich mich auch in die Dunkelheit zurück wünschte, war ich doch dem Anblick hilflos ausgesetzt. Weitere Details brannten sich in meine Augen. Die Schusswunde an seiner Schläfe, die hässlichere Austrittswunde an der anderen Seite des Schädels und der in seinem Gesicht fest gemeißelte Gesichtsausdruck, der mir noch im Augenblick seines Todes Mut und Zuversicht schenken wollte. Furchtlos und ohne um sein Leben zu flehen hatte er dem Tod ins Auge gesehen.

Ein Schrei drang aus meinem Mund, ein schier endlos wirkender Schrei der Verzweiflung. Auch als die Lungen schmerzten, schrie ich weiter und verstummte irgendwann. Statt in dem Raum zu stehen, saß ich wieder auf dem Beifahrersitz, neben der Frau, die in meinen Gedanken eben noch um den Tod ihres Mannes trauerte. Ihre Trauer war zu meiner Trauer geworden und ihr Schmerz zu meinem Schmerz. Jetzt konnte ich verstehen, was sie durchmachen musste, verstand ihre Gefühle.

Der Wunsch ihrem Leben ein Ende zu setzen, war kaum zu ertragen, erschien mir aber plötzlich plausibel und nachvollziehbar. Ich erkannte aber noch etwas anderes in ihrem Inneren. Noch hatte sie nicht aufgegeben. Etwas hielt sie am Leben, sorgte dafür, dass sie nicht fiel. Ein Licht, das nicht erloschen war und auch dann weiter leuchtete, als sie sich in die Dunkelheit geflüchtet hatte. War es zuvor noch ein Funken in absoluter Dunkelheit, leuchtete es mittlerweile klar erkennbar, flackerte und wuchs von innen heraus, während ihr Lebenswille proportional dazu anwuchs und ihre Trauer weiter und weiter erstickte. Mit zunehmendem Lebenswillen erlosch auch meine Verbindung und die Gefühle wurden zu Ahnungen und die Ahnungen zu Erinnerungen.


Auch wenn Ana ihren Lebenswillen wieder gefunden hatte, war es noch nicht überstanden, noch nahm der Abstand der Verfolger ab und auch die gefundene Entschlossenheit würde uns nicht helfen, sie hinter uns zu lassen. Verbissen kämpfte Anabela mit den Straßenbedingungen, erhöhte vorsichtig die Geschwindigkeit und oft waren es nur Zufälle, dass wir nicht ziellos über die vom Schnee verwehten Straßen rutschten. Mehr als einmal war die Position der asphaltierten Straße nur mehr zu erahnen und viel zu häufig mussten wir uns an den tief im Schnee steckenden Leitpfosten orientieren. 

Freitag, 19. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 83

„Bist du eigentlich blöd?“, schrie sie mich an. „Ich biete dir das Leben und du wählst freiwillig den Tod? Was kümmert dich mein Schicksal und mein Leben? Ich bin doch schon lange tot. Ich habe nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Hätte ich den Mut dazu aufgebracht, hätte ich meinem Leben schon lange ein Ende bereitet. Spätestens nach dem, was meiner Tochter zugestoßen ist, ist alles besser als weiter dieses Leben zu leben und täglich den Schmerz zu spüren, der wie eine Klinge in meinem Herzen sitzt.“

Da verstand ich, dass sie sterben wollte. Nicht meine Rettung war ihr Ziel, sondern ihr eigener Tod. Ich weiß nicht, ob es Egoismus, oder die späte Schwärmerei eines Mitt-Dreißigers war, aber das konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Ihr Zorn und ihre aufflammende Trauer öffneten ihre Aura und erlaubten mir für einen Moment ihre Stimmung zu erfassen.

Es war nicht wie bei Ben, der sich mir als offenes Buch präsentierte. Viel eher war es wie der erste Kontakt mit Sackschneider, der es mir erlaubte, Tendenzen zu erkennen. Einfühlsame Worte waren demnach im Moment nicht der richtige Weg, einen Stimmungswandel zu erzeugen. Wenn, dann musste ich ihre Rage weiter anfeuern, um so ihren Zorn nicht gegen sich, sondern gegen ihren Peiniger zu richten.

