Dienstag, 9. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 73

Das war aber so gar nicht das Problem. Das Problem war eher das sich auf mich stürzende Fleischmassiv. Instinktiv tat ich einen schnellen Schritt zur Seite und der Sprung ging ins Leere. Der erste Angriff hatte mich verfehlt und zu einem zweiten wollte ich es nicht kommen lassen. Kräftemäßig war ich ihm deutlich überlegen, also versuchte ich die Waffe erneut in Anschlag zu bringen. Ein hehrer Plan, der daran scheiterte, dass ich erneut von seinen schnellen Aktionen überrumpelt wurde. Seine Rechte krachte nach oben und schlug mir die Waffe in einem weiten Bogen aus der Hand.

Noch während das Gewehr durch die Luft segelte, stieß er sich erneut ab und dieses Mal konnte ich nicht ausweichen. Wie ein Schrank stürzte er auf mich und riss mich mit sich. Zusammen gingen wir zu Boden und ich spürte, als ich auf das harte Pflaster stürzte. Eine Schmerzwelle ging durch meinen Körper, die noch verstärkt wurde, als er mich unter seiner massiven Erscheinung begrub. Mit seinen geschätzten 120 Kilo lag er auf mir und nahm mir die Luft zu atmen. Nur kurz, dann hob er seinen Oberkörper und eine seiner Fäuste fand ihren Weg in meine Magengrube, um mir endgültig die Luft aus den Lungen zu treiben.

Japsend lag ich am Boden, während sich Karl erhob und nach dem Gewehr griff. Obwohl ich wusste, dass das mein Ende war, konnte ich nichts dagegen machen. Seine Hände um die Waffe geschlossen stützte er sich darauf kurz ab und sprang hoch. Wieder überraschte er mich mit der zur Schau gestellten Agilität. Woher nahm er die Kraft dazu? Und warum interessierte mich das, während ein Wahnsinniger mit einer geladenen Waffe vor mir stand und mir den Lauf ins Gesicht hielt?

Als der Schuss ertönte, zuckte ich kurz zusammen und schloss die Augen. Keine Schmerzen. Noch ein Schuss. Wieder keine Schmerzen. Etwas Warmes regnete auf mich herab und zögerlich wagte ich es meine Augen wieder zu öffnen. Mein Sichtfeld wurde von Karl ausgefüllt, der frontal auf mich zustürzte. Noch bevor ich schützend meine Arme hochheben konnte, krachte der voluminöse Körper auf mich und begrub mich unter sich. Warmes Blut sickerte aus einer Wunde auf mich und durchnässte meine zwei Uniformen. Selbst im Tod war der Typ ein Arschloch.

Sekunden, die sich wie Minuten anfühlten. Gefühlte Tonnen lagen auf mir und raubten mir die Luft zum atmen. Unfähig die Arme zu heben, überlegte ich noch was passiert, war, als das Gewicht endlich von mir genommen wurde und ich Bens Gesicht erkannte. Neben ihm stand mit seinem Gewehr ein Engel und lächelte zu mir herab.

„Guter Schuss, oder?“


Noch immer nach Luft schnappend nickte ich nur und versuchte aufzustehen. Dankbar ergriff ich dabei die Hand meines Freunds. Selbst mit Hilfe gestaltete sich das nicht so einfach, wie gedacht. Der Rücken und die Rippen hatten mir die beiden Zusammenstöße mit Karl noch nicht ganz verziehen und waren in Mitleidenschaft gezogen worden. Irgendwann stand ich dann doch und machte mich auf die Suche nach meinem Gewehr. Das fand ich am Ende von Karls ausgestrecktem Arm. Noch immer waren seine Finger darum gewickelt, als würde er noch im Tode daran hängen. Mit einem Ruck entriss ich das Gewehr seinen toten kalten Händen und pumpte entschlossen Sauerstoff in meine geschundenen Lungen.

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