Freitag, 12. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 76

„Unbewaffnet sicher, aber nicht unschuldig. Wenn du wüsstest, welche Sauereien hier passieren, würdest du verstehen, warum ich jedem einzelnen von ihnen den Tod wünsche. Jetzt beweg dich endlich, wir haben nicht unendlich Zeit“, entgegnete sie mit einem energischen Unterton, der keinerlei Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Worte zuließ.

Die immer leiser werdenden Verletzten ignorierend machte ich mich auf den Weg zu besagtem Kabuff. Schmucklos stand es in einer Ecke der Halle und war im Gegensatz zu den Klitschen im Zellentrakt weder besonders massiv, noch durch irgendwelche Schutzmaßnahmen gesichert. Häftlinge waren in der Halle im Normalfall wohl eher nicht beschäftigt gewesen. Als ich die Dienststube erreicht hatte, fiel mir zuerst eine kleine Bewegung auf. Irgendwas huschte knapp unter dem Fenster von einer Ecke in die andere, um dort wieder reglos zu verharren.

So vorgewarnt näherte ich mich vorsichtiger und warf dort angekommen erst einen Blick durch die große Scheibe. Nur ein Schatten war dort in der Ecke zu sehen, der kurz durch einen Blitz erhellt wurde. Ein eher jungenhaftes Gesicht war es, das mit zwischen seinen kurzen blonden Haaren entsetzt anstarrte, während um mich herum die Scheibe in einer Detonation zerbarst. Splitter flogen mir um die Ohren und mittendrin etwas, das meinen Kopf nur um Haaresbreite verfehlte.

Noch bevor ich wusste, was um mich herum passierte, blitzte es ein zweites Mal und etwas schlug mit voller Wucht an meine Schulter. Schmerzen durchfluteten meinen Körper und für einen Moment wurde die Welt schwarz. Von den Qualen überwältigt versagten meine Füße ihren Dienst und als mein Kopf auf dem Boden aufschlug spürte ich nur den Aufprall, der in einer Wolke der Leiden verpuffte.

Dumpfer Donner drang an meine Ohren und jeder von ihnen pulsierte in meiner Schulter wie Hammerschläge. Irgendwie hatte ich es geschafft, die andere Hand auf meine Schulter zu legen und dagegen zu pressen. Warmes Blut quoll dazwischen hervor, benetzte meine Finger und rann zwischen ihnen durch. Jedes Zeitgefühl war mir abhanden gekommen und ich kann nicht sagen, ob ich dort Minuten oder Stunden lag, als sich eine Hand auf meine Hand legte und sie sanft von der Wunde hob.


Kurz darauf schien mich ein Feuer ab der Schulter abwärts verzehren zu wollen. Heiß brannte es durch meine Venen und mein Gehirn entschied endgültig auf Standby zu schalten. 

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