„Dann lerne damit zu leben, wie so viele andere vor dir“, brüllte ich zurück. „Lebe dein Leben nicht trotz der Verluste, sondern wegen ihnen. Sie würden es nicht wollen, dass du jetzt alles hinwirfst. Dann wäre ihr Schicksal umsonst gewesen. Stattdessen solltest du daraus die Kraft und den unbedingten Willen ziehen, dich an ihren Peinigern zu rächen und das geht am besten, indem du lebst. Dein toter Kadaver wäre für Roggel doch nur eine Befriedigung, doch dein Überleben sitzt wie ein Dorn in seinem Fleisch und wird ihn mehr erzürnen, als hundert Kadaver seiner Vasallen.“

Mein Hals schmerzte, und doch brüllte ich weiter auf sie ein.

„Aber stirb du ruhig. Geh den einfachen Weg und wirf alles hin, wofür du gelebt hast. Opfere dich und mich gleich mit. Mach doch. Spring raus und nimm den Kampf gegen die Übermacht auf, wenn du nichts mehr zu verlieren hast. Warum überhaupt so umständlich? Jag dir doch gleich hier und jetzt eine Kugel durch den Kopf, oder soll ich das für dich machen? Steig doch gleich noch aufs Gaspedal, dann hab ich es auch hinter mir. Ich will nicht dein Alibi sein, deine Rechtfertigung für einen Selbstmord. Du wirst mich ebenfalls auf dem Gewissen haben. Dein Tod ist kein Ausweg und er wird auch kein Ausweg für mich sein. Lebe. Lebe für deine Familie und für mich.“

Tränen schossen ihr in die Augen und ich spürte ihren Widerstand schwinden. Trauer übermannte den gefallenen Engel und öffnete ihren Geist immer weiter. Statt Gefühle empfing ich Bilder, ein Mann, ein kleines Mädchen. Es waren Bilder einer glücklichen Zeit. Die Sonne schien heiß vom Himmel, grün breitete sich eine saftig grüne Wiese vor ihnen aus und darauf lag eine Decke. Die Decke war bedeckt mit Käse, Brot, Wein und Limonade. Bienen surrten von Blume zu Blume und ein Ball flog in Richtung des Mädchens. Ihre langen braunen Haare flogen ungezügelt herum, während sie in Richtung des Balls lief.

Eine männliche Stimme rief nach Carmen und der Ball flog zurück auf den Ursprung der Stimme. Dort stand ein großer und stämmiger Kerl mit sanften Zügen, der den Ball mit gespielter Tollpatschigkeit nur knapp erhaschen konnte und ihn übertrieben hochstupste, um ihn am Ende doch auf den Boden fallen zu lassen. Zusammen lachten und tobten sie auf der Wiese, bis sich der Himmel verdunkelte. Immer dunkler wurde es um sie herum, bis das Bild endgültig nur noch schwarz war.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 82

„Nein. Wir fliehen gemeinsam und wenn es sein muss, sterben wir gemeinsam. Du hättest doch keine Chance und würdest sie mit den zwei vielleicht noch halb vollen Magazinen doch ohnehin nicht lange genug aufhalten können. Vor allem will ich heute nicht noch einen Menschen verlieren.“

„Nein, du verstehst nicht“, begann sie auf meinen Einwurf einzugehen. „Ich habe nichts mehr zu verlieren. Dieses Schwein hat mir alles genommen, was ich hatte. Meinen Mann, mein Kind und meinen Stolz. Er hat mich zu seinem Objekt gemacht, und mich mit Schlägen und Drohungen gebrochen. Er hat mir alles genommen, wofür ich gelebt habe. Alles andere hat mir diese Seuche genommen, oder wie auch immer die Eierköpfe diesen Ausbruch nennen wollen. Für mich ist es eine Seuche, die unsere Gesellschaft zersetzt und all jene befallen hat, die nicht für das standen, was von Männern wie Roggel repräsentiert wird. Nicht die Unschuldigen haben dieses Armageddon überlebt, sondern Verbrecher, Verbrecher und Menschenhasser.

Scheinbar gibt es aber noch Menschen mit Anstand, die das bewahren, was sich Ordnung und Anstand schimpft. Eine Eigenschaft, die nicht untergehen darf und bewahrt werden muss. Deswegen müssen wir alles tun, um Männer wie Roggel aufzuhalten, bevor er seine Vision einer neuen Ordnung in einer von diesen Monstern besetzten Welt umsetzen kann. Die Welt um uns herum stirbt und wenn Männer wie er das Sagen haben, ist sie schon tot.“

Je länger sie sprach, desto kühler wurde ihre Stimme. Emotionen waren aus ihr gewichen und hatten einer Grabeskälte Platz gemacht, die mich ängstigte. Vor allem überraschte mich die Erwähnung von Mann und Kind. Möglicherweise konnte ich da ansetzen, sie davon überzeugen, dass es vielleicht doch noch etwas gab, wofür es sich zu leben lohnte. Und wenn es nur deswegen war, eine Erinnerung an zwei Menschen aufrecht zu erhalten.

