Montag, 1. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 65

Zusammen mit sechs bewaffneten Schwarzhemden stand er hinter der Gittertüre und grinste uns entgegen. Seine knollige Nase leuchtete roter, als je zuvor und seine schiefen Zähne hingen wie verdorbenes Gemüse in seinem Mund. Mein Gott, Sackschneider war immer noch ein potthässlicher Haufen Scheiße.

„Für wie blöd haltet ihr uns eigentlich? Scheiße Killer, du solltest es doch besser wissen. Du weißt doch, was mit denen passiert, die mich verarschen wollen. Scheiße, das ist ein Gefängnis und die Überwachungskameras hängen da nicht nur zum Spaß. Könnt ihr euch eigentlich mein dummes Gesicht vorstellen, als ich euch da Hand in Hand wie zwei Schwuchtel über den Flur hab laufen sehen?“

Zugegeben konnte ich das. Innerlich amüsierte mich die Vorstellung trotz der bedrohlichen Situation sogar und erneut verspürte ich die seltsame Erheiterung in mir, die ich auch schon bei unserem ersten Kontakt spürte. Trotzdem blieb mir die Bedrohlichkeit der Situation nicht verborgen und ich spürte mein Ende nahen. Auch wenn Sackschneider für mich bei weitem kein offenes Buch war, so spürte ich doch sein Vorhaben, sich unserer zu entledigen.

„Lauft ihr einfach so durch den Flur, als ob nichts wäre. Seelenruhig wandert ihr umher und ausgerechnet du, mein Sohn Brutus. Von dir bin ich besonders enttäuscht. Du hast mir den Dolch in die Brust gerammt und die Klinge in der Wunde mehrmals herumgedreht. So fühl ich mich wenigstens. Mein Herz ist zersprungen, mein Vertrauen in die Männer zerstört. Alles nur wegen dir Killer. Alles nur wegen dir. Dabei hatte ich große Pläne mit dir. In meine persönliche Leibgarde wollte ich dich aufnehmen, weil du so ein brutaler Hund warst. Und jetzt? Verrätst du mich wegen dieser wandelnden Leiche. Aber ich werde an dir ein Exempel statuieren. Höchstpersönlich werde ich die Bestrafung an dir vornehmen und anschließend die Haut vom Körper ziehen. Nicht weil ich es will, sondern weil ich es muss.“

Fast nahm ich ihm ab, dass er dabei keine Befriedigung verspüren würde. Gleichzeitig spürte ich seine Freude darüber, den Riesen zu brechen, ihn winselnd zu seinen Füßen liegen zu sehen und seine Hoden in seinen Händen langsam und genussvoll zu zerquetschen. Seine Emotionen kochten vor Freude förmlich über und bombardierten meinen Geist mit seinen perversen und abartigen Phantasien.

„Und du Vilsmeier, dein Tod wird mir eine besondere Freude sein. Ich weiß nicht, wie du ausgerechnet unsere Mordmaschine auf deine Seite ziehen konntest, aber es wird das letzte gewesen sein, dass du gemacht hast.“

Seine weiter ansteigende Erregung öffnete seine Gedanken und flutete meinen Geist mit seiner abartigen Phantasie. Bildlich wurde mir vor Augen geführt, wie er sich unsere Exekution in seinen Gedanken in schönsten Farben ausmalte. Vor allem rot blutrot nahm darin eine dominante Rolle ein. Wie ein Künstler schwang er einen imaginären Pinsel, füllte das Nichts mit seinem Hass und erschuf ein wahres Kunstwerk. So oder so sah es nicht nach einer kurzen, schmerzlosen Hinrichtung aus. In seiner Vorstellung war ich auf einen Tisch geschnallt, gezeichnet von Schlägen und Misshandlungen, die auf Eddie Erpels nicht offen ausgelebte Sexualität zurück zu führen waren. Mein restlicher Körper war einziger Quell der Qual. Meine Knie waren zertrümmert, meine Arme gebrochen und gerade war er damit beschäftigt, mir meine Fingernägel einzeln abzuziehen. Das schlimme war, dass ich nur die Bilder sah, sondern die Schmerzen für einen Moment förmlich spüren konnte. Am Ende meiner Qual war ich Futter für die hier gefangenen Mutationen, gleichwohl als Beweis für mich, nicht zu glauben, dass sie  sich nicht von Menschenfleisch ernährten.

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