Sonntag, 7. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 71

Möglicherweise wollte er die Sache unter Kontrolle bringen, bevor es sich zu Roggel herumsprach, dass einer seiner Männer übergelaufen war. Das schloss aber natürlich auch nicht die Möglichkeit aus, dass wir draußen von einem Erschießungskommando erwartet wurden. So oder so war es wenig sinnvoll hier drin abzuwarten. Schnell nahm ich noch ein Gewehr für Ben auf und drückte es ihm in die Hand. Wie auch immer unsere Lage war, hatte ich nicht vor, ihnen noch einmal lebend in die Hände zu fallen. Das war der primäre Plan. Der sekundäre sah vor, so viel wie möglich von ihnen mit in den Tod zu nehmen.

Mein Begleiter war so freundlich mir die Tür aufzuhalten und so trat ich mit der Waffe im Anschlag auf den Flur hinaus. Wollte ich dabei zumindest einen kleinen Überraschungseffekt für mich verbuchen, musste es schnell gehen. Zwei Seiten standen zur Auswahl, die Chance von einem Kugelhagel empfangen zu werden, war leider überdurchschnittlich hoch und mit jedem zusätzlichen Gedanken spürte ich meine Überzeugung schwinden. Als ich mir dessen bewusst wurde, sprang ich einfach. Mein Gewehr wollte meiner Bewegung nicht so schnell folgen, was zum Glück nicht nötig war. Der Gang lag leer vor mir und eine schnelle Drehung überzeugte mich, dass es hinter mir auch gut aussah. Tatsächlich war der ganze Gang leer. Kein Hinterhalt, niemand, der auf uns wartete, keiner, der zufällig vorbeischlenderte und keine umherschwirrenden Kugeln. Mit der Sicherheit, dass die Luft rein war, winkte ich Ben zu mir und machte mich mit ihm auf den Weg zu Karl. Der Besucherraum war unsere nächste Etappe und mit Sicherheit lag er da noch immer noch halb auf seinem Stuhl und stopfte fettes Chunkfood in seinen massigen Körper.

Die Tür lag auf der gleichen Ebene wie der Zellentrakt und nur wenige Meter den Flur hinab, an dessen Ende sich die Tür zum Treppenhaus befand. Der direkte Weg zu Roggel und der direkte Weg die Landplage auszulöschen. Nachdem Sackschneider tot war, war er der einzige, der uns noch gefährlich werden konnte. Vielleicht sollten wir unseren Plan um eine Etappe erweitern und noch eine kleine Fleißaufgabe einschieben. Noch während ich damit beschäftigt war, die möglichen Gefahren abzuwägen, schwang die Tür zum Treppenhaus plötzlich auf. Statt einem wahnsinnigen Muskelpaket stand dort im Schatten eine eher zierliche Gestalt. Überrascht riss ich trotzdem mein Gewehr hoch und vernahm im nächsten Moment eine ebenso zierliche Stimme.

„Nicht schießen. Bitte. Ich bin euer Freund.“

Als sie aus dem Schatten trat erkannte ich Anabela. Schön, wie die Male zuvor, stand sie da vor mir und lächelte uns unsicher an. Es war mir unmöglich meinen Blick von ihr zu wenden, wie sie da stand und verloren in unsere Richtung sah. Nur langsam fand ich die Fassung wieder.

„Was … Ich meine, wie, wieso bist du hier?“


Langsam trat sie weiter auf uns zu und mit jedem Schritt wurde sie hübscher. Auch wenn dieses Mal nur künstliches Licht auf sie fiel, war sie immer noch wunderhübsch. Die Neonlampen verliehen ihr einen leicht blassen Teint, der sich so verführerisch von ihren dunklen Haaren abhob. Als sie ihre Lippen öffnete, entblößte sie eine makellose Reihe weißer Zähne und selbst als sie sprach, fand ich ihre Lippen umwerfend sinnlich. 

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