„Was wurde aus deinem Mann und deinem Kind?“

„Darüber kann und will ich nicht sprechen“, erwiderte sie kalt. „Es war ein Verbrechen. Ein Verbrechen wider jedwede Menschlichkeit, ausgeführt von einem gewissenlosen Verbrecher und seinen gewissenlosen Schergen. Das tut jetzt auch nichts zur Sache. Wichtig ist jetzt, dass wir eine Entscheidung treffen. Du musst dich für das Leben entscheiden und ich, dir dieses Leben zu ermöglichen.“

Einmal mehr obsiegte bei mir mein Bauch über die Vernunft. Ja, vielleicht hätte mir ihr Opfer den nötigen Vorsprung ermöglicht, vielleicht waren wenige Minuten genügend Zeit, um den Abstand so weit zu erhöhen, dass sie ihre Verfolgung abbrachen. Vielleicht war es aber nur ein weiteres sinnloses Opfer.

„Wenn du aussteigst, werde ich auch nicht weiterfahren. So oder so werden wir beide beim Versuch draufgehen, aber die Chancen stehen besser, wenn du einfach hier bleibst und weiter fährst.“


Anstatt Dankbarkeit schlug mir Verbitterung entgegen. Lobeshymnen hatte ich nicht erwartet, aber wenigstens ein Einlenken. Stattdessen beschimpfte sie mich. 

Mittwoch, 17. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 81

Erst eine hinter uns aufziehende Schneewolke vermochte mich aus meiner kommunikativen Starre zu reißen und mich der prekären Situation gewahr werden zu lassen, in der wir uns zwangsläufig befanden. Der Zustand der Straße machte eine schnelle, oder gar unbemerkte Flucht unmöglich und selbst wenn, waren unsere Spuren noch solange zu sehen, bis sie ein plötzliche Schneeschmelze unsichtbar werden ließ. So blieben also nur die Flucht und der Rückzug zum Bunker.

Der hinter uns aufsteigenden Schneewolke nach zu urteilen, wollte Roggel das aber offensichtlich nicht zulassen. Schon hatte er seine Schergen entsandt, uns in seine Obhut zurück zu überführen. Ob lebend oder tot spielte dabei wohl keine Rolle. Selbst wenn es ihnen gelang, uns lebend zu fassen, war die Wahrscheinlichkeit den Abend zu erleben verschwindend gering. Alles, worauf wir hoffen konnten, war ein schneller Tod. Vielleicht wollte er uns aber auch einfach nur daran hindern, die Bunkerbesatzung zu warnen, um dort überraschend und mit möglichst wenigen Verlusten auf die dort liegenden und lebenden Ressourcen zugreifen zu können.

Das hieße, dass wir immerhin einen schnellen Tod starben. Angesichts dessen, was ich in dem ehemaligen Gefängnis über den Umgang mit Gefangenen lernen musste war dies aber ein Vorhaben, das mit aller Entschlossenheit zu verhindern war. In meiner Phantasie entstanden Bilder von unserer Zuflucht, wie Schwarzhemden durch die Gänge schwärmten, die Männer exekutierten, Frauen schlugen und Kinder rücksichtslos zur Seite traten, um sie von ihren Eltern zu trennen. Immer weiter drangen sie in meinen Gedanken in den Komplex vor um sich das zu holen, was sie für ihr eigenes Überleben benötigten. Für ihr Überleben und zur Befriedigung ihrer niederen Gelüste. Dass Sackschneider daran nicht mehr beteiligt war, erfüllte mich mit einer tiefen und irrationalen Befriedigung.

Allen Hoffnungen zum Trotz verringerte sich der Abstand zwischen uns und der Schneewolke. Ob es an Anas vorsichtigem Fahrstil, oder einer eventuell besseren Winterausrüstung unserer Verfolger lag, vermochte ich nicht zu sagen. Unumstößliche Tatsache war, dass sie näher und näher kamen und wir nichts dagegen unternehmen konnten. Ein Umstand, der natürlich auch meiner Fahrerin nicht verborgen blieb.

