Dienstag, 2. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 66

Wie aus Trance schreckte ich auf und sah wieder in das Gesicht meines imaginären Peinigers. Sein Antlitz hatte sich gewandelt, ein dünner Faden Speichel lief an seiner Seite herab und mit fast schon verschmitztem Blick musterte er mich. Fast so, als konnte er meine Angst spüren. Fast so, als hätte er sich an ihr ergötzt und sie in sich aufgesaugt. Ganz so, als ob ich nicht der einzige mit dieser Gabe war. Hatte ich die Gedanken vielleicht nicht zufällig empfangen? Wurden sie mir von ihm gezielt zugeschickt? Als hätte er meine Gedanken gespürt, verstärkte sich sein Grinsen gefolgt von einem Bild wie er mir eine Kugel in den Kopf jagte. Mit verschwörerischem Blick zwinkerte er mir zu, während er sich wieder etwas zurück zog.

Geschockt stand ich da und brauchte einige Zeit, um zu realisieren, dass die vier im Zellentrakt postierten Wächter mittlerweile auch hinzu gestoßen waren. Mehr oder weniger auffällig unauffällig hatten sie sich hinter uns positioniert und waren bereit, zuzuschlagen. Von Ben, der bisher wenig Emotionen zeigte, hielten sie zwar noch gebührenden Abstand, zeigten aber mit ihrer drohenden Körperhaltung deutlich, dass sie nicht vorhatten, sich zurück zu halten. Währenddessen höhnte der Entenarsch noch immer hinter der sicheren Gittertüre, kostete seinen Sieg und seine Überlegenheit weidlich aus.

Dann verging ihm das Grinsen. Seine Grimasse fiel förmlich in sich zusammen und machte einem neuen Gesichtsausdruck Platz. Mit Entsetzen realisierte er das klickende Geräusch und es bestand kein Zweifel, dass er bereits ahnte, was der Ursprung dafür war. Wie von einer unsichtbaren Leine gezogen, rollte die Tür nach rechts weg. Dann ging alles sehr schnell. Mit einer Geschwindigkeit, die ich dem Koloss nicht zugetraut hatte, schnellte Ben nach vorne, durch die Tür.

Es war in seinen Bewegungen nicht annähernd ästhetisch, aber verdammt schnell und effektiv. Noch im Sprung riss er seine linke Faust hoch und landete sie mit voller Wucht im erschreckt dreinschauenden Gesicht des ersten Begleiters. Seine Gesichtszüge schienen förmlich zu entgleisen, begleitet von einem knirschenden Geräusch. Sein Kinn sprang aus der Halterung und schwang begleitet von einem tiefen Seufzer nur noch von Haut und Muskeln gehalten am unteren Ende des Kopfs, der durch die Wucht des Schlags zur Seite geschleudert wurde. Der daran hängende Körper wurde durch die Wucht förmlich mitgerissen. Noch bevor einer der Männer seine Waffe anheben konnte, landete der nächste Schlag mit der rechten Faust im Brustbereich des nächsten Wächters. Ein Knacken ließ für die Rippen des Attackierten nichts Gutes erahnen. Noch weniger freilich, als Killer mit voller Wucht und Körperfülle seinen Gegner förmlich an der Wand zerquetschte.

Schock stand auf den Gesichtern der eben noch so überlegen wirkenden Schwarzhemden, aber schon rollte der Zug mit voller Fahrt auf sie zu.

Der nächste wurde Opfer der Schulter meines Freunds, die ihn eher beiläufig an die Gitterstäbe katapultierte. Der Kopf schlug an die massiven Stäbe und Blut spritzte hervor, bevor der Körper kraftlos herunterrutschte. Gleichzeitig schnellte die Faust wieder vor und noch bevor der letzte zu Boden gegangen war, traf sie ihn wie ein Hammer mitten ins Gesicht. Die Nase hatte der Wucht des Schlags nichts entgegen zu setzen und der Knorpel bohrte sich nach innen, was der Angegriffene mit verdrehten Augen quittierte, als er mit einem gurgelnden Geräusch zu Boden ging.

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