Samstag, 6. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 70

Noch immer war ich wie gelähmt und vielleicht hätte ich dort ausgeharrt, bis mich Roggels Männer aufgegriffen hätten. Erst Bens Stimme riss mich aus meiner Lethargie.

„Komm jetzt. Du hast getan, was du tun musstest. Noch haben wir eine Chance, zumindest bis zur Wachablösung, aber auch so wird’s kein Spaziergang. Je länger du hier rumstehst, desto schwieriger wird’s.“

Wortlos drehte ich mich um und betrachtete meinen Begleiter. Seinem Gesichtsausdruck nach mussten die Wunden höllisch schmerzen, wirkten auf einen Laien wie mich aber nicht lebensgefährlich. Weder bluteten sie stark, noch war meines Wissens ein lebensnotwendiges Organ in Schulter oder Oberschenkel versteckt. Trotzdem fand ich, dass ich sie zumindest verbinden musste. So gut es ging die am Boden kauernde Leiche zu ignorieren, wanderte mein Blick durch das Kabuff. Nach nur kurzer Zeit fand ich, wonach ich Ausschau gehalten hatte. Ein weißer Kasten mit rotem Kreuz signalisierte schnelle Hilfe und wie erwartet fand ich wenigstens einfaches Verbandsmaterial. Sobald wir erst in Freiheit waren, konnte sich unser Doc die Wunden anschauen und fachgerecht verarzten, bis dahin musste das von mir laienhaft angebrachte Material ausreichen.

Die ganze Zeit war begleitet von seinen Forderungen, lieber den Rückzug anzutreten und dass es mit jeder Minute für uns gefährlicher wurde. Natürlich hatte er Recht. Konnte er sich vielleicht noch immer unauffällig durch das Gebäude bewegen, war ich ein Fremdkörper und auf den ersten Blick von den anderen Insassen zu unterscheiden. Außer natürlich, ich wirkte zumindest auf den ersten Blick unauffälliger. Obwohl die Zeit knapp war, rannte ich zu dem Kerl mit dem ausgerenkten Kiefer und begutachtete seine Uniform. Die Größe war vielleicht nicht ganz passend, aber sie war sauber und zeigte keine Kampfspuren. Es war nicht ganz leicht, den toten Körper zu entkleiden und ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich nicht kurz davor war, mich erneut zu übergeben.

Nach getaner Arbeit zog ich sie eilig über meine eigene und sie passte wie angegossen. Nun, eigentlich nicht. Wie ein nasser Sack hing die schwarze Uniform zwei Nummern zu groß an mir, war aber trotzdem besser als weiter in meiner auffälligen olivgrüner Tracht herumzulaufen. Das fand auch Ben, der mir aufmunternd zu grinste und mir dabei mein Gewehr reichte.

Wenn wir Glück hatten, hatte dieser elende Sadist keinen Alarm ausgelöst, weil er die Sache allein bereinigen wollte. Das war zwar einerseits unwahrscheinlich, andererseits waren wir noch immer ungestört. 

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