„Denkst du, du kannst das Fahrzeug lenken?“

Die Frage durchbrach die Mauer des Schweigens und traf mich unvorbereitet.

„Was? Wieso? Du fährst doch schon“, erwiderte ich zugegeben perplex und überrascht auf ihre Frage.

„Aber nicht mehr lange. Sie holen viel zu schnell auf und wenn wir so weiterfahren werden sie uns in weniger als einer halben Stunde eingeholt haben. Ich kann nicht schneller fahren, wenn wir euren Bunker heil erreichen wollen. Das weißt du. Es gibt nur eine Möglichkeit. Ich steige aus und halte sie auf. Du fliehst, und warnst deine Kameraden vor Roggel, berichtest ihnen von den Gräueltaten, die sie im Namen der menschlichen Rasse verüben und dann nehmt ihr diesen verdammten Ort auseinander“, entgegnete sie mir entschlossen.

Verwirrt blickte ich in ihr Gesicht und fand die Entschlossenheit ihrer Stimme in ihren Gesichtszügen wieder. Aus meinem Engel war ein gnadenloser Racheengel geworden, der bereit war, sich für seine Rache aufzuopfern. Aber ich wollte das nicht. Nicht noch mehr Menschen sollten heute für mich ihr Leben geben müssen. Wie viele Leben ist ein Menschenleben wert? Wie viele Menschen darf man opfern, um ein anderes zu retten? Wie viele Seelen wollte ich noch auf mein Konto laden? Im Grunde war ich doch nicht besser als Anabela oder unsere Verfolger. Im Herzen waren wir alle Menschen und kein Leben ist höher als das eines anderen zu bewerten. 

Dienstag, 16. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 80

Erst ein Treffer durch die Kniekehle brachte ihn zu Fall. Wie ein morscher Ast knickte sein Fuß unter seinem Gewicht zusammen, während sich auf seinem Gesicht Erschöpfung, Angst und Schmerzen spiegelten. Noch im Fall bohrte sich eine weitere Kugel in seinen Rücken und trat vorne in einem dem Fallwinkel entsprechenden schrägen Winkel wieder aus.

Mit dem Gesicht voran fiel er in den Schnee, unfähig den Sturz mit seinen Händen noch irgendwie aufzuhalten, oder zu mindern. Während ich noch überlegte, wie wir ihm helfen könnten, tat Ana das einzig richtige und fuhr los. Ohne einen weiteren Blick zurück lenkte sie den Wagen aus dem Tor und somit vorerst aus der Gefahrenzone. Das letzte was ich von ihm sah war sein Gesicht. Unter Aufbringung aller Kräfte hatte er es geschafft, den Kopf noch einmal leicht anzuheben. Schnee hing in seinen Augenbrauen und Blut lief aus einem Mundwinkel. Trotzdem war jeder Ausdruck des Entsetzens aus seinem Gesicht gewichen. Eher wirkte sein Gesichtsausdruck so, als wäre er am Ende einer langen Reise angekommen. Er konnte endlich Frieden schließen mit sich und seiner Vergangenheit.

Das wollte ich nicht wahrhaben. Noch nicht. Noch überwog der Schmerz über seinen Verlust. Für kurze Zeit war ich sprachlos, konnte nicht verstehen, wie diese Frau so kaltblütig unseren Helfer im Stich lassen konnte. Ich hatte Ben mein Leben zu verdanken und er verlor seines, während er meines rettete. Schon wieder wurde ein Leben gegen ein anderes getauscht und erneut beschäftigte mich die Frage, wie viele Leben mein eigenes wert war. Hatte ich das Recht, mein eigenes Wohl über das von diesem Menschen zu stellen, der gerade erst erfahren hatte, dass er ein Gewissen besaß? Langsam verstand ich dann aber seinen letzten Gesichtsausdruck Ich begriff, dass er seinen Frieden gemacht hatte, und dass er bereit war, für seine Sünden zu büßen. Sein Opfer war sein Geschenk an uns und seine Sühne für die Leben, die er genommen hatte.

Erneuter Beschuss riss mich aus meinen Gedanken an einen Mann, der vor mir nie das Gefühl wahrer Freundschaft kennenlernen durfte. Aufgrund der Schneedecke kamen wir viel zu langsam vorwärts. Die draußen aufgehäuften Leichenberge verlangten von uns, auf den von Leichen gesäumtem Weg zu bleiben, was uns in gerader Linie vom Tor und mitten im Schussradius weiter fort führte.

