Donnerstag, 11. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 75

„Ob du bereit bist?“, wiederholte sie deutlich energischer.

Gedankenverloren nickte ich und versuchte meine Befangenheit abzuschütteln.

„Dann los. Achte auf deine Munition und bleib hinter mir.“

Mit den Worten riss sie die Tür auf und stürmte in die dahinter liegende Halle. Sauber aufgereiht standen dort unter anderem die Fahrzeuge, mit denen wir angekommen waren, Lastwägen, Dienstfahrzeuge der JVA und vier gepanzerte Truppentransporter. Wir hatten auch das Überraschungsmoment für uns. Zwei Beinpaare ragten unter einem LKW hervor, während ein anderer Kaffee trinkend auf einem Stuhl daneben saß und sich lautstark mit seinen Kameraden über das Wetter unterhielt. Der scheiß Schnee verzögerte wohl die Versorgung und dass es nie wieder einen Winterdienst geben würde, machte ihnen ernsthafte Sorgen.

Statt Uniformen wurden hier Blaumänner getragen und auch das Äußere wirkte wesentlich weniger martialisch als bei den Verbrechern, die mir bisher begegnet waren. Die dunklen Haare des Kaffeetrinkers waren halblang und das unrasierte Gesicht schön braun gebrannt. Ein hübscher Junge, wie meine Oma gesagt hätte. Seine Augen richteten sich auf uns und sein Gesicht nahm einen überraschten Ausdruck an. Aber nicht lang.

Noch bevor er etwas sagen konnte, zerbarst seine Kaffeetasse in einer lautstarken Explosion in tausend Stücke. Der schwarze Inhalt ergoss sich über den verschmierten Blaumann und ein rotes Loch erschien auf der gebräunten Stirn, während sich sein Hinterkopf auf der Plane des LKWs verteilte. Noch bevor ich verstand, bellte Anabelas Gewehr noch einige Male und zerfetzte die unter dem LKW hervor stehenden Füße.

„Schau nicht so blöd und komm weiter. So können sie uns nicht mehr gefährlich werden. Wir nehmen einen von den Transportern. Die sind leicht gepanzert, aber wendig genug, um uns schnell von hier fort zu bringen. Die Schlüssel müssten dort drüben in dem Kabuff liegen. Hol du die Schlüssel für den hier“, erklärte sie mir, während sie sich einem dunkelgrünen Transporter näherte. Die hinteren Fenster waren vergittert und ein eher unscheinbares Blaulicht stand auf dem Dach des Fahrzeugs. „Ach, und wenn irgendwo eine Jacke rumliegt, wär ich der ebenfalls sehr verbunden.“

Währenddessen ertönte das Klagegeheul der verletzt unter dem Lastwagen liegenden Schwarzhemden, das zwischen Schmerzen und Flüchen wechselte.


„War das wirklich nötig? Die waren doch unbewaffnet“, fragte ich vorsichtig nach.

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