Sonntag, 7. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 72

„Ich beobachte euch schon, seit ihr die Zelle verlassen habt. Wisst ihr eigentlich, dass ihr riesengroße Idioten seid? Hätte ich nicht den Alarm unterdrückt, wärt ihr jetzt tot. Die geöffnete Gittertür, das Licht, das alles habt ihr mir zu verdanken. Als ihr hier hergekommen seid, da dachte ich, ihr wärt getarnte Elitesoldaten, die uns befreien kommen. Ja, scheiße, hat sich was mit Elite. Das war mir spätestens in dem Moment klar, als ihr nacheinander in Roggels Büro draufgegangen seid. Wie ich dich dann mit Killer aus der Zelle habe kommen sehen, dachte ich, ich spinne. Um die zu bemerken, muss man kein Elitesoldat sein. Und trotzdem seid ihr meine Fahrkarte hier raus. Alle Türen wurden von mir über die die Zentrale verschlossen. Das heißt, die können nur über meinen Rechner wieder gelöst werden und das kann dauern.

In zwei Minuten wird sich die Tür vor uns in den Besucherraum öffnen und wir können nach draußen. Nur die Torsteuerung läuft nicht über die zentrale Steuereinheit. Das scheiß Tor müssen wir von draußen öffnen.“

„Warum tust du das für uns?“

„Weil Roggel ein Schwein ist. Er hat mich geschlagen und vergewaltigt. Er denkt, er hat mich gebrochen, aber da hat er sich getäuscht. Ja, ich habe zuletzt alles über mich ergehen lassen, aber nur auf eine Gelegenheit gewartet, von hier zu fliehen. Aus dem Grund werde ich mit euch kommen.“

Noch bevor ich zusagen konnte, rannte sie mit besorgter Miene zu Ben.

„Oh verdammt, er hat dich erwischt, nicht wahr? Dieses Schwein. Ich hab gesehen, wie du die Scheiße aus ihm raus geprügelt hast. Es tut mir echt leid, dass er dich erwischt hat.“

Sanft strich sie über die Schusswunden und ich sah, wie sich das Gesicht des Schlägers entspannte. Er genoss ihre Berührungen und ihre Zuneigung. Mit einer Hand riss sie sich einen Ärmel ihrer blütenweißen Bluse vom Arm und stopfte ihn zärtlich unter die Einschussstelle im Oberschenkel. Die Kompresse hatte die Blutung leider nicht gestillt und war schon voller Blut. Das gleiche blühte auch dem Ärmel der Bluse, der sich sofort voll Blut saugte und wie eine blutrote Rose aus dem Einschussloch herausragte.

Fast wurde ich darüber eifersüchtig, wie sie sich aufopferungsvoll um diese Kampfmaschine kümmerte. Aber nicht lange, denn ein Klicken verriet uns, dass sich die Türe zum Besucherraum geöffnet hatte. Ohne Zeit zu verlieren, zog ich die Tür auf und stürmte mit der Waffe in der Hand in den Raum. Wie zuvor saß, oder vielmehr lag, Karl wie erwartet auf dem Bürostuhl und stopfte irgendwelche Scheiße in seinen hässlichen Körper.


Ganz offensichtlich hatte er keinen Besuch erwartet, denn eher müde blickte er auf und damit direkt in den Lauf meiner Waffe. Ohne eine Sekunde zu verlieren, straffte sich sein Körper in einer Art, die ich von ihm nicht erwartet hatte. Sein Oberkörper setzte sich auf, während er sich mit seinen Füßen vom Pult abstieß. Der Stuhl rollte nach hinten und in einer fließenden Bewegung stemmte er sich hoch und hechtete aus dem nach hinten rollenden Stuhl nach vorne. Der zusätzliche Schwung schleuderte den Stuhl nach hinten an die Wand, an der er mit einem lauten Krachen zerschellte. 

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