Die vorne und hinten leicht gepanzerten Wände verhinderten, dass die Geschosse in die Fahrerkabine einschlugen, würden aber einen Treffer der Reifen nicht verhindern können. Mit leichten Lenkbewegungen versuchte meine Fahrerin den Schüssen auszuweichen, unterließ den Versuch aber wieder, nachdem sie dabei beinahe die Kontrolle über den Wagen verloren hatte. Gefährlich weit rutschten wir über die eisglatte Fahrbahn und nur unverschämtem Glück war es zu verdanken, dass wir mit nicht seitwärts auf einen aufgestapelten Haufen aufgelaufen waren.

Fluchend steuerte sie sanft gegen und lenkte das Fahrzeug vorsichtig zurück in die Mitte der Straße. Nur noch wenige Meter, dann hatten wir die Bundesstraße erreicht. Ab hier gab ich die Richtung vor. Nur meine gelegentlichen Richtungsangaben durchbrachen die Mauer des Schweigens, die zwischen uns im Moment der Flucht errichtet worden war. So begehrlich sie mir zuvor erschien, so fremd war sie mir in diesem Moment geworden. Auch wenn mir meine Vernunft zuflüsterte, dass sie richtig gehandelt hatte und mein Herz mich zu überzeugen suchte, dass Ben seinen Frieden gefunden hat, wollte mein Bauch nicht wahr haben, dass wir ihn dort im Schnee liegend hilflos im Stich gelassen hatten. 

Montag, 15. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 79

Durch die geborstenen Scheiben erkannte ich Bens massive Gestalt, wie er in unsere Richtung schauend über etwas gebeugt stand und dabei auf irgendwas eindrosch. In dem Moment ging ein Ruck durch die massive Pforte und gab uns langsam ruckelnd den Weg frei. In dem Moment startete meine Begleiterin den Motor und mit einem Ruck setzte sich der Wagen in Richtung der Ausfahrt in Bewegung.

Vorsichtig, den Straßengegebenheiten angepasst und doch viel zu langsam, bewegten wir uns über die Schneedecke in Richtung Freiheit. Nur wenige Meter von den Toren entfernt, sah ich Killer, wie er in dem vor dem Tor liegenden Kabuff letzte Zweifel darüber beseitigte, wer die besseren Argumente an diesem Tag hatte. Eine der Wachen wurde unsanft an die Scheibe geschleudert, die dank des verwendeten Sicherheitsglases dem Aufprall stand hielt. Im Gegensatz zu dem Kopf des Mannes. Protestierend stemmte sich das Glas gegen das Gewicht und vibrierte, hielt aber Stand, während wir gleichauf geschlossen hatten.

Der zweite Insasse war weniger Kompromissbereit und eröffnete das Feuer auf unseren Helfer. Drei Lichtblitze erhellten die Scheiben der Stube und verteilten Blut, Bens Blut, an einer Scheibe. Eine Kugel platzte an die Scheibe, die darunter in tausende Splitter zerbarst, aber immer noch stand hielt. Wie Spinnweben durchzogen die Sprünge das Glas und nahmen uns die Sicht auf das, was im Inneren vor sich ging.

Mit meinem heilen Arm umklammerte ich mein Gewehr, als sich die Tür öffnete. Erst als ich das geläuterte Schwarzhemd erkannte, entspannte sich mein Arm wieder und ich lockerte meinen Gurt, um weiter in die Mitte zu rutschen. Bens massive Gestalt würde mir nicht viel Platz lassen, aber unser Ziel war nicht weit entfernt, die Fahrtzeit entsprechend überschaubar. Es würde schon irgendwie gehen.

Langsam, viel zu langsam, humpelte er an der Wand entlang und nach einer gefühlten Ewigkeit hatte er die in den Vorbereich führende Tür erreicht. Fest zementierte sich bei mir die Überzeugung, dass sie verschlossen war und er den Weg zurück nehmen müsste, um sie zu entriegeln. Als er dagegen drückte, hielt ich die Luft an und sog sie erst wieder ein, als die Tür unter seinen massigen Händen problemlos aufschwang. Da hatte ich ihn wohl etwas unterschätzt.

Hätten in meiner Schulter nicht tausend Feuer getobt, wäre ich sicher hinaus gesprungen und ihm entgegen gelaufen. So saß ich einfach nur wartend da und sah ihm zu, wie er unter Aufbringung aller Kräfte die wenigen Meter zu unserem Wagen zurück legte. Blut lief aus mehreren Wunden und tropfte rot auf den Schnee, der unter dem warmen Lebenssaft leicht schmolz und sich an den Rändern rot färbte.


Nur noch wenige Schritte trennten ihn von der Tür, als ein wahres Gewitter losbrach. Kugeln schlugen in unseren Wagen ein, rissen Löcher in die Seite und zerfetzten das hintere vergitterte Fenster. Doch nicht nur unser Wagen wurde getroffen. Drei Geschosse trafen Ben, durschlugen seine Brust, einen Arm, seine Hüfte und vergossen sein Blut, vermochten ihn aber nicht zu stoppen.

Sonntag, 14. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 78

In Wahrheit war es die Hölle und nur mühsam konnte ich die Dunkelheit zähmen, die sich meiner wieder bemächtigen wollte. Natürlich verbat mir mein männlicher Stolz mich darüber auszutauschen und so machte ich stattdessen weiter gute Miene zum bösen Spiel. Die Wunde war notdürftig verbunden und der Verband stillte soweit ich das beurteilen konnte zumindest die gröbste Blutung. Unter meinen Schuhen knirschten Scherben. Überall um mich herum lagen sie verstreut und erinnerten mich daran, was vorgefallen war. Durch die geborstene Scheibe hindurch sah ich ihn. In einer großen Blutlache lag dort der Junge, durchsiebt von einer ganzen Salve, die ihn im Bauch und Brustbereich förmlich perforiert hatte. Erneut hatte die Frau ein Leben genommen, um meines zu retten. Wie viele Menschenleben war mein Leben wohl wert?

Den heilen Arm legte ich vorsichtig um ihre Schulter und versuchte so wenig Gewicht wie möglich auf ihre zarten Schultern abzulegen. Zum einen natürlich, weil es mir peinlich war, zum anderen weil ich ihr es nicht zumuten wollte. Doch da hatte ich sie falsch eingeschätzt. Mein Verhalten wurde von ihr damit quittiert, dass sie mich stärker nach unten zog und so weit mehr Gewicht schulterte, als ich zugetraut hatte. Mein Respekt vor ihr wuchs im gleichen Maße, in dem wir uns dem Fahrzeug näherten. Kein Laut der Erschöpfung kam über ihre Lippen, während sie mir dabei half, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Fast schon zärtlich beugte sie sich über mich, um mir vorsichtig den Gurt anzulegen.

Danach verließ sie mich wieder und machte sich an dem Tor zu schaffen, bis sie es schließlich geschafft hatte, die schweren Türen so weit auseinander zu ziehen um uns den Weg frei zu machen. Die offenen Türen gaben den Blick frei auf den mit Schnee bedeckten Gefängnishof und die zum Tor führende Straße. Das Gittertor der inneren Schleuse stand bereits einladend offen und empfing uns quasi mit offenen Armen.

Auf dem Weg lag wie überall eine ungefähr 20 Zentimeter dicke Schneeschicht, über die sich vereinzelte Fußspuren zogen. Die auf die Schneedecke fallenden Sonnenstrahlen blendeten mich und hüllten meinen Engel in ein fast überirdisches Licht, aus dem sie wie die Phönix aus der Asche emporstieg und sich eilig dem Fahrzeug näherte.

„Ich hoffe, dein Kumpel enttäuscht uns nicht. Andernfalls sitzen wir jetzt gleich auf dem Präsentierteller“, keuchte sie mir beim einsteigen etwas erschöpft entgegen.

Darüber wollte ich mir zum jetzigen Zeitpunkt keine Gedanken machen und vertraute weiter auf Bens zwar angeschlagene, aber mit Sicherheit noch immer überlegene Überzeugungskraft. Wie auf Kommando zerbarst in dem Moment eine Scheibe in einem der Wachtürme und der Körper einer Wache segelte durch die Luft und schlug schreiend und wild um sich schlagend auf dem Boden auf. Dort blieb er ruhig liegen, während sich um ihn herum der Schnee blutrot färbte.


Zwei Schüsse ertönten, gefolgt von Schreien und dem weiteren hilflosen Versuch, der Schwerkraft mit schlagenden Armen trotzen zu wollen. Wie sein Vorgänger schlug der Körper dumpf und eine dünne Schneeschicht hochstoßend auf dem gefrorenen Boden auf und grub sich in eine niedrige Schneewehe. 

Samstag, 13. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 77

Rauch kitzelte in meiner Nase und vertraute Stimmen drangen an meine Ohren. Noch war die Welt um mich herum schwarz, aber grelles Licht brannte auf meinen Augenlidern. Kurzentschlossen öffnete ich meine Augen. Statt in der Halle befand ich mich plötzlich wieder in der Gaststätte und saß den beiden Alten gegenüber. Der Füllige war gerade eifrig damit beschäftigt, auf den Professor einzureden.

„…habe ich dir doch gesagt, dass wir den Falschen ausgesucht haben. Er wird wie die vorherigen … Oh, schau an, wir haben Besuch.“

„In der Tat“, ergriff der Weißhaarige das Wort. „Es freut mich, dich wieder zu sehen, auch wenn du uns nur von deinem Scheitern berichten wirst, nicht wahr? Ich fürchte, wir haben dich noch nicht über die Konsequenzen ins Bild gesetzt.“

Fragend lasteten ihre Blicke auf mir und der Fettsack konnte sich ein feistes Grinsen nicht verkneifen. Noch bevor ich antworten konnte, zerrte etwas an mir, riss mich wieder aus der Wirtschaft, die hinter mir lärmend zusammen stürzte und schoss nach oben in den Himmel, tauchte erneut in Schwärze ein, die schon bald von einer feurigen Kugel durchbrochen wurde. Zuerst nur Stecknadelgroß wuchs die Kugel an und ich raste weiter auf sie zu. Heiß brannten ihre Strahlen auf meiner Haut und meine Augen schmolzen in ihrem hellen Licht. Trotz des Verlusts des Augenlichts leuchtete sie weiter. Weiter. Immer weiter.

Mit einem Schrei riss ich die Augen auf und sah schwarz. Eine schwarze Uniform war direkt vor meinen Augen und für einen Moment blieb mein Herz stehen. Erst als Anabelas besorgtes Gesicht auftauchte, entspannte ich mich wieder. In der linken Hand hielt sie eine Spritze, wie sie uns auch im Rahmen des militärischen Diensts ausgehändigt worden waren. Das Lodern in der Schulter war zurück gegangen, weit genug um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Zumindest einen halbwegs klaren Gedanken. Meine Gesichtszüge entspannten sich und die Besorgnis in Anabelas Gesicht wich der Freude:

„Ist es dir eigentlich nicht peinlich, dich dauernd von einer Frau retten zu lassen?“

Erst verstand ich nur Bahnhof. Noch war ich halb in meiner Wahnvorstellung gefangen und nur langsam offenbarte sich mir der Sinn ihrer Worte, garniert mit dem wunderbarsten Lächeln, das jemals das Licht dieser Erde erblickt hatte. Ich konnte gar nicht anders, als zu lachen, unterließ es aber genauso schnell wieder, als die Schmerzen in der Schulter wieder überhand zu nehmen drohten.

Erleichtert warf sie das Röhrchen von sich und fasste um meine heile rechte Hand, um mich hoch zu ziehen, bemerkte dabei aber meinen gequälten Gesichtsausdruck.

„Tut es stark weh?“


„Nur wenn ich lache“, erwiderte ich mich einem betrübten Lächeln. 

Freitag, 12. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 76

„Unbewaffnet sicher, aber nicht unschuldig. Wenn du wüsstest, welche Sauereien hier passieren, würdest du verstehen, warum ich jedem einzelnen von ihnen den Tod wünsche. Jetzt beweg dich endlich, wir haben nicht unendlich Zeit“, entgegnete sie mit einem energischen Unterton, der keinerlei Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Worte zuließ.

Die immer leiser werdenden Verletzten ignorierend machte ich mich auf den Weg zu besagtem Kabuff. Schmucklos stand es in einer Ecke der Halle und war im Gegensatz zu den Klitschen im Zellentrakt weder besonders massiv, noch durch irgendwelche Schutzmaßnahmen gesichert. Häftlinge waren in der Halle im Normalfall wohl eher nicht beschäftigt gewesen. Als ich die Dienststube erreicht hatte, fiel mir zuerst eine kleine Bewegung auf. Irgendwas huschte knapp unter dem Fenster von einer Ecke in die andere, um dort wieder reglos zu verharren.

So vorgewarnt näherte ich mich vorsichtiger und warf dort angekommen erst einen Blick durch die große Scheibe. Nur ein Schatten war dort in der Ecke zu sehen, der kurz durch einen Blitz erhellt wurde. Ein eher jungenhaftes Gesicht war es, das mit zwischen seinen kurzen blonden Haaren entsetzt anstarrte, während um mich herum die Scheibe in einer Detonation zerbarst. Splitter flogen mir um die Ohren und mittendrin etwas, das meinen Kopf nur um Haaresbreite verfehlte.

Noch bevor ich wusste, was um mich herum passierte, blitzte es ein zweites Mal und etwas schlug mit voller Wucht an meine Schulter. Schmerzen durchfluteten meinen Körper und für einen Moment wurde die Welt schwarz. Von den Qualen überwältigt versagten meine Füße ihren Dienst und als mein Kopf auf dem Boden aufschlug spürte ich nur den Aufprall, der in einer Wolke der Leiden verpuffte.

Dumpfer Donner drang an meine Ohren und jeder von ihnen pulsierte in meiner Schulter wie Hammerschläge. Irgendwie hatte ich es geschafft, die andere Hand auf meine Schulter zu legen und dagegen zu pressen. Warmes Blut quoll dazwischen hervor, benetzte meine Finger und rann zwischen ihnen durch. Jedes Zeitgefühl war mir abhanden gekommen und ich kann nicht sagen, ob ich dort Minuten oder Stunden lag, als sich eine Hand auf meine Hand legte und sie sanft von der Wunde hob.


Kurz darauf schien mich ein Feuer ab der Schulter abwärts verzehren zu wollen. Heiß brannte es durch meine Venen und mein Gehirn entschied endgültig auf Standby zu schalten. 

Donnerstag, 11. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 75

„Ob du bereit bist?“, wiederholte sie deutlich energischer.

Gedankenverloren nickte ich und versuchte meine Befangenheit abzuschütteln.

„Dann los. Achte auf deine Munition und bleib hinter mir.“

Mit den Worten riss sie die Tür auf und stürmte in die dahinter liegende Halle. Sauber aufgereiht standen dort unter anderem die Fahrzeuge, mit denen wir angekommen waren, Lastwägen, Dienstfahrzeuge der JVA und vier gepanzerte Truppentransporter. Wir hatten auch das Überraschungsmoment für uns. Zwei Beinpaare ragten unter einem LKW hervor, während ein anderer Kaffee trinkend auf einem Stuhl daneben saß und sich lautstark mit seinen Kameraden über das Wetter unterhielt. Der scheiß Schnee verzögerte wohl die Versorgung und dass es nie wieder einen Winterdienst geben würde, machte ihnen ernsthafte Sorgen.

Statt Uniformen wurden hier Blaumänner getragen und auch das Äußere wirkte wesentlich weniger martialisch als bei den Verbrechern, die mir bisher begegnet waren. Die dunklen Haare des Kaffeetrinkers waren halblang und das unrasierte Gesicht schön braun gebrannt. Ein hübscher Junge, wie meine Oma gesagt hätte. Seine Augen richteten sich auf uns und sein Gesicht nahm einen überraschten Ausdruck an. Aber nicht lang.

Noch bevor er etwas sagen konnte, zerbarst seine Kaffeetasse in einer lautstarken Explosion in tausend Stücke. Der schwarze Inhalt ergoss sich über den verschmierten Blaumann und ein rotes Loch erschien auf der gebräunten Stirn, während sich sein Hinterkopf auf der Plane des LKWs verteilte. Noch bevor ich verstand, bellte Anabelas Gewehr noch einige Male und zerfetzte die unter dem LKW hervor stehenden Füße.

„Schau nicht so blöd und komm weiter. So können sie uns nicht mehr gefährlich werden. Wir nehmen einen von den Transportern. Die sind leicht gepanzert, aber wendig genug, um uns schnell von hier fort zu bringen. Die Schlüssel müssten dort drüben in dem Kabuff liegen. Hol du die Schlüssel für den hier“, erklärte sie mir, während sie sich einem dunkelgrünen Transporter näherte. Die hinteren Fenster waren vergittert und ein eher unscheinbares Blaulicht stand auf dem Dach des Fahrzeugs. „Ach, und wenn irgendwo eine Jacke rumliegt, wär ich der ebenfalls sehr verbunden.“

Währenddessen ertönte das Klagegeheul der verletzt unter dem Lastwagen liegenden Schwarzhemden, das zwischen Schmerzen und Flüchen wechselte.


„War das wirklich nötig? Die waren doch unbewaffnet“, fragte ich vorsichtig nach.